Uitikon

Nebst Gättere-Wy gibt es nun auch Bier aus Uitikon

Sechs ehemalige Uitiker kommen regelmässig zusammen um Bier zu brauen. Die Nachfrage nach ihrem Güx ist grösser als ihr Angebot.

Es ist Samstag kurz nach zehn Uhr. Das Wasser im grossen Topf auf dem Bunsenbrenner ist bereits 50 Grad heiss. Nun kann das Einmaischen beginnen. Martin Egloff schüttet eine Getreide-Mischung ins dampfende Wasser. «Aus diesem Gemisch soll am Schluss 60 Liter Güx entstehen», sagt der 29-jährige Bewegungsanalytiker.

Mit Güx meint er das selbst gebraute Bier der sechs Üdiker Braufründe. Das sind neben Egloff, Riccardo Steffen, Roland Egloff, Raphael Schäfer, Andreas Bosshard und Flavio Benedetto. Im Sommer 2017 brauten sie zum ersten Mal gemeinsam Bier. «Weil es uns Spass macht und da wir so immer wieder einen Grund haben, uns zu treffen», sagt Steffen.

Der Malzdampf verteilt sich in der kalten Luft der Arbeitshalle am Waldrand in Uitikon. Es riecht nach Gerstensuppe. Damit die rund 14 Kilogramm Maische nicht am Boden des Stahltopfs anbrennt, wird Steffen als Erstes zum Rühren verdonnert.

Die grosse Holzkelle hat Raphael Schäfer, der Innenarchitekt geschreinert. Er ist der Dritte der anwesenden Braufründe. «Eigentlich wären wir ja zu sechst, doch der eine ist in Hongkong und die anderen zwei sind gerade am Arbeiten», so Egloff. Alle sechs sind in Uitikon aufgewachsen. Immer wieder treffen sie sich, um Bier zu brauen und zu trinken.

Ihr Absatzkanal: Instagram. Steffen, der als Assistenzarzt im Spital Zollikerberg arbeitet, ist dafür verantwortlich, dass neue Posts die Follower bei Laune und Kauflust halten. «Wir könnten sogar noch mehr Bier verkaufen.

Eine Bar in Zürich und ein lokaler Laden hätten Interesse», sagt Egloff. Doch das würde die Kapazität der Freunde möglicherweise übersteigen und der Produktionsstress könnte den Spassfaktor mindern.

Self-made Bierbrauer

Das Bierbrauen folgt einem stieren Zeitplan mit grad-genauen Temperaturangaben. Das Rezept, das in einem schwarzen Plastikordner abgelegt ist, bildet die Leitplanken für die Brauer. Nach dem Einmaischen und Aufkochen muss das Gemisch während 45 Minuten bei 66 Grad gekocht werden. Während dieser Zeit löst sich der Zucker aus den Ähren. Im Anschluss darauf folgt die sogenannte Läuterrast. Dabei heizen die Bunsenbrenner die Maische auf 78 Grad auf.

Alles, was die Üdiker Braufründe vom Brauen wissen, haben sie sich an einem eintägigen Kurs sowie mit Hilfe von Büchern und Internetlektüre beigebracht. Ihr Güx-Sortiment ist bereits auf zwei Sorten angewachsen: Huus-Güx und Fiirabig-Güx.

Vor einem Jahr probierten sie zudem ein Chrippe-Güx mit verschiedenen Weihnachtsgeschmäckern aus. «Doch das Experiment wollten wir dieses Jahr nicht wiederholen», sagt Egloff. Stattdessen sind sie daran, ein Pilsener und ein Indian Pale-Ale zu brauen.

Mittlerweile ist es Zeit, das Gemisch im Topf zu verdünnen, oder in der Biersprache: das Konzentrat abzuläutern. «Hier kommt das Schleckmaul zum Vorschein», sagt Steffen und probiert vom süssen Korn, das noch an der eisernen Wand des Topfes klebt.

Der Rest ist bereits im Plastikeimer und wird von Egloff ausgewaschen. Probiert man das ganze nochmals nach dem Verdünnen, schmeckt es nur noch nach fader Stärke. «Ich habe einmal ein Brot daraus gebacken. Das hat geschmeckt, doch das immer zu machen, wäre ein wenig aufwendig», so Egloff. Dieses Mal würden Kühe in den Genuss des überschüssigen Getreides kommen.

Abgelaufenes gibts nicht

Auf dem Bunsenbrenner ist das Malzgetränk am Siedepunkt angelangt. Somit ist der langersehnte Moment der Hopfen-Zugabe gekommen. Die grünen Pellets tauchen in die Flüssigkeit und erfüllen die Luft mit einem süsslich-herben Duft. «Als wir zum ersten Mal brauten, ist uns alles übergekocht», sagt Egloff. Diese Erfahrung ist wie alle anderen im Protokoll notiert, das als Erinnerung an alle Brau-Erlebnisse dient.

Nachdem die drei Freunde zwei-, dreimal den Hopfengeschmack tief eingeatmet haben, kochen sie das Gemisch nochmals auf. Danach wird es so schnell wie möglich abgekühlt und in Gäreimer abgefüllt. «Dort bleibt es, bis der Gärprozess ganz abgeschlossen ist», sagt Egloff.

Danach wird das Bier in Flaschen abgefüllt und mit Ablaufdatum versehen. «Doch abgelaufenes Bier gibt es bei uns nicht.» Schon weit vor dem Datum seien die Flaschen getrunken oder verkauft.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1