Urdorf
«Napas Tod hat uns allen das Herz gebrochen»: Wieso Beat Schmid im Bärenland Arosa arbeitet

Der Urdorfer Beat Schmid ist Teil des Freiwilligen-Tema seit 2019 als Freiwilliger im Bärenland Arosa.

Margret Stöcklin
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Beat Schmid wohnt seit 40 Jahren mit seiner Familie in Urdorf.

Beat Schmid wohnt seit 40 Jahren mit seiner Familie in Urdorf.

Margret Stöcklin

Beat Schmid bezeichnet sich selbst als aufgeschlossene und hilfsbereite Person, die gerne für die Familie da ist. «Ich denke, dass mich diese Eigenschaften dorthin gebracht haben, wo ich heute bin», sagt der 1953 in Basel Geborene, welcher mit zwei älteren Geschwistern in Muttenz aufgewachsen ist.

Nach Beendigung seiner obligatorischen Schulzeit liess sich der handwerklich begabte Schmid zum Sanitärinstallateur ausbilden und blieb seinem Beruf bis zur Pensionierung mehr oder weniger treu. Er habe dazwischen auch Arbeiten erledigt, die mit seiner Ausbildung nichts zu tun hatten wie beispielsweise Klär-Wart einer Kläranlage. «Besonderen Spass machten mir die zwei Saisons in Arosa, wo ich im Sommer als Sanitär und im Winter als Mädchen für alles in einem Hotel beschäftigt war.» Sein eigenes Sanitär-Geschäft musste er nach zehn Jahren aufgeben.

Beat Schmid wohnt seit 40 Jahren in Urdorf. Seiner Familie gefalle es dort, weil alle Freunde gefunden hätten. Ein wenig störend sei allerdings, dass es hier gewisse Dinge nicht zu kaufen gäbe, fügt er an.

Jahrelang in einem zu ­kleinen Käfig gelitten

Mit Arosa fühlt sich Schmid seit 46 Jahren stark verbunden. Er hat auch die Entstehung vom Bärenland mitverfolgt und begrüsst. Grund für den Bau dieser Anlage waren die zwei Jungbären vom Bärengraben in Bern, welche 2011 ein neues Zuhause suchten. Pascal Jenni, Direktor vom Verkehrsverein, hatte schon damals die Idee, in Arosa ein Bärenland zu schaffen. Leider waren diese kleinen Petze jedoch zur falschen Zeit am falschen Ort, denn erst 2018 konnte der Plan vom Bärenland in Arosa verwirklicht werden. Seit Herbst 2019 ist Beat Schmid Mitglied im Freiwilligen-Team vom Bärenland und lernte dort Napa kennen, einen speziellen Bären, welcher zu einem Drittel Eisbär war, weil er einen Eisbär-Grossvater hatte. Napa war ein Zirkusbär, welcher viele Jahre lang in einem viel zu kleinem und engen Käfig, drei Meter breit und zwei Meter hoch, gefangen gehalten wurde. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten befreite ihn und brachte Napa zur Eröffnung vom Bärenland nach Arosa. Der geschundene Zirkusbär durfte fortan in der schönen Aroser Bergwelt, in einer 2,8 Hektar grossen Anlage leben. Im folgenden Winter kamen die Bärengeschwister Meimo und Amelia hinzu. Leider musste Napa im November 2020 von seinem grossen Leiden erlöst werden. «Napas ­ Tod hat uns allen das Herz gebrochen», sagt Beat Schmid.

Er gibt den Besuchern Auskunft über die Bären und das Bärenland sowie über Vier Pfoten Schweiz – die Organisation unterstützt die Anlage und stellt auch gewisse Bedingungen stellt. Sinn und Zweck von Vier Pfoten ist die Rettung von Tieren in Not. Auflage ist, dass in sämtlichen Schutzzentren keine Jungtiere gezeugt werden dürfen, weil jedes Jungtier einem Tier in Not den Platz wegnehmen würde. Vier Pfoten Schweiz feierte 2020 das 30-Jahre-Jubiläum. Beat Schmid empfiehlt die Tierschutzorganisation sehr. Jede Spende mit dem Vermerk «Bären» käme den insgesamt sieben weltweiten Schutzzentren zu Gute. Schmid macht es Freude, die Fragen der Besucher zu beantworten. «Und es ist schön, sehen zu können, wie es den Bären immer besser geht.» Ausser natürlich Napa, der seine Freiheit nur zweieinhalb Jahre geniessen durfte, was Schmid immer noch sehr traurig stimmt. «Ich darf gar nicht daran denken», sagt der 68-Jährige, welcher davon überzeugt ist, dass das Bärenland, dank der vielen Gönner, eine gute Zukunft hat.

Die Anlage ist so konzipiert, dass sie fünf Bären Platz bietet. Aktuell haben noch zwei weitere Bären Platz. Kurz vor Weihnachten war Jambolina, wiederum ein Zirkus-Bär, hinzugekommen. Von Dezember bis Mitte/Ende April befinden sich alle drei Bären in der Winterruhe. Während sie vor sich hindösen, fressen und trinken sie nichts, so dass sie 30 Prozent ihres Körpergewichts verlieren, alles nur Fett und keine Muskelmasse. Meimo und Amelia haben sich erstmals ihre Höhle draussen eingerichtet. Und Jambolina verbringt den Winter dösend in der Innenanlage. «Ich würde mich freuen, wenn auch in diesem Jahr wieder viele Leute vom Limmattal nach Arosa kämen, um sich das Bärenland anzugucken», sagt Schmid.

Nächste Begegnung: Ursula Räbsamen, Schlieren