Birmensdorf

Nahkampflektionen im Reppischtal: Kantonspolizei weiht neues Ausbildungsgebäude ein

Die Fertigstellung des neuen Polizei-Trainingscenters im Reppischtal zieht einen Schlussstrich unter eine rund zwölfjährige Planungsgeschichte.

Als ein flüchtiger Fahrzeugdieb im Oktober in Winterthur eine Strassensperre durchbrach und dabei eine Polizistin anfuhr, versuchte eine andere Polizistin, den Luxus-BMW mit einem Schuss zu stoppen. Es war der erste Schusswaffeneinsatz der Kantonspolizei in rund drei Jahren. Das kommt nicht von ungefähr. «Polizistinnen und Polizisten müssen gut schiessen können, damit sie nicht schiessen müssen», wiederholte Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) gestern eine Polizei-Weisheit, als er zusammen mit rund 50 weiteren Gästen das neue Ausbildungsgebäude der Kantonspolizei im Waffenplatz Reppischtal eröffnete. Es liegt in Birmensdorf links der Reppisch, kurz vor der Grenze zu Urdorf.

Das Reppischtal ist einer der Orte, an dem die Kantonspolizei ihre über 2500 Waffenträgerinnen und -träger das Schiessen lehrt. So richtig zufrieden mit dem Standort war sie aber nicht. «Für Theorielektionen hatten wir hier nur die grüne Wiese. Das war ein Manko», sagte bei der gestrigen Feier der zufriedene Kommandant der Kantonspolizei, Thomas Würgler, dessen beide Schultern drei gelbe Sterne auf rotem Grund zieren.

Auch hatte die Kantonspolizei im Reppischtal keinen passenden Ort, um zum Beispiel Nahkampftechniken zu üben. Diese Zeiten gehören nun endgültig der Vergangenheit an.

Im Reppischtal werden auch Verhaftungen geübt

Das gestern am späten Nachmittag eröffnete Ausbildungsgebäude verfügt unter anderem über einen Theorieraum sowie einen grossen Trainingsraum. In diesem erklärten drei Einsatztrainer der Kantonspolizei – Pascal Blunschi, Daniel Fritschi und Marc Wyss – den Gästen, was sie auf den grauen Matten üben.

Demonstriert wurden Verhaftungen ohne und mit Gegenwehr sowie Angriffe eines rachsüchtigen Kriminellen, der einen Polizisten zuerst mit blossen Händen und beim zweiten Versuch mit einem Stock angreift. Fazit: Angriff oder Gegenwehr zwecklos. Die Gäste zeigten sich beeindruckt davon, wie sattelfest die Handgriffe der Instruktoren sitzen und vor allem wie schnell sie sie ausführen.

Vom Schwatz bis hin zum extremen Angriff

Die Polizisten zeigten auch, wie sie sofort, wenn der Angreifer oder der zu Verhaftende am Boden liegt und in ihrer Gewalt ist, fragen, ob er gut atmen könne. Und dann leiten sie ihn an, wie er aufstehen soll. Denn mit den Handschellen hinter dem Rücken ist das nicht so einfach. Auch dieser Teil einer Verhaftung, bei dem sich der Freund und Helfer zeigt, wird geübt.

Dass die Polizei nun die Theorie, den Umgang mit der Waffe und die Selbstverteidigung im Reppischtal üben kann, ist ein grosser Gewinn für sie. Nun könne hier alles gelehrt werden – vom Schwatzen bis zum extremen Angriff, vom Grüezi-Sagen bis zur Schussabgabe –, erklärte einer der Instruktoren.

Sowohl innen als auch aussen dominiert Holz

Im Reppischtal ist für die Polizei also eine neue Ära angebrochen. «Mein Dank und meine Erleichterung sind gross», sagte Kommandant Würgler. Das Gebäude, bei dem sowohl innen als auch aussen Holz dominiert, bezeichnete er als «bescheiden und sympathisch». «Es kommt direkt der Ausbildung und der Professionalität und damit der Sicherheit zugute», erklärte er. Es sei ein reiner Zweckbau, hielt auch Sicherheitsdirektor Fehr fest. Im Sommer 2018 hatte der Regierungsrat 1,47 Millionen Franken für den Bau des Ausbildungsgebäudes gesprochen. Anfang März fand der Spatenstich statt (die Limmattaler Zeitung berichtete) und nun, rund neun Monate später, war das Gebäude fertig.

So schnell ging es mit dem Projekt nicht immer voran. So hielt Architekt Christian Gautschi fest, dass sein Büro – die Gautschi Storrer Architekten AG – noch nie ein Projekt hatte, das länger dauerte. Nämlich zwölf Jahre. Die erste Idee für das Projekt liegt sogar noch einige Jahre weiter zurück. Die Arbeit für den Kanton brauchte Geduld. «Wir haben immer wieder neue Anläufe genommen und jetzt bringen wir diese Geschichte zum Abschluss», sagte dazu Polizeikommandant Würgler.

Auch in Hagenbuch und Regensdorf investiert

Nun herrscht Zufriedenheit. Zum Beispiel auch bei Ruedi Hiestand, Chef der Instruktionsabteilung der Kantonspolizei. Und bei Daniel Baumann, Abteilungsleiter Baubereich A des kantonale Hochbauamts. «Der Bau gliedert sich einfach in die Landschaft ein», sagte er.

Architekt Gautschi erklärte unter anderem, wieso die Fenster relativ klein sind: Es handelt sich um – entsprechend teurere – Schallschutzfenster, damit der Schiesslärm von draussen ­drinnen nicht stört.

Die gestrige Einweihung bildet den Schlusspunkt einer Investition in die polizeiliche Ausbildungsinfrastruktur: 2018 ging der Schiessplatz Tobel in Hagenbuch wieder in Betrieb und im Februar wurde die neue Ausbildungsanlage Trockenloo in ­Regensdorf eröffnet.

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