Herr Egloff, gestern hat die SVP Hans-Ueli Vogt ins Rennen um einen Zürcher Ständeratssitz geschickt. Auch Sie wurden als heisser Kandidat gehandelt. Hatten Sie keine Lust auf einen Wechsel ins Stöckli?

Hans Egloff: Ich wollte tatsächlich nicht für den Ständerat kandidieren. Dann kam aber die Findungskommission auf mich zu – obwohl ich mich weder von der Bezirkspartei anmelden liess noch mich selbst dafür bewarb. Ich habe der Kommission erklärt, dass ich mir eine Ständeratskandidatur nur dann noch einmal überlegen würde, falls sie zum Schluss käme, dass es ausser mir wirklich keinen anderen geeigneten Kandidaten gibt.

Sie hätten sich also zur Verfügung gestellt, aber eher widerwillig?

So hart würde ich es jetzt nicht ausdrücken. Aber ja: Ich hätte quasi das Opfer erbracht, wenn es nötig gewesen wäre.

Was ist denn am Nationalrat besser?

Das Politisieren im Nationalrat lässt sich zuerst einmal besser vereinbaren mit meiner Arbeit als Präsident des Schweizer Hauseigentümerverbands (HEV). Generell kann man in der grossen Kammer anders auftreten und eine andere Politik betreiben als im Ständerat. Am Nationalrat gefällt mir das politische Paktieren, das Schmieden von Allianzen, auch über die Parteigrenzen hinweg — ich kann etwa auch mit BDP und GLP immer wieder gute Gespräche führen. Im Stöckli hingegen spielt die Parteizugehörigkeit eine untergeordnete Rolle – die Parteistärken entsprechen dort ja auch nicht den Wähleranteilen.

Welche Gründe hat die Findungskommission dafür vorgebracht, Sie direkt für das Stöckli anzufragen?

Meine politische Erfahrung spielte dabei natürlich eine grosse Rolle. Ich bin seit über 30 Jahren politisch aktiv, habe diverse Ämter bekleidet. Während meiner 16 Jahre im Zürcher Kantonsrat und meiner bald vier Jahre im Nationalrat sowie durch das HEV-Präsidium konnte ich viele Kontakte knüpfen. Kurz: Man kennt mich, ich habe einen politischen Leistungsausweis und darüber hinaus hat die Findungskommission wohl auch einen Vorteil darin gesehen, dass ich als SVP-Politiker über die Parteigrenzen hinweg Akzeptanz geniesse.

Wie äussert sich das?

Etwa darin, dass ich im Limmattal stets viele Panaschierstimmen holen konnte: Auch Leute, die sonst andere Parteien wählen — vor allem FDP und CVP —, geben mir jeweils ihre Stimmen. Das war schon zu meiner Zeit als Kantonsrat so. Nur mit SVP-Stimmen wäre mir auch der Sprung ins Bundesparlament nicht gelungen. Interessant finde ich zudem, dass ich heute viel mehr als «unser Limmattaler Nationalrat» denn als «SVP-Nationalrat» gelte.

Und, gefällt Ihnen das? Werden Sie im Herbst erneut kandidieren?

Auf jeden Fall. Ich habe der Listenkommission bereits mitgeteilt, dass ich für eine weitere Amtszeit kandidieren möchte. Die Politik macht mir grossen Spass. Sie ist meine Passion und nicht nur eine Beschäftigung. Und ich bin ja auch noch nicht gerade im Pensionsalter (lacht). Zudem habe ich noch einige Pläne in Bern.

Zum Beispiel?

Ich möchte insbesondere für die Hauseigentümer noch zwei, drei Erfolge einheimsen. Auf gutem Weg ist etwa meine Motion zum Eigenmietwert. Auch bei der Revision des Mietrechts will ich mich unbedingt einbringen. Nicht zuletzt gibt es auch im Limmattal noch ein paar Baustellen, denen ich mich widmen möchte.

Welche denn?

Zuerst denke ich da an den Ausbau des Gubrists. Vieles ist zwar bereits erreicht. Ich habe zwei Mal persönlich bei Bundesrätin Doris Leuthard vorgesprochen, um die Weininger Anliegen zu vertreten. Solche Türen öffnen sich einem als Nationalrat natürlich leichter. Auch für die Etappierung der Limmattalbahn, wie sie jetzt vorgesehen ist, habe ich mich auf diesem Weg eingesetzt.

Sie sprechen Verkehrsthemen an, haben Sie noch weitere Anliegen?

Verkehrspolitik ist ja nie nur Verkehrspolitik; man kann sie nicht isoliert betrachten. Mit ihr hängen letztlich auch Wohnqualität, Arbeitsplatzsicherheit, ja die ganze wirtschaftliche Entwicklung zusammen. Und im Wirtschafts- und Lebensraum Limmattal läuft zurzeit einiges. Es braucht Leute, die sich für die regionalen Interessen einsetzen. Bei dieser Entwicklung will ich an vorderster Front mit dabei sein.

Auch als Co-Präsident der Allianz Pro Limmattalbahn können Sie das tun. Gibt es Neuigkeiten?

Zurzeit bin ich sehr zufrieden. Nachdem ich nun mehrere Gespräche geführt habe, kann ich verraten, dass man Ende März im Kantonsrat ein positives Resultat erwarten darf. Im Aargau müssen wir dafür noch etwas arbeiten.

Eine eventuelle Volksabstimmung macht Ihnen keine Sorgen?

Behördenreferenden erwarte ich mittlerweile nicht mehr. Auch mit einem Volksreferendum rechne ich ehrlich gesagt nicht. Denn meine Wahrnehmung ist, dass es zwar immer noch kritische Stimmen gibt, diese aber klar in der Minderheit sind. Wichtig ist, dass das Limmattal sich nun dazu bekennt, dass es diese Bahn braucht — losgelöst von Detailfragen zur Linienführung.

Nationalrat, Anwalt, HEV-Präsident, Allianz-Co-Präsident – wird Ihnen das nicht alles einmal zu viel?

Es ist sehr viel, aber nicht zu viel. Denn ich kann dabei auch viele Synergien nutzen. Zu Beginn meiner Zeit in Bern musste ich aber zuerst wieder lernen, für meine Anliegen zu kämpfen. Nach Jahren im Kantonsrat hatte ich einen festen Platz und stand in der Hackordnung weit oben. Im Nationalrat musste ich wieder ganz von vorne beginnen. Mittlerweile habe ich meinen Platz aber gefunden. Im März werde ich zum Beispiel aller Voraussicht nach Mitglied der Wirtschafts- und Abgabenkommission, die in Bern oben auch gerne als die wichtigste aller Kommissionen bezeichnet wird. So hoffe ich natürlich, noch mehr Einfluss zu erlangen.