Er ist der aktuelle Besuchermagnet in der Freizeitanlage Chrüzacher in Dietikon, auch wenn mit ihm niemand gerechnet hätte. Und der kleine, momentan noch namenlose flauschige Esel hat auch alles Potenzial, den anderen Tieren die Show zu stehlen. Denn er tollt ganz aufgeregt durch das Gehege und kann vor dem Zaun kaum mehr bremsen. Michaela Tobler, Leiterin der Freizeitanlage Chrüzacher, freut sich ausserordentlich über den Nachwuchs. «Als wir am Sonntagmorgen das Gehege betraten, war er einfach da. Trotz unerwarteter Geburt ist es für uns wirklich sehr toll.»

Doch wie kann es eigentlich sein, dass ein Esel völlig unerwartet zur Welt kommt? Gemäss Tobler wurde Shakira, die Mutter des Neugeborenen, im vergangenen August für den Chrüzacher gekauft. Vom Verkäufer habe man die Information erhalten, dass Shakira gesundheitlich bedingt nicht schwanger werden könne. Doch weit gefehlt. Zu diesem Zeitpunkt sei sie bereits schon im neunten Monat schwanger gewesen, ergänzt Stallmitarbeiter Andreas Kohler, der sich um das Neugeborene kümmert. Die Tragezeit bei Eseln beträgt rund zwölf Monate.

Aber auch im Chrüzacher selber blieb die Schwangerschaft vorerst noch unbemerkt. Erst eine Woche vor der Geburt habe man festgestellt, dass Shakiras Bauch immer dicker wurde, sagt Kohler. Der zugezogene Tierarzt habe das Eselweibchen untersucht und die Schwangerschaft festgestellt, nicht jedoch den Monat bestimmen können, in dem sie schwanger war. «Wir wussten trotz dem Tierarzt nicht, wann genau der Nachwuchs kommt», sagt Tobler.

Ungebremste Neugier

Lange warten mussten sie aber nicht mehr. In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag kam der kleine Esel zur Welt, der bei Geburt gerade mal zehn Kilogramm gewogen hat, sagt Kohler. «Momentan besteht er nur aus Knochen und Fell.» Und dies macht das kleine Eselein richtig flauschig, das momentan eher an ein knuddeliges Plüschtier erinnert. Während rund sechs Monaten sei der namenlose Wirbelwind ein Eselfohlen und werde von der Mutter gesäugt, bevor es von der Mutter selbstständig abgewöhnt werde, sagt Kohler. «Jedoch ist er so neugierig, dass er schon jetzt versucht, Wasser zu trinken und Stroh zu essen, was natürlich noch nicht klappt.»

Es bleibt allerdings nicht nur beim Stroh: Auch Notizbücher, Kugelschreiber und die Fotokamera, mit der diese Bilder entstanden sind, scheinen für den Esel von grossem Interesse zu sein. An allem wird geschnuppert, geknabbert und geleckt. Besonders die Kameralinse hat es ihm sehr angetan. «Jungtiere sind äusserst neugierig, sie müssen alles erkunden und entdecken,» sagt Kohler, während ihm der kleine Esel an den Hosenbeinen zerrt.
Bis der Esel erwachsen sei, dauere es etwa ein Jahr, und die Lebenserwartung liege zwischen 30 und 40 Jahren, sagt er. «Da die Tiere relativ alt werden, ist Nachwuchs selten», ergänzt Tobler. So sei es im Chrüzacher seit mindestens sechs Jahren nicht mehr zu einer Geburt eines Grosstiers, gemeint sind damit Esel und Pferde, gekommen. Entsprechend überrascht und etwas unvorbereitet war man am letzten Sonntag, da man alles aus dem Stand heraus organisieren musste, sagt sie. «Das hat aber gut geklappt.»

Namensideen von Besuchern

Einzig die Namensgebung und die Abklärung mit der Stadt verzögern sich aufgrund der Herbstferien noch etwas. Denn es ist bis jetzt nicht klar, ob der Esel auch im «Chrüzi» bleiben darf. «Bis wir einen Namen haben und den Esel ‹taufen› können, wird es noch etwa zwei Wochen dauern», so Tobler. Das Team in der Freizeitanlage wolle aber nicht einfach selber über die Namensgebung des Jungtiers bestimmen. Besucher und Bevölkerung sollen mitentscheiden und ihre Ideen bis zum kommenden Freitag einreichen können, sagt sie. «Am hiesigen Kürbisfest an diesem Sonntag werden wir auch Flipcharts aufstellen, wo die Besucher ihre Vorschläge aufschreiben können.» Diese würden dann ausgewertet. Kohler hofft, dass unter den vielen Vorschlägen auch einige gute Kandidaten sind. Esel sollen lustige Namen tragen dürfen, meint er. «Mein Favorit für das kleine Tierchen wäre ja Elvis.»

Das Kürbisfest findet diesen Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr im Chrüzacher in Dietikon statt.