Dietikon
Naturschützer-Rekurs sorgt für weitere Verzögerung beim Schutz des Flachmoors

Der Naturschutzverband Birdlife findet, die Schutzverordnung für das Flachmoor gehe viel zu wenig weit.

Alex Rudolf
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Das Flachmoor zwischen Limmat und Industriegebiet Silbern ist umstritten. Den Naturschützern gehen die geplanten Massnahmen nicht weit genug.

Das Flachmoor zwischen Limmat und Industriegebiet Silbern ist umstritten. Den Naturschützern gehen die geplanten Massnahmen nicht weit genug.

Sandro Zimmerli

Vorerst wird die über 20-jährige Geschichte um den Schutz des Dietiker Flachmoors zu keinem Ende kommen. Denn der Verband Birdlife reicht gegen die vergangene Woche vom Regierungsrat festgesetzte Schutzverordnung einen Rekurs ein, wie die stellvertretende Geschäftsführerin, Christa Glauser, gestern auf Anfrage bestätigte. Gar ein Gang vor Bundesgericht zeichnet sich ab.

Damit verzögert sich erneut, was eigentlich schon längst umgesetzt hätte werden müssen. Bereits 1994 forderte der Bund von den Kantonen, den Schutz ihrer Flachmoore von nationaler Bedeutung bis spätestens 1997 zu regeln. Schwung in die Sache kam im Kanton Zürich erst 2012, als sich das Dietiker Stimmvolk für den Gestaltungsplan Silbern-Lerzen-Stierenmatt (SLS) des angrenzenden Industriegebiets aussprach. Da der Moorschutz bei diesem fehlte, reichten Birdlife und Pro Natura Rekurs dagegen ein. Erst vergangenen Sommer wurde die auf Druck des Kantonsrats erstellte Moorschutzverordnung öffentlich aufgelegt – und von den Naturschutzvereinen als zu lasch taxiert.

Die nun vom Regierungsrat festgesetzte Verordnung erlaube den Grundbesitzern im Dietiker Industriegebiet sogar einen noch grösseren Spielraum als es der Gestaltungsplan aus dem Jahr 2012 getan hätte, sagt Glauser. «Hauptsächlich die Gebäudehöhen von zwischen 50 und 100 Metern und gar darüber sowie die Nähe der Baulinien zum Moorschutzgebiet halten wir für nicht moorschutzkonform.»

Schulhaus ist Dorn im Auge

Oder etwa die Bestimmungen zur Landwirtschaftszone zwischen Teischlibach und Kantonsgrenze. «Hier wird festgeschrieben, dass keine Bauten erstellt werden dürfen, welche die Vernetzung stören. Dabei sollten hier gar keine Bauten erlaubt sein, da es sich um die einzige Verbindung des Schutzgebietes zum nächsten Naturraum handelt.» Aber auch weitere Aspekte der Verordnung seien nicht klar festgeschrieben worden. «So wäre es zum Beispiel auch möglich, dass die Stadt Dietikon ihr Schulhaus neben dem heutigen Werkhof zehn Meter entfernt von der Schutzgebietsgrenze 25 Meter hoch bauen könnte. Dies wäre ein schwerwiegender Eingriff für das geschützte Gebiet», so Glauser.

«Diese Verordnung entspricht nicht der Verantwortung, die der Kanton und die Gemeinde gegenüber dem Lebensraum, aber auch gegenüber den Landbesitzern und Investoren hätten wahrnehmen müssen. Daher werden wir die Verordnung gerichtlich prüfen lassen», sagt Glauser. Sie schätzt die Chancen des Rekurses beim erstinstanzlichen Zürcher Baurekursgericht als intakt ein: «Denn vor Gericht zählen die Fakten. Spätestens das Bundesgericht wird neutral entscheiden», so Glauser.

Ausführlich nahm Birdlife vor einem Jahr Stellung zum Entwurf der Verordnung. Einige Punkte wurden daraufhin vom Kanton auch tatsächlich abgeändert. «Beispielsweise wurde die hydrologische Pufferzone verbessert», so Glauser. «Dies, weil sich unter anderem die Stadt Dietikon dazu bereit erklärte, ein Messnetz zu installieren, welches Liegenschaften eruiert, die den Wasserlauf stören.» Mit dieser Lösung ist die Naturschutzorganisation zufrieden.

Schulbau neu beurteilen?

Der Kanton will diese Vorwürfe nicht gelten lassen: «Die aufgrund der Vernehmlassung eingegangenen Einwände und die daraufhin geführten Gespräche zeigten, dass es sich bei der Schutzverordnung um einen gut ausgewogenen Kompromiss handelt», sagt Wolfgang Bollack, Sprecher der kantonalen Baudirektion. Rekurse könnten auch in einem solchen Fall nicht ausgeschlossen werden.

Diesen Rekurs habe man zwar nicht erwartet, mit Sicherheit habe man ihn aber auch nicht ausschliessen können, sagt der Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP). Er verweist auf die zwei vom Kanton in Auftrag gegebenen Fachgutachten, an welchen sich die Schutzverordnung eng orientiere. «Für die Stadt ist es schwierig abzuschätzen, ob Einwände zu den Fachgutachten korrekt sind oder nicht», so Müller. Doch bedauert er, dass sich nach dem langen Prozess der Erarbeitung die Rechtssicherheit für das Arbeitsplatzgebiet Silbern weiterhin verzögert. Nebst den negativen Auswirkungen für die Grundeigentümer müsse «eventuell auch der geplante Schulhausneubau neu beurteilt werden». Wie lange sich die Inkraftsetzung nun verzögert, hängt davon ab, wie viele gerichtliche Instanzen sich mit dem Rekurs beschäftigen werden. Bis zu einem erstinstanzlichen Urteil, so Müller, sei mit einer Verzögerung von mindestens einem Jahr zu rechnen.

Klare Worte findet Urs Jenny, Präsident der IG Silbern, die rund 60 Grundeigentümer vertritt. «Für uns ist die Situation langsam unerträglich und man verliert bald die Geduld», sagt er. Nach den Gesprächen mit Kanton und Birdlife habe man gehofft, die Naturschützer würden sich mit der Verordnung einverstanden erklären: «Wir Grundeigentümer sind bereits stark eingeschränkt mit der vorliegenden Verordnung.»