Bezirksgericht Dietikon

Nachbarschaftsstreit: Tunesier trifft Frau mit Schuh im Gesicht – und verletzt sie schwer

Ein Tunesier musste sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten, nachdem er seine Nachbarin mit einem Schuh im Gesicht getroffen hatte. (Archivbild)

Ein Tunesier musste sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten, nachdem er seine Nachbarin mit einem Schuh im Gesicht getroffen hatte. (Archivbild)

Ein 38-jähriger Tunesier war wegen versuchter und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Er hatte nach einem Streit einen Schuh geworfen, der seine Nachbarin im Gesicht getroffen.

Der Schuh, um den es am Bezirksgericht Dietikon ging, flog durch die Luft und landete im Gesicht einer Frau. Der Besitzer des Flugobjekts, ein Tunesier, war beschuldigt der versuchten einfachen Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand sowie der fahrlässigen Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten gefordert.

Vor Einzelrichterin Adrienne Hennemann sass ein 38-Jähriger in Ringelshirt und Jeans, verheiratet, zwei Kinder, von Beruf Bauarbeiter, ohne festen Job. Weil seine Frau krank sei, könne er nur stundenweise arbeiten. Im August habe er damit 1000 Franken verdient, diesen Monat erst 200 Franken. Die Familie lebe hauptsächlich von den 2600 Franken IV-Rente der Frau. Abzüglich Miete und Krankenkasse stünden der vierköpfigen Familie monatlich 1000 Franken zur Verfügung, so der Beschuldigte. Im Gepäck hat er eine bedingte Vorstrafe über 3150 Franken, datierend vom Februar letzten Jahres, wegen eines Betäubungsmittel-Delikts.

Der folgenschwere Schuhwurf hatte sich im Mai letzten Jahres ereignet. Mitternacht war vorüber, der Tunesier und seine Frau hatten sich auf dem Balkon gestritten, da klingelte es an der Wohnungstür. Draussen stand der Nachbar aus der Etage obendrüber.

Der Schwarzafrikaner beschwerte sich über den Lärm. «Dann hat er meine Frau geohrfeigt», liess der Tunesier aus dem Arabischen übersetzen, «und gedroht, mich umzubringen.» Als sein kleiner Sohn panisch zu schreien begann, habe er den Schuh – einen 1,21 Kilogramm schweren Sicherheitsschuh mit Zehenschutzkappe aus Metall – vom Boden aufgehoben und Richtung Treppenhaus-Wand geworfen. Der Nachbar hatte der Polizei und der Staatsanwältin gegenüber ausgesagt, seine Frau sei hinter ihm auf der Treppe gestanden. Als der Schuh geflogen kam, habe er sich reflexartig gebückt.

Zwei Wochen krankgeschrieben

Während der Befragung durch die Richterin widersprach sich der Beschuldigte bezüglich des Tatablaufs mehrfach. An der Aussage aber, er habe den Schuh gegen die Wand geworfen und die Frau des Nachbars garantiert nicht getroffen – beziehungsweise gar nicht treffen können, hielt er beharrlich fest. Tatsache ist, dass die Frau zu Boden fiel und kurz das Bewusstsein verlor: Sie hatte eine Kopfprellung mit Hirnerschütterung erlitten, eine Rissquetschwunde an der Oberlippe, die genäht werden musste, und ein Hämatom am Zahnfleisch. Zwei Wochen lang war sie zu 100 Prozent arbeitsunfähig.

Mehrfach betonte der Beschuldigte, dass diese Verletzungen doch überhaupt nicht vom Schuh stammen könnten. «Wenn ein Schuh Grösse 42 auf ein Gesicht knallt, wird nicht nur die Lippe getroffen, sondern er hinterlässt garantiert Spuren im ganzen Gesicht.»

Der Verteidiger plädierte für einen Schuldspruch wegen versuchter einfacher Körperverletzung und einen Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung: «Gemäss den Akten ist es unmöglich, dass die Frau hinter ihrem Mann gestanden hatte. Darum kann der Schuh sie auch nicht getroffen haben.»

Strafe massiv reduziert

Anders als der Verteidiger fand die Richterin in den Akten keinerlei Widersprüche in den Aussagen des Nachbars und seiner Frau, wohl aber in jenen des Beschuldigten. Sie sprach den Tunesier schuldig gemäss Anklage, reduzierte die Strafe aber massiv. «Der Beschuldigte hat spontan und fahrlässig gehandelt, weshalb eine Freiheitsstrafe nicht angemessen wäre», sagte Richterin Hennemann. 3600 Franken Geldstrafe bedingt auf drei Jahre, lautet das Strafmass. Da der bedingten Vorstrafe ein ganz anderes Delikt zugrunde lag, verzichtete die Richterin darauf, die bedingte Vorstrafe in eine unbedingte umzuwandeln.

Den Zivilforderungen der Geschädigten – gut 900 Franken Schadenersatz, 1500 Franken Genugtuung und 3000 Franken Parteientschädigung – wurde stattgegeben. Dazu gesellen sich Verhandlungs- und Vorverfahrenskosten in der Höhe von fast 7000 Franken.

Meistgesehen

Artboard 1