Dietikon

Nach Verkauf des «Alten Bären»: SP macht sich über Stadtrat lustig

Ein Plakat an der Fassade des «Alten Bären» macht auf die «Totalliquidation» aufmerksam.

Ein Plakat an der Fassade des «Alten Bären» macht auf die «Totalliquidation» aufmerksam.

Die Exekutive muss sich nach dem Verkauf des «Alten Bären» Spott gefallen lassen – sie nimmts mit Humor.

«Wir planen kurzsichtig. Wir verkaufen ohne Rücksicht auf Verluste. Wir ruinieren Ihre Stadt.» So preist sich seit Montag eine Firma an, die sich «Stadtrat Dietikon Immobilien AG» nennt. Überzeugend kommt auch die Kommunikationsstrategie daher: «Wir begleiten unsere Geschäftsaktivitäten durch unsere geschickte Kommunikation – entweder zu früh, zu spät oder unzutreffend. Das macht unseren Erfolg aus!»

Wer sich die Auftritte der Firma auf deren Website und Facebook-Seite genauer ansieht, merkt schnell: Das Ganze ist Satire. Zahlreiche Bemerkungen machen zudem klar, dass der Verfasser jemand ist, der sich darüber ärgert, dass der Dietiker Stadtrat kürzlich das historische Gebäude «Alter Bären» an einen Investor verkauft hat. Infrage kommt als Urheber vor allem das überparteiliche Komitee aus SP, AL, Grünen und CVP, das Ende letzten Jahres versucht hat, den Stadtrat am Verkauf des Hauses auf dem Kronenareal zu hindern. Dazu wurde eine Volksinitiative lanciert, welche den historischen Ortskern hätte schützen sollen – wobei der Stadtrat den «Alten Bären» schliesslich wenige Tage vor Übergabe der Unterschriften verkauft hat. Und tatsächlich: Irgendwo am unteren Rand entdeckt man, ziemlich klein, auf der Website einen Hinweis darauf, dass es sich dabei um einen «satirischen Auftritt der SP Dietikon zur Fasnachtszeit» handle.

Ein Auszug aus der Facebook-Seite der fiktiven «Stadtrat Dietikon Immobilien AG».

Ein Auszug aus der Facebook-Seite der fiktiven «Stadtrat Dietikon Immobilien AG».

«Dieses doofe Komitee»

Für den satirischen Auftritt zieht die SP alle Register: Nebst der Website und der Facebook-Seite wurde für die fiktive «Stadtrat Dietikon Immobilien AG» auch ein Twitter-Konto eröffnet und am Montagmorgen prangten an der Fassade des «Alten Bären» zwei Blachen, die auf eine «Totalliquidation» hinweisen. Auf der Facebook-Seite dann macht sich die SP richtig lustig über den Stadtrat. In diversen Beiträgen schreibt sie – vermeintlich als Stadtrat – über den Wunsch nach Profit und das fehlende Interesse an der Bevölkerung. Da heisst es dann beispielsweise: «Da konnten wir diesem doofen Initiativ-Komitee einen schönen Bären aufbinden und haben ihnen die Hütte vor der Nase weg verkauft. Wir pfeifen schliesslich konsequent auf die Ängste und Bedürfnisse von Dietikon und seiner Einwohner/-innen.» Zudem habe man entschieden, weitere stadteigene Gebäude zu «verschachern» – zum Beispiel das Zentralschulhaus.

Der Stadtrat lässt sich von diesen Angriffen jedoch nicht ins Bockshorn jagen. «Es ist die Zeit der Fasnacht und der Narren», sagt Stadtpräsident Otto Müller (FDP) auf Anfrage: «Der Stadtrat begegnet dieser Aktion mit Humor.»

Inakzeptabel, schwach, hilflos

Weniger lustig finden das Ganze die SVP und die FDP, die mit der Aktion ebenfalls auf die Schippe genommen werden: Ihre Logos sind auf der Website unter dem Titel «unsere Partner» abgebildet. Dass die SP das Logo der SVP missbrauche, sei «rechtswidrig und inakzeptabel», sagt SVP-Fraktionschef Stephan Wittwer. Selbst zur Fasnachtszeit habe Satire ihre Grenzen. Zudem habe die SP offensichtlich ein Problem mit der Gewaltentrennung, denn der Liegenschaftshandel liege klar in der Kompetenz der Exekutive. «Vielleicht wäre die ‹Stadtrat Dietikon Immobilien AG› nicht die schlechteste Lösung», sagt Wittwer: «Dann wäre hoffentlich jedem Gemeinderat klar, dass er zum Tagesgeschäft einer AG nicht seinen Senf dazugeben muss.»

Auch die FDP mag nicht lachen. «Ich sehe diese Aktion als schwachen, hilflosen Versuch, die missglückte Initiative zu rechtfertigen», sagt Präsident Werner Hogg. Er fordert die Beteiligten auf, zugeben, «dass sie es verschlafen haben, ihr Anliegen rechtzeitig aufzugreifen». Schliesslich seien die Verkaufsabsichten des Stadtrats spätestens seit Mai 2014 allgemein bekannt gewesen. Hogg findet die Verwendung des FDP-Logos «störend», sagt aber auch, er wolle das nicht überbewerten. Viel schlimmer seien die «unanständigen Angriffe» der SP: «Die Linken würden ihre Kräfte besser für tatsächliche Probleme, die wir in Dietikon zu lösen haben, einsetzen», so Hogg.

Ein «Fasnachts-Schabernack»

SP-Präsidentin Rosmarie Joss bezeichnet die Aktion als einen reinen «Fasnachts-Schabernack»: «In der Fasnachtszeit ist es üblich, dass man Ereignisse aus dem letzten Jahr überspitzt darstellt. Da kann man so etwas schon einmal machen.» Erfreulich sei, dass der Stadtrat das Ganze mit Humor nehme. Das spreche für ihn.

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