Schon drei Mal ist Simon Koster als Teilnehmer der Einhand-Regatta Mini-Transat alleine über den Atlantik gesegelt und hat dabei zweimal den starken dritten Platz belegt. Für sein nächstes Abenteuer holt er sich aber Unterstützung ins Boot, um einen grossen Schritt nach vorne zu machen. Für 2019 plant der Oberengstringer eine Partnerschaft mit dem Genfer Segler Valentin Gautier. Ihr grosses Saisonziel ist die Teilnahme an der Anfang November 2019 startenden Regatta Transat Jacques Vabre. Dafür wollen beide ihr vertrautes 6,5-Meter-Schiff hinter sich lassen und als Team in der «Class 40» antreten mit Segelbooten, die 40 Fuss beziehungsweise 12,2 Meter lang sind.

Die Idee für das gemeinsame Projekt entstand im vergangenen November auf Martinique in der Karibik – am Zielort der Mini-Transat, an der neben Koster auch Gautier teilgenommen hatte. «Wir haben zusammen diskutiert und festgestellt, dass wir die gleichen Ziele haben», sagt Koster, der zurzeit in der Bretagne weilt. Beide Offshore-Segler haben sich in den letzten Jahren auf grosse Projekte in der Mini-Klasse fokussiert, bei der sie am Ende jeweils alleine übers Meer segelten. «Wir wollen beide den Schritt aus der Mini-Klasse in die 40er-Klasse machen.»

Zusammen in Lorient

Als Schweizer in der von Franzosen dominierten Szene und weil beide ihr Schiff für die Mini-Transat in Lorient stationiert hatten, kannten sie sich schon vor der Regatta und sind auch schon kurze Strecken zusammen gesegelt. Koster ist überzeugt, dass die Zusammenarbeit auf dem Schiff gut klappen wird: «Wir ergänzen uns gut auf dem Schiff. Ich bin eher der ruhige Typ beim Segeln, er ist eher unruhiger.» So könnten sie die Intensität immer hochhalten, ohne die nötige Ruhe und Besonnenheit zu opfern.

Dass die beiden geübten Einhand-Segler sich jetzt auf Teamarbeit und Kooperation auf dem Schiff einstellen müssen, bereitet Koster absolut keine Sorgen: «Wir haben beide viele Erfahrungen gesammelt im Treffen von Entscheidungen. Ich glaube nicht, dass es ein Problem ist, dass wir die jetzt zu zweit treffen müssen.» Im Gegenteil: Er freue sich darauf, sich auf hoher See mit jemandem austauschen zu können. Es sei ein Vorteil, wenn man sich gegenseitig kritische Fragen stellen und Entscheidungen diskutieren könne und so zusammen die bestmögliche Taktik erarbeite. Auch menschlich verstehen die beiden sich gut. Weil sie nahe beieinander wohnen, essen sie ab und zu zusammen zu Abend oder helfen sich gegenseitig aus, erzählt Koster.

Ausserdem fasziniert Koster an der Kooperation, dass man zu zweit unterwegs näher ans Limit gehen kann. Während man alleine während Schlafpausen immer wieder mit dem Autopiloten fährt, ist beim Zweier-Team immer jemand an Deck, der auf die Gegebenheiten reagieren kann. «Es reizt mich, mehr aus dem Schiff herauszuholen und näher an die 100 Prozent heranzukommen.» Und zu zweit könne man viel voneinander profitieren und Neues lernen.

400 000 Euro gesucht

Der Schritt von der Mini-Klasse in die «Class 40» sei gross, sagt Koster. Auch deshalb sei es ein logischer Schritt gewesen, ihre Ressourcen für das gemeinsame Projekt zu bündeln. Dennoch ist die Geldbeschaffung ein grosses Thema. 400 000 Euro wollen Koster und Gautier für die nächste Saison sammeln – alleine für die Beschaffung eines tauglichen Bootes rechnen sie mit Kosten von 100 000 Euro. Deshalb pendeln beide diesen Sommer häufig zwischen der französischen Atlantikküste und der Schweiz hin und her. «Im Moment arbeiten wir nicht nur auf dem Wasser, sondern auch im Büro am Telefon», sagt Koster.

Als Deutschschweizer und Welscher haben sie den Vorteil, dass sie auf der Suche nach Geldgebern den Röstigraben überwinden können. Obwohl ihr Projekt viel positive Resonanz erhält, ist das nötige Geld aber noch nicht im Trockenen. Der Weg zu fixen Zusagen sei oft lang und benötige viel Zeit. Auch weil der Segelsport in der Schweiz eher eine Randerscheinung ist. «Es braucht Kreativität, um potenziellen Geldgebern aufzuzeigen, was ihr Sponsoring bringen kann und welche Chancen sich damit bieten», so Koster.

Dabei ist es sicher kein Nachteil, dass er in den vergangenen Jahren immer wieder gute Resultate erzielt und bewiesen hat, dass er nicht nur grosse Träume hat, sondern auch bereit ist, viel zu investieren, damit sie Realität werden. Vor zwei Jahren veröffentlichte SRF einen Dokumentarfilm über seine Atlantiküberquerung an der Mini-Transat 2015. Das helfe, um einige Türen zu öffnen und Kontakte zu knüpfen, sagt Koster.

Weil Gautier seinen Grosssponsor, die Banque de Léman, mit in die Partnerschaft bringt, haben sie einen guten Ausgangspunkt. Neben kleineren und mittleren Unterstützern hoffen Koster und Gautier auf einen zweiten Hauptsponsor, damit das Projekt auf einem soliden Fundament steht. Eine weitere Finanzspritze könnte zudem dank Kosters letzten grossen Abenteuern zustande kommen. Der Segel-Prototyp SUI 888, mit dem er an der Mini-Transat glänzte, steht zurzeit zum Verkauf.

Kaffee statt Rum

Läuft alles nach Plan, wollen beide im Winter zusammen ein Boot für die Saison beschaffen und dann ab Februar 2019 mit dem gemeinsamen Training beginnen. Ab April stehen dann die ersten Regatten an, um sich optimal auf die Transat Jacques Vabre – die auch Route du café genannt wird – im Herbst vorzubereiten. «Wir wollen nächstes Jahr möglichst viel Zeit zusammen auf dem Wasser verbringen», sagt Koster.

Sein Fokus ist bereits voll auf 2019 ausgerichtet. Dafür ist er bereit, diesen Sommer kürzerzutreten. Entgegen seinen ursprünglichen Plänen verzichtet er auf eine Teilnahme an der Route du Rhum. Eigentlich hatte er die Transantlantik-Einhand-Regatta als Saisonhöhepunkt eingeplant. Trotzdem versucht er, zwischendurch möglichst viel Zeit auf dem Wasser zu verbringen. Aktuell ist er auf einer kleineren Regatta unterwegs, die von der Bretagne um den Fastnet-Felsen führt, eine kleine Insel am südlichsten Punkt von Irland. Dabei unterstützt Koster einen Deutschen Segler, der in der Miniklasse anfängt, und gibt ihm aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz viele Tipps fürs Offshore-Segeln mit auf den Weg.