Dietikon
Nadine Burtscher: «Jeder soll den Gang an die Urne wagen»

Jungpolitikerin Nadine Burtscher will an Schulen Podiumsdiskussionen für Jugendliche organisieren.

Anina Gepp
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Die Abstimmungsunterlagen sind für viele Jugendliche zu kompliziert formuliert.

Die Abstimmungsunterlagen sind für viele Jugendliche zu kompliziert formuliert.

Creativa - Fotolia

Junge sind beim Wählen oft überfordert. Das zeigt die erste Studie zur politischen Partizipation von Jugendlichen, die der Dachverband Schweizer Jugendparlamente (DSJ) in Auftrag gegeben hat. Nadine Burtscher ist die jüngste Dietiker Gemeinderätin (EVP) und Mitglied im Vorstand des DSJ. Sie möchte Jugendliche dazu ermutigen, den Gang an die Urne zu wagen.

Frau Burtscher, die Mehrheit der befragten Jugendlichen findet die politische Sprache zu kompliziert. Sie selbst sind 20 Jahre alt. Haben Sie also Verständnis dafür?

Nadine Burtscher: Ich verstehe, dass es für viele junge Erwachsene sehr komplex sein kann, sich in Abstimmungsunterlagen einzulesen. Auch ich muss mich manchmal länger damit auseinander setzen, um alles zu verstehen.

«Es ist gut, dass das Interesse der Jugendlichen da ist. Damit kann man wenigstens arbeiten», sagt Nadine Burtscher.

«Es ist gut, dass das Interesse der Jugendlichen da ist. Damit kann man wenigstens arbeiten», sagt Nadine Burtscher.

Jiri Reiner

Wie kann Politik für Jugendliche denn einfacher verständlich werden?

Die Abstimmungshilfe easyvote hilft vielen Jugendlichen. Schweizweit stimmen bereits 10 Prozent der jungen Stimmberechtigten online ab. Die bestehende easyvote-Wahlhilfe wollen wir nun noch weiter entwickeln. Der Wahlprozess soll noch einfacher und verständlicher vermittelt werden.

Entscheidend sind laut Studie auch Gespräche zu Hause. Jugendliche, die mit ihren Eltern über politische Themen sprechen, sind interessierter.

Das Wichtigste ist tatsächlich das Gespräch mit Eltern, doch auch die Thematisierung von Politik im Schulunterricht bewirkt viel. In der Schule kann die Basis für Diskussionen gelegt werden, damit die jungen Erwachsenen auch zu Hause Gesprächs- und Diskussionsstoff haben.

Politiker sollen in Zukunft also vermehrt Schulen besuchen. Wer organisiert diese Treffen?

Ich kann das Beispiel des Kanton Zürichs nennen. Die kantonalen Jungparteien haben sich zusammen getan und «YoungZH» auf die Beine gestellt. Schulen und anderen Institutionen, welche ein Podium veranstalten wollen, können sich bei «YoungZH» melden. Das Team vermittelt dann Jungpolitiker, welche sich in dem gewünschten Thema auskennen. Natürlich wird darauf geachtet, dass sie aus verschiedenes Parteien kommen.

69 Prozent der jungen Menschen geben an, dass sie Politik durchaus interessiert. Woher rührt dann die tiefe Stimmbeteiligung an den Wahlen?

Es gibt anscheinend eine grosse Diskrepanz zwischen Interesse und tatsächlichem Handeln. Aber es ist gut, dass das Interesse der Jugendlichen da ist. Damit kann man wenigstens arbeiten. Es wäre um einiges schwieriger, die Jungen zum Abstimmen zu bewegen, wenn die Mehrheit apolitisch wäre.

Der DSJ will auch das multimediale Informationsangebot über Wahlen ausbauen. Was ist damit gemeint?

Wir möchten die bestehende easyvote-Wahlhilfe weiterzuentwickeln. Der Wahlprozess soll noch einfacher und verständlicher vermittelt werden. Weiter wollen wir den jungen Wählern helfen, sich über Kandidaten und Parteien zu informieren. Sämtliche Angebote werden crossmedial entwickelt und können in Broschüren, Zeitungen, Website, TV aber auch Facebook eingebunden werden.

Was ändert sich für Sie in ihrem politischen Handeln durch die Veröffentlichung der Studie?

Es überrascht mich, dass Jugendliche die Abstimmungen als etwas Seriöses und Wichtiges betrachten. Die meisten Jugendlichen können durch Gespräche motiviert werden, wählen zu gehen. Mir ist wichtig, dass jeder seine Rechte nutzt und den Gang an die Urne wagt.