Bergdietikon
Nackte Tatsachen und der Katalonien-Konflikt in der Kunstgalerie – Montserrat Vicens und Martin Schinagl stellen aus

Die Schlieremer Schiffskapitänin und Künstlerin Montserrat Vicens stellt in der Galerie Bachlechner aus. Neben ihrem Werk «155», das die Auflösung der katalanischen Autonomie versinnbildlicht, können dort viele weitere Kunstwerke begutachtet werden – auch solche des Österreichers Martin Schinagl.

David Egger
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Kunstgalerie
23 Bilder
In den 155 Köpfen kann man sich eine ganz Zeit lang verlieren. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Zum Werk «Wasserspirale» wurde Montserrat Vicens während eines ihrer Tauchgänge inspiriert. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Das Werk «Auge» von Montserrat Vicens. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Augen spielen eine wichtige Rolle im Werk von Montserrat Vicens. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Mit erhobenem Zeigefinger erinnert das Werk «Geist des Baumes» daran, sorgsam mit Bäumen umzugehen. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Das Werk ist gut verwurzelt wie ein Baum. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Ein besonderes Auge warfen die Besucher der Vernissage auf... Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
...das Werk «Baumrinde». Dieses besteht vor allem aus Zeitungspapier, das speziell bearbeitet wurde. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Das Werk nimmt viel Platz ein. Dahinter steckt viel Arbeit. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Auch diese Figur stammt von Montserrat Vicens. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Aber es muss nicht immer gross sein: Montserrat Vicens fertigt auch kleinere Werke an. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Neben Montserrat Vicens stellt auch der Österreicher Künstler Martin Schinagl aus. Hier posiert er mit seinem Werk «Dead Rat Trippin'» Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Martin Schinagl hat mehrere Bilder in diesem Stil angefertigt, die auf roten Hintergrund setzen. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Ausserdem zeigte er auch mit Gegenständen vollbepackte Leinwände. Es handelt sich um Animationsfilmlandschaften. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Zu Beginn der Vernissage gab es nackte Tatsachen... Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
...Martin Schinagl zeigte sich so, wie er vielen in der Kunstwelt bisher bekannt war... Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
...als Aktmodell. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Es war ein überraschender Start in die Vernissage. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
In seinen Bildern achtet Martin Schinagl besonders auf die Details. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Bei der Vernissage wurde wiederum ein Bild für einen guten Zweck versteigert. Im Bild von links nach rechts: Marcello Armati, der das Werk ersteigerte, Béatrice Bachlechner, Künstler Martin Schinagl, der Arzt Christian Hort, der das Hilfprojekt in Thailand führt und Galerist Hanns Bachlechner. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Kunst und Kohle: Bei der Auktion waren Ersteigerer Marcello Armati und der Künstler und Auktionsmoderator Martin Schinagl auch zu Spässen aufgelegt. Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger
Welche Ausstellung das Galeristen-Paar Béatrice und Hanns Bachlechner wohl als nächstes ausheckt? Quelle: az Limmattaler Zeitung / David Egger

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David Egger

Als sich die Katalonien-Krise letztes Jahr zuspitzte, war häufig vom Artikel 155 der spanischen Verfassung zu lesen. Dank diesem konnte der spanische Staat das katalanische Parlament auflösen und die Aufgaben der katalanischen Regierung selber übernehmen. Diese Auflösung der Autonomie respektive den Artikel 155 hat die Künstlerin Montserrat Vicens nun versinnbildlicht. 155 einzigartige Köpfe sind derzeit in der Bergdietiker Kunstgalerie Bachlechner im Wiesental zu sehen. Augen, Ohren und Münder fehlen.

Doch jeder Kopf sieht anders aus. Der Österreicher Künstler Martin Schinagl, der am Samstag durch die Ausstellungsvernissage führte, vermochte Gesichter von Wolfgang Amadeus Mozart, Bart Simpson und Johann Wolfgang von Goethe unter den 155 Köpfen auszumachen. Schinagl brachte es auf den Punkt: «Eigentlich denkt man: ‹Oh Gott, politische Kunst, schon wieder!› Aber es geht nicht nur darum. Es liegt auch Witz darinnen.» In den vielen Köpfen kann man sich eine ganze Weile lang verlieren.

Zwei Seeleute spannen zusammen

Dieses Werk von Montserrat Vicens, so sehr es sich auch mit einem tausend Kilometer entfernten Konflikt beschäftigt, stammt letztlich wie auch die anderen Werke von Vicens aus der Region. Seit 2009 lebt und arbeitet sie in Schlieren. Nachdem Galerist Hanns Bachlechner vor etwas mehr als einem Monat der Dietiker Künstlerin Doris Bosshard-Columberg die Möglichkeit zur Ausstellung gab, gibt er mit Vicens bereits der nächsten Limmattaler Künstlerin eine Plattform.

Vicens und Bachlechner wohnen nicht nur beide im Limmattal, sie haben auch anderes gemeinsam. So war Hanns Bachlechner früher jahrelang als Koch auf den grössten Kreuzfahrtschiffen der Welt unterwegs. Und Vicens? Sie arbeitete ein Vierteljahrhundert lang auf hoher See und arbeitete sich bis zur Kapitänin hoch.

Mitunter war sie die erste Frau in Spanien, die ein Schnellschiff der spanischen Seerettung im Mittelmeer befehligte. Die hohe See – die sie dank den vielen Flüssen und Seen in der Schweiz nicht vermisst – ist auch weiterhin ein wichtiges Thema in ihrem Schaffen. So ist in ihrer bis zum 9. Juni laufenden Ausstellung «Nebenwirkungen» auch das Werk «Wasserspirale» zu sehen, eine blau leuchtende LED-Installation mit Edelstahl und Acrylfarbe, zu der sie bei einem ihrer Tauchgänge inspiriert wurde. Denn Vicens ist nicht nur Kapitänin, sondern auch ausgebildete Tauchlehrerin.

Baum aus ledrigem Zeitungspapier

Weitere derzeit zu sehende Werke sind beispielsweise der «Geist des Baumes», eine Figur aus Metall, Papiermaché und Silikon, die mit erhobenem Zeigefinger daran erinnert, dass mit Bäumen achtsam umzugehen ist. Überhaupt sind Bäume für das Schaffen von Vicens wichtig. So stellt sie neben dem Werk «155» das nicht minder markante Werk «Baumrinde» aus. Aus unzähligen Stücken Zeitungspapier hat sie mit Latex, Polypropylentuch und Lack eine über zwei Meter breite, elastische Baumrindenstruktur geschaffen, die sich wie Leder anfühlt und deren braune Patina auch dem Umstand zu verdanken ist, dass Vicens ihr Werk bewusst sechs Monate lang dem Bündner Wind und Wetter in Roveredo ausgesetzt hatte.

Neben Montserrat Vicens stellt derzeit auch Martin Schinagl in der Galerie aus. Unter dem Titel «Fragile Mind» zeigt er neben Malereien unter anderem auch mit unzähligen kleineren Gegenständen vollbepackte Leinwände, die bei Tageslicht besehen chaotisch aussehen, im Dunkeln aber dank Taschenlampe, Kamera und Projektor zur Animationsfilmlandschaft werden. Auch unscheinbare, ja unverständliche Kleinskulpturen aus Gips und Karton zeigt er, deren Bedeutung erst im Dunkeln und dank Taschenlampe fassbar wird – so wirft etwa eine der Skulpturen einen Geisterschiff-Schatten auf die weisse Galeriewand.

Zum Auftakt der Vernissage gab es nackte Tatsachen. Multitalent Schinagl, der schon oft für Aktkunst Modell stand, zeigte sich so, wie er bisher in der Kunstwelt vielen bekannt war. Sehr unterhaltsam moderierte er zudem die Versteigerung eines seiner Bilder – die 650 Franken kommen einem Trinkwasser-Hilfsprojekt in Thailand zugute.

Weitere Informationen zur neuen Ausstellung

Die Ausstellung "Nebenwirkungen" von Montserrat Vicens und die Ausstellung "Fragile Mind" von Martin Schinagl in der Kunstgalerie Bachlechner im Bergdietiker Wiesental (Wiesentalstrasse 8i) dauern vom 5. Mai bis am 9. Juni. Am 13. Mai, 27. Mai und 3. Juni gibt es zur Ausstellung jeweils zwischen 13 und 16 Uhr einen Apéro. Weiter sind die beiden Ausstellungen jeweils geöffnet am Donnerstag und Freitag von 14 bis 20 Uhr, am Samstag von 10 bis 15 Uhr und am Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Ebenso ist ein Besuch der Ausstellung auch nach Vereinbarung möglich. Die Finissage findet am 9. Juni ab 13 Uhr statt.