Limmattal
Nasser Juli beschert Winzern Mehrarbeit

Die Wetterkapriolen haben den Weintrauben nicht zugesetzt — im Gegenteil: Auf dem Rebland des Kloster Fahr wie auch in Weiningen dominiert das Grün.

Carla Stampfli
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Roland Steinmann kontrolliert regelmässig die Trauben.
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Regent-Trauben auf dem Rebland des Klosters Fahr.
Nasser Juli beschert Winzern Mehrarbeit

Roland Steinmann kontrolliert regelmässig die Trauben.

Carla Stampfli

Behutsam und mit einem gekonnten Griff entfernt Roland Steinmann die jungen Triebe von den Blauburgunder-Trauben auf dem Rebland des Kloster Fahr. Nach und nach kommen die noch grünen Beeren unter den vielen Blättern zum Vorschein. «Durch das Auslauben erhalten die Trauben Sonne und können trocknen», sagt der Kellermeister des Klosters. Denn die jungen Triebe, die sogenannten Geiztriebe, würden der Pflanze Energie entnehmen und so den Reifeprozess bremsen.

Grund für das üppige Grün ist der Regen, der im letzten Monat überdurchschnittlich gefallen ist: Das nasse Wetter hat den Weinreben einen zusätzlichen Wachstumsschub gegeben. «Der Regen hat aber keine Schäden hinterlassen», sagt Roland Steinmann und fügt lachend an: «Wir haben jetzt einzig einige Stunden mehr Arbeit zu leisten.» In der Tat wird der 50-Jährige heute beschäftigt sein, die übrigen Geiztriebe der Blauburgunder-Trauben sowohl maschinell wie auch von Hand zurückzuschneiden. «Die Ausgangslage der Weinreben sieht gut aus. Während der Traubenblüte hatten wir schönes und trockenes Wetter», sagt Steinmann und blickt auf die Weintrauben in seiner Hand. Im Vergleich zum Vorjahr, so der Kellermeister, sei der Reifeprozess der Trauben zum jetzigen Zeitpunkt rund zehn Tage weiter vorangeschritten.

Ernte ist abhängig von der Sorte

Dass die Weintrauben in diesem Jahr früher dran sind, bestätigen auch die beiden Weininger Winzer Hans-Heinrich Haug und Peter Vogler. «Bislang hatten wir ein erfreuliches Wachstum. Die Reben sehen gut aus», sagt Hans-Heinrich Haug. Er hoffe nun auf einen schönen und trockenen Herbst: «Das ist die Voraussetzung für einen guten Wümmet.» Auch Selbsteinkelterer Peter Vogler wünscht sich einen möglichst trockenen Herbst. Der Boden, so der Winzer, sei im Juli teilweise so durchnässt gewesen, dass der Traktor an einigen Steilhängen nicht mehr fahren konnte. Um den Pilzbefall, der durch das nasse Wetter begünstig wird, vorzubeugen, musste Peter Vogler die Weinreben mit dem Schlauch bespritzen. «So wie früher», sagt Vogler.

«Nun haben die Rebstöcke bis zur Reife genug Wasser», sagt Roland Steinmann auf die Wetterkapriolen des letzten Monats angesprochen. Er rechnet damit, dass man mit dem Wümmet zwischen dem 20. und 25. September beginnen kann. «Der Zeitpunkt der Ernte ist jedoch abhängig von der Sorte», sagt Steinmann. So seien beispielsweise die Regent-Trauben ähnlich frühreif wie die Sorte Riesling-Sylvaner. Tatsächlich sind die meisten Beeren der Regent-Rebstöcke, die einige Reihen neben dem Blauburgunder wachsen, bereits blau verfärbt. Für Roland Steinmann und sein Team, dem zwei Saisonniers und freiwillige Helfer des Vereins Pro Kloster Fahr angehören, heisst es nun laufend den Rebhang zu kontrollieren. «Unter anderem schneiden wir diejenigen Trauben weg, die in der Entwicklung zurückgeblieben sind». Die sogenannte Ertragsregulierung, so der Kellermeister, diene der Qualitätssteigerung. Auch die Weininger Weinbäuerin Ruth Haug ist zurzeit daran, die Menge der Riesling-Sylvaner-Trauben zu regulieren. «Wir haben dieses Jahr grosse und zu viele Trauben», sagt Haug. Weil die Qualität wichtiger sei als die Quantität, reduziere sie die Anzahl Trauben: «Damit sie Platz haben und reifen können», sagt die Weinbäuerin.

Mit Freude blickt Roland Steinemann auf den kommenden Wümmet. Im Herbst feiert der Kellermeister bereits seine 25. Weinernte. Obwohl er seit 1988 für das rund 4,2 Hektaren grosse Rebland des Klosters zuständig ist, hat er die Leidenschaft nie verloren. «Jedes Jahr ist eine neue Herausforderung. Das ist das Schöne», sagt er. So müsse man jederzeit bereit sein, auf die äusseren Umstände reagieren zu können: «Es ist die Weinpflanze, die den Arbeitstakt vorgibt.»