Schlieren
Neben der Melancholie hatte im Stürmeierhuus auch Komik Platz

Die Kulturkommission lud zu einem besonderen Erlebnis: Cornelia Montani inszenierte im Stürmeierhuus in einem Ein-Frau-Theater Franz Hohlers Novelle «Die Steinflut». Das Ergebnis war eindrücklich.

Mojan Salehipour
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Cornelia Montani im Erzähltheater im Stürmeierhuus in Schlieren
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Cornelia Montani schlüpft fliegend in die verschiedenen Rollen.
Cornelia Montani schlüpft fliegend in die verschiedenen Rollen.
Cornelia Montani als Katharina Disch.
Cornelia Montani als Katharina Disch mit Puppe.
Es wurde auch gejodelt.
Cornelia Montani als Katharina Disch.
Das unheilvolle Ende.
Cornelia Montani als Kaspar.

Cornelia Montani im Erzähltheater im Stürmeierhuus in Schlieren

Mojan Salehipour

Auf der Bühne steht ein roter Holztisch und daneben zwei weisse Stühle. Auf dem Tisch sind Spielbausteine verstreut. Auf dem Boden der Bühne liegt eine Puppe. Irgendwann verschwindet das einfache Bühnenbild vor dem Auge und die einzelnen Gegenstände vereinen sich zu einem Ganzen. Sie vereinen sich durch Cornelia Montanis Erzählungen.

Montanis ist die alleinige Darstellerin in diesem Erzähltheater. Sobald sie zu spielen und zu erzählen beginnt, wird aus der Bühne mit dem roten Holztisch die Stube, in der die kleine Katharina Disch sitzt, spielt oder schläft.

Von Katharina und ihrem Schicksal handelt die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht und von Franz Hohler in seiner Novelle «Die Steinflut» erzählt wurde. Katharina ist sieben Jahre alt und kommt aus dem Glarner Dorf Elm, wo sich am 11. September 1881 ein mächtiger Bergsturz ereignet, der das halbe Dorf unter sich begräbt. Zwei Tage vor diesem Ereignis wird Katharina mit ihrem kleinen Bruder Kasper zur Grossmutter geschickt. Ihre Eltern und die drei älteren Geschwister bleiben im Dorf. Die Mutter ist hoch schwanger und die beiden Jüngsten sollen bei der Grossmutter bleiben, bis das sechste Geschwister auf der Welt ist.

Während dieser zwei Tage lässt sich die Katastrophe schon erahnen. Immer wieder fallen Geröll und Gestein vom Berg und die Gespräche der Erwachsenen verheissen nichts Gutes. Zwar halten die meisten die Schliessung des Schieferbruchs für völlig übertrieben, nur weil es «es bitzeli rumpled». Vor allem stört es sie, dass dadurch über 100 Männer vorübergehend ihre Arbeit verlieren. Aber Katharina spürt den Berg und das Unheil kommen. Sie will unter keinen Umständen wieder ins Tal. Auch nicht am 11. September, als das neue Geschwister auf der Welt ist und die Grossmutter mit dem kleinen Kasper zurück ins Dorf geht, um die Familie zu besuchen. Katharina weigert sich verzweifelt und darf im Haus der Grossmutter bleiben. Das rettet ihr das Leben. Ihre Familie sieht sie nie wieder.

Eine erstaunliche Spielleistung

So düster und tieftraurig, wie man meinen könnte, ist das Stück von Cornelia Montani allerdings nicht. Zwar wird es getrieben von einer mal mehr und mal weniger latenten Melancholie, die auch in der Begleitmusik zum Ausdruck kommt. Aber selbst dort bleibt Platz für Witz und Komik.

Besonders erstaunlich ist dabei die Erzähl- und Spielleistung von Cornelia Montani. Während 80 Minuten lässt sie den Zuschauer in eine andere Welt eintauchen, lässt eine Geschichte mit verschiedenen Charakteren auf der Bühne aufleben und zieht das Publikum in ihren Bann. Besucherin Elfi Ebnöther sagt nach der Vorstellung: «Es war unglaublich fesselnd. So viel Text von einer Person vorgetragen und dabei so spannend - das ist beeindruckend.»