Bezirksgericht Dietikon
Nächster Prozess zur Perron-Prügelei: Jetzt geht es um harte Drogen und eine Pumpgun

Im Juni verurteilte das Bezirksgericht Dietikon einen Italiener, der am Bahnhof Dietikon einen angreifenden Türken zu Boden schlug. Heute Dienstag steht nun dieser Angreifer vor Gericht. Den Ermittlungen zufolge soll er einiges auf dem Kerbholz haben.

David Egger
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Die dem Beschuldigten zur Last gelegten Taten ereigneten sich zwischen 2011 und 2016. Die Staatsanwaltschaft verlangt für den Mann nun eine 26-monatige unbedingte Freiheitsstrafe.

Die dem Beschuldigten zur Last gelegten Taten ereigneten sich zwischen 2011 und 2016. Die Staatsanwaltschaft verlangt für den Mann nun eine 26-monatige unbedingte Freiheitsstrafe.

Der Angriff gegen den Italiener aus dem Aargau kam aus dem Nichts, als dieser zusammen mit Kollegen am Gleis 3 des Dietiker Bahnhofs wartete. Der Angreifer, ein Türke, sagte ein paar Worte und verpasste dem Italiener dann Ohrfeigen. Dieser wehrte sich heftig: Mit einem Faustschlag knallte er den Angreifer zu Boden, um ihm dann einen wuchtigen Fusstritt gegen den Kopf zu verpassen. Es folgte ein weiterer Faustschlag. Daraufhin verpassten der Italiener und seine Begleiter dem Türken mehrere Fusstritte, bis ihr Zug kam. Eine Überwachungskamera hatte den Kampf festgehalten, wenig später wurde der Italiener verhaftet.

Im Juni 2016 wurde der Italiener, der sich zuvor nie etwas hatte zuschulden kommen lassen, wegen versuchter schwerer Körperverletzung, Raufhandels und mehrfachen Kokainkonsums zu 16 Monaten Gefängnis bedingt sowie zu 500 Franken Busse verurteilt. «Wir sind uns durchaus bewusst, dass sie provoziert worden sind», sagte der Dietiker Bezirksgerichtspräsident Stephan Aeschbacher bei der damaligen Urteilsverkündung. Am Dienstag steht nun der mutmassliche Provokateur vor Gericht. Die Prügelei auf dem Perron des Dietiker Bahnhofs ist aber bei Weitem nicht das einzige Delikt, das dem Türken zur Last gelegt wird. Dies stellt sich nun heraus.

Das Urteil von Juni 2016: Hier geht es zum ganzen Artikel von damals.

Wie der Anklageschrift zu entnehmen ist, wird dem türkischen Staatsbürger nicht nur Raufhandel vorgeworfen, sondern auch Betäubungsmitteldelikte, Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch sowie Vergehen gegen das Waffengesetz.

58 Gramm reines Speed

Zuerst zur Drogengeschichte: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, in der Stadt Zürich 175 Gramm Amphetamingemisch gekauft zu haben, das einen Reinheitsgrad von 33 Prozent aufwies. Das heisst, es soll sich um 58 Gramm reines Amphetamin gehandelt haben. Das würde für sehr viele Portionen reichen. Der Beschuldigte soll den Stoff – der in der Szene mitunter als «Amphi» oder «Speed» bekannt ist – in Schlieren in einem Bahnhof-Schliessfach deponiert haben, um es später in Schlieren oder Urdorf gegen Marihuana einzutauschen. Die Staatsanwaltschaft weist in der Anklage auf die grosse gesundheitliche Gefahr für eine Vielzahl von Drogenkonsumenten hin, die derart grosse Betäubungsmittelmengen mit sich bringen – für solche Fälle gibt es einen speziellen Passus im Betäubungsmittelgesetz.

Hinzu kommt, dass der Beschuldigte während rund zwei Jahren täglich Marihuana und bis zu einem Gramm Amphetamin pro Monat konsumiert haben soll, wie die Staatsanwaltschaft in der Anklage geltend macht.

In Schrebergarten eingebrochen

Vor über fünf Jahren soll der Beschuldigte zudem zusammen mit Kollegen in ein Schrebergarten-Häuschen in Schlieren eingebrochen sein. Dabei hätten sie die Umzäunung des Areals, die Tür des Gartenhäuschens sowie ein verschlossenes Schubladenmöbel aufgebrochen, heisst es in der Anklageschrift. Aus dem Häuschen sollen sodann eine Schrotflinte, ein Revolver, eine Pumpgun, Munition, mehrere Angelruten und weiteres Material entwendet worden sein.

Obwohl türkischen Staatsbürgern in der Schweiz der Besitz und das Tragen von Waffen verboten ist, soll er die Waffen dann in einem alten Haus in Unterengstringen deponiert haben. Zwei Tage später soll er die Pumpgun nach Dietikon gebracht und sie dort entsorgt haben – bei einem bekannten Sportplatz.

26 Monate Gefängnis gefordert

Soweit also die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, die eine unbedingte Freiheitsstrafe von 26 Monaten fordert sowie eine Busse von 300 Franken. Der Mann ist mehrfach vorbestraft: Als Jugendlicher erhielt er vor einigen Jahren einen Strafbefehl der Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis, als Erwachsener wurde ihm ein weiterer Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis auferlegt, heisst es in der Anklage. Für die ihm zur Last gelegten Taten, deretwegen er sich nun heute Dienstag vor Bezirksgericht verantworten muss, sass er 2016 für 25 Tage in Untersuchungshaft.

Zahlreiche weitere Verfahren

Wie sich in der Anklageschrift zeigt, gab es noch diverse weitere Verfahren zur Perron-Prügelei: Gegen zwei weitere Personen führte die Staatsanwaltschaft Strafverfahren, für eine weitere Person war die Jugendanwaltschaft zuständig. Hier nicht mitgerechnet ist der eingangs erwähnte Italiener.

Wegen des Einbruchs in das Schlieremer Schrebergarten-Häuschen wurden zudem Verfahren gegen nochmals zwei weitere Personen eröffnet: eines von der Jugendanwaltschaft und eines von der Staatsanwaltschaft. Über den Stand all dieser weiteren Verfahren ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Weiteres bekannt. Wie das Bezirksgericht die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Türken beurteilt, weist sich heute Dienstag.