Schlieren

Nachhaltigkeit am Stadtfest: Der Abwasch war für kleine Vereine zu teuer

Während professionelle Gastronomen ihr eigenes Geschirr nutzten und reinigten, setzten kleinere Vereine auf den auswärtigen Waschservice.

Dass das Mehrweg-Geschirr am Schlierefäscht nach Münchenstein zum Abwasch transportiert wurde, sorgt nun für Irritation. Für das nächste Fest hofft man darauf, dass es dann auch Anbieter aus der Region geben wird.

Die Schlieremer CVP-Gemeinderätin Sarah Impusino staunte nicht schlecht, als sie erfuhr, was mit dem benutzten Geschirr und Besteck des Schlierefäschts passiert. Einer der 70 Wirte des Stadtfestes erklärte ihr nämlich, dass das Mehrweg-Geschirr jeweils abends ins basellandschaftliche Münchenstein transportiert wird, wo es für die Wiederverwendung in Schlieren gereinigt werde. «Ich war sehr überrascht und habe noch andere Gastronomen darauf angesprochen, die mir dieses Vorgehen bestätigten», so Impusino. «Ökologisch ist dies keineswegs sinnvoll», lautet ihr Fazit. Um anlässlich des nächsten Schlierefäschtes eine umweltfreundlichere Handhabe zu ermöglichen, fragte sie den Stadtrat Anfang Woche im Rahmen der Fragestunde, was sich künftig ändern liesse.


Stadtpräsident Markus Bärtschiger (SP) nannte es unschön, dass das Geschirr in Münchenstein gereinigt werden musste. Doch er betonte, dass es für diesen Service lediglich zwei Anbieter in der Schweiz gebe. Er verwies darauf, dass der Verein Event Schlieren den Anlass auf Basis einer Leistungsvereinbarung mit der Stadt ausrichte. «Eines der Ziele ist es, den durch das Fest entstehenden Abfall auf ein Minimum zu reduzieren. Was auch gelungen ist.» Zudem sei das Geschirr-Management erstmals auf diese Weise durchgeführt worden: «Dass dabei Kinderkrankheiten an den Tag kommen, ist verständlich.» Auch sei es sicher ökologischer, das Schmutzgeschirr zu transportieren, als grosse Mengen Abfall zu verursachen.


Fall Letzigrund zeigt, dass Transport auf Bilanz schlägt
Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nicht so einfach feststellen, da detaillierte Abklärungen notwendig wären. Ein vergleichbarer Fall ereignete sich Anfang 2018, als bekannt wurde, dass das Catering-Unternehmen des Stadions Letzigrund auf ein Mehrwegbecher-System verzichtet und stattdessen auf das Einweg-Prinzip wechselt. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» begründete eine Sprecherin des Unternehmens damals, dass sich die Wiederverwendung nicht rechne. Rücknahme, Reinigung und Lagerung stünden nicht in einem sinnvollen Verhältnis zueinander.


Sabrina Berri, die beim Schlierefäscht verantwortlich für die Bereiche Finanzen und Gastronomie ist, sagt, dass man keine genauen Zahlen habe, wie viele Stand- und Beizen-Betreiber das Waschangebot in Anspruch nahmen. Es seien aber eher wenige gewesen. «Denn die Profi-Gastronomen verfügen über ihr eigenes Geschirr oder mieteten und reinigten dies eigenständig. Für kleinere Vereine hingegen war die Geschirr- und Waschmaschinen-Miete schlichtweg zu kostspielig», sagt Berri. Sie spricht aus Erfahrung. So habe der Schlieremer Turnverein, der von Berri präsidiert wird, Geschirr und Waschmaschine gemietet. «Für uns war dies ein grosser Kostenpunkt. Eine Ausgabe, die für kleinere Vereine wohl undenkbar ist.» Sie verweist darauf, dass dem Fest bereits dieses Jahr ein Quantensprung bezüglich Nachhaltigkeit gelungen sei. «Es wurde viel weniger Abfall als vor vier Jahren generiert.»


Für die Zukunft hofft man auf mehr Anbieter des Services
Wie die Situation anlässlich des nächsten Schlierefäschts in voraussichtlich vier Jahren aussehen wird, bleibe abzuwarten. «Ich nehme jedoch an, dass es dann mehr als zwei Unternehmen in der Schweiz gibt, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben und ein Transport nach Münchenstein nicht mehr notwendig ist», so Berri.
Auch Impusino ist davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren mehr Anbieter dazukommen: «Für das nächste Fest wünsche ich mir, dass man das Thema Waschstrasse für die Wirte nochmals genauer prüft, damit das Fest noch ökologischer werden kann.»

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