Schlieren
Nedbei boxt sich weiter nach oben — er holte sich einen Profitrainer aus Hamburg

Um seinen Titel nach sechs Monaten zu verteidigen, musste der Oberengstringer Alexander Nedbei innerhalb einer Woche drei Kilo verlieren.

Cynthia Mira
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Der Oberengstringer hat nur sein Ziel vor Augen. Es gilt einen Titel zu verteidigen und dafür trainiert er täglich drei Stunden.
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Erst vor einem halben Jahr hatte Nedbei seinen grössten Triumph in der Sportart gefeiert.
Diese Halle hat der Profiboxer Alexander Nedbei in den Morgenstunden noch für sich alleine.
Nedbei boxt sich weiter nach oben
Für das Einwärmen ist zuerst zehn Minuten Seilspringen angesagt, dann geht es in den Ring.

Der Oberengstringer hat nur sein Ziel vor Augen. Es gilt einen Titel zu verteidigen und dafür trainiert er täglich drei Stunden.

Cynthia Mira

Unscheinbar führt eine Treppe hinauf zum Trainingsraum des Zürcher Ringerclubs in Schlieren. «No one here gets out alive» steht in grossen pinken Buchstaben auf einem Querbalken an der Decke. Davor hängen unzählige Medaillen. Diese Halle hat der Profiboxer Alexander Nedbei in den Morgenstunden noch für sich alleine. «Die meisten trainieren erst sehr spät am Abend, ich beginne immer um neun Uhr», erzählt er. Eine zweite Trainingseinheit folgt am Nachmittag. Der Oberengstringer hat nur sein Ziel vor Augen. Es gilt einen Titel zu verteidigen und dafür trainiert er täglich drei Stunden.

Erst vor einem halben Jahr hatte Nedbei seinen grössten Triumph in der Sportart gefeiert. Er gewann im Juni die Box-Gala, die von den Verbänden Universal Boxing Federation (UBF) und Global Boxing Union (GBU) organisiert wurde. Damit entschied er den «Universal Boxing Federation European Title» und den «Global Boxing Union Continental Title» für sich. Heute steht im deutschen Rastatt ein neuer Rivale, Anton Smojkin aus Estland, im Ring. Es sei üblich, dass man nach einem halben Jahr wieder antritt, erklärt der 33-Jährige.

Sein neuer Trainer reiste extra aus Hamburg an

Für die Vorbereitung und um ein weiteres Mal zu brillieren, holte sich Nedbei einen neuen Trainer an seine Seite. Seit 2008 bildet Nasser Chahrour aus Hamburg Profiboxer aus. Der Weg zur Spitze aber sei hart. «Es gibt auf der obersten Stufe im Boxen nur vier entscheidende Weltverbände», erklärt Chahrour. Vorübergehend habe er sich ein Zimmer in Dietikon gemietet. Sobald der Boxkampf vorbei sei, gehe es für ihn zurück in seine Heimatstadt. «Es ist normal, als Trainer von Profiboxern immer für ein paar Wochen oder Monate unterwegs zu sein», sagt er.
Für das Einwärmen ist zuerst zehn Minuten Seilspringen angesagt, dann geht es in den Ring. Die Aufbauphase sei vorbei, in der letzten Woche gehe es vor allem um Taktik und Technik, erklärt Nedbei. Er habe in kurzer Zeit enorm vom neuen Trainer profitiert: «Bei einem solchen Wechsel lernt man viel dazu und kriegt neue Inputs.».»

Der Oberengstringer trainiert täglich drei Stunden.

Der Oberengstringer trainiert täglich drei Stunden.

Cynthia Mira

Der eher ruhige Chahrour beobachtet zuerst und gibt dann erste Anweisungen. «Nur abblocken, nicht schlagen», sagt er. Dann steigt er ebenfalls in den Ring. Er lobt Nedbeis Kampfstil: «Er macht enormen Druck nach vorne und greift an. Das macht ihn aus.»

In einer Woche gilt es drei Kilo abzunehmen

Nedbei kam vor vier Jahren wegen seines Berufs als Security von Deutschland nach Zürich. «In dieser Zeit konnte ich fast nicht trainieren, weil man immer die ganze Nacht arbeitet und am Morgen nach Hause kommt.» Heute sei er nur noch als Personal Trainer unterwegs. «Mein Fokus liegt auf dem Sport, ich will weiterkommen», sagt er. Die Faszination liege für ihn im Ausgleich, den das Boxen biete: «Es ist der beste Sport, um abzuschalten und sich zu fokussieren. Man muss auch die eigenen Grenzen überwinden», meint er. Es sei das beste Training, um Stress loszuwerden, ergänzt Chahrour.
Für den Kampf musste Nedbei innerhalb einer Woche drei Kilo verlieren. Was für andere ein beinahe unerreichbares Ziel darstellt, ist für ihn Normalität. «Das geht rasch, die letzten Kilos verliere ich nur noch über Flüssigkeit.» Deshalb trainiere er mit einem speziellem Anzug, um mehr zu schwitzen.