Zeremonie

Nach Urdorfer Tradition zum neuen Schirmherren gewählt

Feierlich war die Zeremonie, als Michael Keel im letzten Jahr sein Amt antrat. Nächsten Samstag wird Zeremonienmeister Peter Leuzinger (rechts) einen neuen Schirmherrn ausrufen.

Feierlich war die Zeremonie, als Michael Keel im letzten Jahr sein Amt antrat. Nächsten Samstag wird Zeremonienmeister Peter Leuzinger (rechts) einen neuen Schirmherrn ausrufen.

Die fünfte Jahreszeit ist für viele auch die schönste – in Urdorf beginnt sie traditionell mit der Bekanntgabe des neuen Schirmherrn. Am kommenden Samstag um 15.00 Uhr wird es wieder so weit sein.

Die drei ohrenbetäubenden Kanonenschüsse, die jährlich im Januar die Zeremonie für die Bekanntgabe zum neuen Schirmherrn eröffnen, haben in Urdorf Tradition. Seit 1976 amtiert jeweils für eine Saison lang ein neues Fasnachtsoberhaupt. Seine Aufgabe ist es, die Clique Schäflibach an allen Auftritten und Umzügen zu repräsentieren. Am kommenden Samstag um 15 Uhr wird es wieder so weit sein und ein neuer Schirmherr wird erkoren. Wem die Ehre gebührt, wissen bisher aber nur der Anwärter selbst sowie das Präsidium der Fasnächtler. Peter Leuzinger, seit 13 Jahren Zeremonienmeister der Urdorfer Fasnacht, entscheidet jeweils mit, wer gewählt wird.

Damit man infrage kommt für das Amt, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden. «Der Schirmherr muss der Urdorfer Bevölkerung bekannt sein und bestenfalls auch im Dorf wohnen», sagt Leuzinger. Die Kandidaten gingen ihm dabei nicht aus. Schon jetzt könne er für drei weitere Jahre Schirmherrn vorschlagen. Doch diese Liste sei selbstverständlich streng geheim. Schon einmal sei es vorgekommen, dass sich jemand verplappert habe. «Dann ist es nicht mehr lustig. Die Tradition lebt davon, dass erst an der Bekanntgabe gesagt wird, wer denn nun Schirmherr ist», so Leuzinger. Jahr für Jahr würde schon im Voraus eifrig im Dorf diskutiert, wer dafür infrage komme. Oft lege er dann absichtlich eine falsche Fährte, damit niemand Verdacht schöpfe. Die Leute etwas an der Nase herumzuführen, mache Fasnächtlern eben Spass.

Woher die Tradition des Schirmherrn komme, weiss Leuzinger nicht. In anderen Gemeinden oder in Teilen Deutschlands hiessen die Fasnachtsoberhäupter aber auch Zunftmeister. Das sei in etwa dasselbe. Anders als dort ist es in Urdorf aber immer ein Mann, der gewählt wird. Der Grund dafür seien Gerüchte, die ansonsten aufkommen könnten, wenn es eine Schirmherrin geben würde. «Wir verbringen während der Fasnacht viele Wochenenden mit Feiern und sind unterwegs. Wenn eine Frau so lange Zeit mit mir zusammen ist, könnte das falsch verstanden werden.»

Dieses Jahr stehen für die Clique Schäflibach 9 Umzüge und 14 Auftritte in der Region Zürich auf dem Programm. Speziell freut sich die Fasnachtsgruppe auf einen Besuch und Gastauftritt auf der Insel Mainau. Leuzinger kann es kaum erwarten, dass es bald wieder losgeht mit der Fasnacht. 2015 ist sein letztes Amtsjahr als Zeremonienmeister, bevor er den Titel an ein jüngeres Mitglied weitergibt. Der Fasnacht bleibe er jedoch treu. Schon als Kind sei er in seiner Heimat Glarus jedes Jahr dabei gewesen. Wer die fünfte Jahreszeit einmal lieben gelernt habe, wolle nicht mehr ohne sie leben.

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