Linkes Limmattal
Nah-Urlaub: Der Winter-Ferienspass startet nun direkt vor der Tür

Spaziergänge, Sport und Spotify-Podcasts: Das Tagebuch eines Ferientags im linken Limmattal.

Lydia Lippuner
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Sie ziehen ihre Bahnen auf dem sonnenbeschienenen Wasser: Enten und Möwen schwimmen im ruhigen Marmori-Weiher in Dietikon. Der Vitaparcours führt durch den Uitiker Wald. Verdiente Aussicht: Hier schweift der Blick in die Ferne.
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Mit Jahrzehntelanger Erfahrung gebraut: Der Cappuchino des Caffetino in Schlieren.
Der Vitaparcours führt durch den ruhigen Uitiker Wald.
Verdiente Aussicht: Hier schweift der Blick in die Ferne.

Sie ziehen ihre Bahnen auf dem sonnenbeschienenen Wasser: Enten und Möwen schwimmen im ruhigen Marmori-Weiher in Dietikon. Der Vitaparcours führt durch den Uitiker Wald. Verdiente Aussicht: Hier schweift der Blick in die Ferne.

Bilder: Lydia Lippuner

Ein Ferientag im linken Limmattal: Als erstes führt mich meine Reise in den Bezirkshauptort. Stress habe ich auf dem Weg zum Bahnhof Schlieren nicht. Überhaupt scheint niemand hastig unterwegs zu sein. Die Schulferien haben ja längst begonnen und nur wenige Leute müssen Termine wahrnehmen. Als der Zug einfährt, beginne ich trotzdem zu rennen, da ich die Ferienzeit nicht mit Warten auf dem Perron verbringen möchte. Im Zug nach Dietikon zieht sich die Maske vom angestrengten Atmen an meinem Gesicht fest.

In Dietikon gehe ich in Richtung Bergdietikon. Auf dem Weg komme ich an offenen Coiffeurgeschäften, Bäckereien und Kiosken vorbei. Ich nehme die Geschäfte stärker wahr, alles scheint ja abgesagt und geschlossen zu sein, sodass jede offene Türe auffällt. Bei der Buchhandlung Scriptum kann ich nicht widerstehen. Eine gute Lektüre zusätzlich zur Zeitung meines Vertrauens, kommt mir für diesen Ferientag gelegen. Der Laden ist beliebt: Eine grauhaarige Kundin mit FFP-Maske steht an der Kasse. «Es isch wie s isch und es isch nöd schön», sagt sie, bevor sie an der Kasse bezahlt. Die nächsten Kunden kommen schon bald über die Türschwelle.

In Schlieren röstet man gerade Erdnüsse statt Kaffeebohnen

Ich sehe mich um: Ich kann mich nicht für nur ein Buch entscheiden. Die Quittung wird ein wenig länger, dafür erhalte ich mehr Dietiker Wäppli für meinen lokalen Einkauf. Weiter geht es zum Marmori-Weiher. Dort plätschert das Wasser über die Steine, die Sonne scheint durch die Wolken und man hört die Kirchglocken zehnmal schlagen. Es ist kaum jemand unterwegs. Mir ist es recht. Ich packe Tee und Clementine aus und beginne meine Lektüre. Für eine halbe Stunde sitze ich mit Martin Suter und Benjamin von Stuckrad-Barre am Strand an der Ostsee in Heiligendamm. Zwischendurch zwitschert ein Dietiker Vogel und ich höre die Strassenputzmaschine im Hintergrund. Irgendwann verdunkeln Wolken die Sonne und die Möwen auf dem Weiher beginnen nervöser herumzuflattern. Ich beschliesse, dass es Zeit ist, mich ein wenig zu bewegen.

Statt wie gewöhnlich entlang der Limmat joggen zu gehen, entscheide ich mich, in die Höhe zu fahren. Ich nehme wieder den Zug Richtung Schlieren. Auf dem Weg vom Schlieremer Bahnhof zu den Bussen besuche man ich die Caffetino-Rösterei. Ich bestelle einen Cappuccino. Im Rösttopf liegen zurzeit Erdnüsse statt Kaffeebohnen. Während der Weihnachtszeit werden hier auch Nüsse geröstet, erklärt mir die Barista. Als sie mit mir nach draussen kommt, sagt sie: «Oh, das ist ja Frühlingswetter hier.» Tatsächlich fühlen sich die angekündigten 13 Grad warm an.

Eine schöne Aussicht als Belohnung

Das Postauto fährt direkt nach Uitikon. Ich steuere auf das geschlossene Hallenbad zu. Oberhalb des Bades befindet sich der Start des Vitaparcours. «Ich han, ich han immer meh welle, vorem Komma meh Stelle.» Das Lied des Dietiker Rappers Xen dröhnt in meinen Ohren. Bis mein Akku leer ist, dann übernehmen die Vögel und die Stille des Waldes die Unterhaltung. Manchmal höre ich in der Ferne die Üetlibergbahn auf das beliebte Ausflugsziel fahren. Hier aber ist kaum jemand unterwegs. Das Laub unter meinen Füssen ist nass, der Himmel wolkenverhangen und die Übungen auf dem 2,2 Kilometer langen Parcours fordern meine Muskeln heraus.

Am Ende werde ich mit einem Ausblick über das Tal bis in die Alpen belohnt. Eine Ruhebank lädt zum Erholen ein. Doch mich treiben der Wind und ein Loch in meinem Bauch ins Dorf. Die Uhr an der Schule sagt mir, dass es bald 13 Uhr ist.

Leute beobachten auf dem Dorfplatz in Birmensdorf

Ich nehme das Postauto nach Birmensdorf. Da die Restaurants geschlossen sind, gehe ich zu einem Imbissstand. Das Essen verspeise ich auf dem Dorfplatz. Das fühlt sich ja ein wenig wie fernsehen an: Man sieht Leute und denkt sich eine Geschichte dazu aus. Eine Seniorin setzt sich zu mir. Wir beobachten gemeinsam weiter. Nach dem Essen hole ich einen Kaffee in der Bäckerei und möchte mich mit dem Zug auf den Weg nach Urdorf machen. Da bricht die Sonne hinter den Wolken hervor, sodass ich mich spontan nach einer Alternative umsehe.

Ich schwenke ins Reppischtal ab und spaziere über den Waldweg. Während dem Spaziergang habe ich genug Zeit, um den Podcast auf Spotify «Ich und Dietike» mit Charles Nguela anzuhören. Darin erzählt der Dietiker Stand-up-Comedian der Autorin Helene Arnet, wie er die Pandemie-Monate erlebt und wie es war, als beinahe einziges schwarzes Kind im aargauischen Niederlenz aufzuwachsen. Die Zeit vergeht und ich sehe schon bald die Autobahn vor mir. Ein wenig später lasse ich den Wald hinter mir, vor mir liegt ein dicht bebautes Siedlungsgebiet und neben mir fliesst der Verkehr über die Autobahn. «Genau das ist das Interessante am Limmattal», denke ich mir und schaue in die Weite. Pünktlich mit den ersten Regentropfen komme ich in ­Urdorf an. Zeit für einen Zvieri. Dann nehme ich den Bus ­Richtung Zuhause. Dort kann ich die Postkarten, die ich am Morgen kaufte, in Couverts ­stecken und vom Limmattal in die Ferne schicken. Auf der ­Karte steht ein Spruch, dass wir später alles doppelt nachholen werden: jede Umarmung, jede Party, jedes Picknick, jeden ­Ausflug, jede Flause und jeden Quatsch.