Schlieren
«Nase voll vom Bauboom und Verdichtung»: Überbauung der Geissweid hat schlechte Karten

Selbst die Initianten der Idee rechnen nicht mehr damit, dass auf dem Chilbiplatz in Schlieren dereinst gewohnt wird.

Alex Rudolf
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Noch ist offen, wie es mit der Geissweid weitergeht – setzen sich Stadtrat und Initianten mit einem begrünten Platz durch oder bürgerliche Exponenten, die ein Mehrfamilienhaus verlangen?

Noch ist offen, wie es mit der Geissweid weitergeht – setzen sich Stadtrat und Initianten mit einem begrünten Platz durch oder bürgerliche Exponenten, die ein Mehrfamilienhaus verlangen?

Sophie Rüesch

Weniger Bäume und 90 000 Franken günstiger: Dies sind die beiden markantesten Unterschiede zwischen den beiden Projekten für den Schlieremer Geissweid-Platz, der im Volksmund auch Chilbiplatz genannt wird. Im vergangenen Dezember rückte die Gestaltung des im Stadtzentrum gelegenen Kiesplatzes in den öffentlichen Fokus. Damals stellte der Stadtrat dem Gemeinderat einen Antrag für ein Projekt mit 80 Bäumen für 990 000 Franken. Das Projekt wurde jedoch an den Stadtrat zurückgesandt.

Diese Woche nun stellte die Exekutive eine günstigere, weniger begrünte Variante in Form einer Umsetzungsvorlage zur Geissweid-Initiative vor. Ein Komitee aus Grünen, Grünliberalen und Sozialdemokraten verlangte darin, entgegen dem Willen des Parlaments, den Chilbiplatz nicht zu überbauen. Über 600 Unterschriften wurden Anfang Jahr innert weniger Wochen für dieses Anliegen gesammelt.

Goutiert das Parlament den Umstand, dass der Stadtrat ihm ein nur leicht abgeändertes Projekt vorlegt? Zumal als einer der Gründe für die Ablehnung des Geschäfts im Dezember mehrmals moniert wurde, eine lukrative Bebauung der Geissweid sei nicht geprüft worden. Mehrere bürgerliche Parlamentarier konstatieren hinter vorgehaltener Hand, dass die Karten für eine Überbauung der Geissweid heute schlecht stünden. So wäre diese wohl aufgrund der speziellen Lage mit der Wendeschlaufe des 2-er-Trams zu teuer. Zudem drängt die Zeit, da der Bau der Tramverlängerung im Herbst beginnen soll. Sind die Gleise dereinst verlegt, würden die Baukosten in die Höhe schnellen.

«Die Gegner einer Überbauung sind sehr stark.»

Peter Voser, ehemaliger Schlieremer Stadtpräsident und Präsident der Liberalen Baugenossenschaft

«Wunsch nicht ernstgenommen»

Gemeinderat und Mitglied der Geschäftsprüfungskommission (GPK) Thomas Widmer (Quartierverein) stellte im Dezember als Sprecher der GPK-Mehrheit die Argumente vor, die für eine Bebauung der Geissweid sprechen. Heute betont er, dass es sich bei der Umsetzungsvorlage beinahe um dasselbe Geschäft handle, welches vom Gemeinderat damals verworfen wurde. «Ich habe das Gefühl, der Wunsch nach einer Bebauung des Platzes wurde vom Stadtrat nicht ernstgenommen.» Widmer kann sich gut vorstellen, dass das Parlament denselben Entscheid fällen wird wie im Dezember und die Vorlage dann vors Volk kommt.

Dass innert derart kurzer Zeit 600 Signaturen für eine freie Geissweid gesammelt werden konnten, kann er gut nachvollziehen. «Die Schlieremer haben die Nase voll vom Bauboom und von Verdichtung», sagt er. Doch ist er noch immer davon überzeugt, dass eine Bebauung der Geissweid sinnvoller wäre, als die Überbauung der grossen grünen Wiese im Stadtpark für das Alterszentrum, so wie der Stadtrat es plant.

Initiative hat keine Gegner

Befruchtet hatte die Idee einer Bebauung die Liberale Baugenossenschaft Schlieren (LBS). Sie holte die benachbarten Landbesitzer, die Kohler AG, an Bord und lancierte eine Projektstudie, aus der ein Mehrfamilienhaus resultierte, das über den Tramschienen erstellt werden könnte. Wie schätzen die Verantwortlichen der LBS die Lage ein? Eine Empfehlung zu diesem Geschäft gebe er den Gemeindeparlamentariern nicht ab, sagt der ehemalige Stadtpräsident Peter Voser (FDP) und aktuelle LBS-Präsident. «Ich habe das Gefühl, dass die Gegner einer Überbauung sehr stark sind. Innert nur weniger Tage über 600 Unterschriften zu sammeln, ist schon beeindruckend», so Voser. Zudem vernehme er in der Stadt zur Zeit keine Stimmen, welche die Initiative aktiv bekämpfen und sich stark für eine Überbauung einsetzen wollen.

«Zwar liessen sich bürgerliche Parlamentarier von unserer Projektstudie begeistern und wiesen die erste Vorlage des Stadtrates im Dezember für weitere Abklärungen zurück», so Voser.
Für den Fall, dass sich das Parlament und auch das Volk gegen die Initiative und gegen die Umsetzungsvorlage des Stadtrates aussprechen, stünde die LBS zur Stelle, so Voser. «Wir sind stets auf der Suche nach geeignetem Bauland in Schlieren. Wegen der rasant gestiegenen Preise, wurden wir jedoch in jüngster Zeit nicht mehr fündig.»