Limmattal
Neben Autobahn und Limmat wird die Stromversorgung für die Zukunft gesichert

Der Stromversorger EKZ hat in Oberengstringen ein neues Unterwerk gebaut, um die bestehenden in Schlieren und Dietikon zu entlasten. Der Acht-Millionen-Bau wird künftig mehrere Dörfer rechts der Limmat und einen Teil Schlierens mit Strom versorgen.

Florian Schmitz
Merken
Drucken
Teilen
Das neue EKZ-Unterwerk in Oberengstringen
9 Bilder
Einen Raum weiter sind die Mittelspannungsleitungen, von denen der Strom weiter zu lokalen Trafostationen verteilt wird.
An den einzelnen Leitungen sind die Destinationen angeschrieben.
Von aussen weist nur der blaue EKZ-Würfel darauf hin, dass von hier aus mehrere Dörfer mit Strom versorgte.
Die etwa 67 Tonnen schweren Transformatoren leisten je 40 Megavoltampere. Sie werden mit je rund 20000 Liter Öl isoliert und gekühlt.
Nicht nur das an vielen Ecken verbaute Kupfer zeigt, wie wichtig eine gute Erdung im Unterwerk ist.
Dank den Batterien in einem kleinen Nebenraum kann das Unterwerk im unwahrscheinlichen Fall eines Stromausfalls bis zu 24 Stunden weiterbetrieben werden.
Das 110kV-Hochspannungskabel (links) benötigt dank der hohen Spannung weniger Kupfer zum Leiten, aber eine viel dickere Isolationsschicht als das 16-kV-Mittelspannungskabel.
Im Keller des Unterwerks verlaufen die Hochspannungs- (links) und Mittelspannungsleitungen.

Das neue EKZ-Unterwerk in Oberengstringen

Severin Bigler

Wegen der regen Bautätigkeit, des stetigen Bevölkerungswachstums, zunehmender Arbeitsplätze und nicht zuletzt des Baus der Limmattalbahn wird der Stromverbrauch in der Region weiter ansteigen. In Oberengstringen rüstet sich EKZ für die Zukunft der Limmattaler Stromversorgung. Direkt neben der Autobahn wurde an der Allmendstrasse ein neues Unterwerk gebaut (siehe Zweittest "Vom Kraftwerk bis zur Steckdose daheim" unten links).

Bisher hat EKZ den Bezirk Dietikon mit zwei Unterwerken in Dietikon und Schlieren versorgt. Jenes in Schlieren sei aber heute ziemlich ausgelastet, sagt Martin Baumgartner, Projektleiter des Unterwerks in Oberengstringen.

Bei einem Besuch vor Ort weist abgesehen vom blauen EKZ-Logo auf den ersten Blick wenig darauf hin, dass von dem unscheinbaren, langgezogenen Betongebäude aus künftig Ober- und Unterengstringen, Weiningen und Teile von Schlieren mit Strom versorgt werden. Nur in der Nähe der zwei 40-Megavoltampere-Transformatoren ist das typische Hochspannungsbrummen zu vernehmen. Die Umgebung sieht teilweise noch wie eine Baustelle aus. Das soll sich bis im Frühjahr ändern, sagt Baumgartner.

Innerhalb von zwei Jahren wird Betrieb hochgefahren

Vom Kraftwerk bis zur Steckdose daheim

Bevor Strom zu Hause aus der Steckdose genutzt werden kann, legt er einen langen Weg zurück. Von Kraftwerken aus wird die Energie zunächst über Höchstspannungsleitungen von 220/­380 Kilovolt zu den Verbraucherzentren transportiert. Dabei funktioniert die Stromspannung ähnlich wie der Druck einer Wasserleitung: Je höher sie ist, desto effizienter können grosse Mengen geleitet werden.

In den Stützpunkt-Unterwerken der Überlandwerke wird der Strom auf 110-kV-Hochspannung transformiert und weiter an regionale Unterwerke wie das in Oberengstringen verteilt. Dort wird die Energie vom Transportnetz der Axpo entnommen und auf die 16-kV-Mittelspannung des Verteilnetzes transformiert. Von den Unterwerken fliesst der Strom weiter zu kleineren Trafostationen, wo er abermals transformiert und für Endkunden nutzbar gemacht wird. EKZ betreibt im Kanton ausserhalb von Zürich und Winterthur 40 Unterwerke. (flo)

Auch drinnen bleibt noch viel zu tun. Der Bau steht seit Juli und wird derzeit nach und nach in Betrieb genommen. Diverse Mittelspannungsleitungen zur Feinverteilung müssen noch erstellt werden. Und bisher ist das Unterwerk erst von Schlieren aus an das Axpo-­Hochspan­nungs­netz angebunden.

Erst wenn bis Februar der Zweitanschluss ab Regensdorf steht, kann das Unterwerk richtig genutzt werden. Und zwar aus Sicherheitsgründen, wie Hanspeter Häberli, Leiter Bau & Anlagen bei EKZ, erklärt. Im Normalbetrieb würden die beiden Transformatoren höchstens mit halber Leistung laufen, damit Endverbraucher im sehr seltenen Fall eines Trafoausfalls über den anderen Trafo unterbruchsfrei weiterversorgt werden können.

Schon in zwei Jahren werde das Unterwerk im Alltag voraussichtlich zur Hälfte ausgelastet sein, sagt Baumgartner. Redundanz ist für den Betrieb des Unterwerks ein wichtiges Stichwort. An allen Ecken und Enden wurden Sicherheitsmechanismen eingebaut, damit die Stromversorgung auch im Fall von Störungen oder Ausfällen gewährleistet werden kann. Die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit seien viel wichtiger als eine möglichst hohe Maximalleistung, erklärt Baumgartner.

Grosses Rechenzentrum daneben als Glücksfall

Dass EKZ das Unterwerk auf dem schmalen Landstreifen in Oberengstringen erstellt hat, liegt daran, dass direkt daneben das kalifornische Unternehmen Equinix ein energieintensives Rechenzentrum betreibt. Der globale Dienstleister für digitale Infrastruktur hat in den letzten Jahren 51 Millionen Franken in dessen Ausbau investiert.

Nachdem EKZ von den Plänen erfahren hatte, sei es gelungen, Equinix zu überzeugen, ein Stück Land abzutreten. Zuvor hätten sie bereits seit Jahren nach einem geeigneten Standort gesucht, sagt Häberli. Denn es sei immer schwierig, zonenkonforme Grundstücke für neue Stromverteilanlagen zu finden.

Mitte 2018 begannen die Arbeiten an der rund acht Millionen Franken teuren Anlage. Die Herausforderungen vor Ort hätten die Bauzeit zwar etwas verlängert und die Kosten in die Höhe getrieben, sagt Häberli. Dennoch sei man rechtzeitig fertig geworden. Besonders aufwendig seien die Zuleitungen gewesen, die mittels Spülbohrungen unter der Limmat und der A1 hindurch erstellt wurden. «Wir benötigten mehrere Anläufe», sagt Häberli. Dabei ging sogar ein Bohrkopf verloren. Nun verlaufen die Leitungen mehr als zehn Meter unterhalb des Limmatgrunds. Zudem sei der Boden neben der Limmat eher weich und die Platzverhältnisse sehr eng, weshalb im Gegensatz zu den Unterwerken in Schlieren und Dietikon viel kompakter gebaut wurde.