Die Idee einer Krippe ist nicht nur, dass Kinder mit Gleichaltrigen spielen können. Vielmehr schaffen die Erzieherinnen und Erzieher dort wichtige Voraussetzungen für ihren späteren Lernerfolg. Nun soll die Kinderkrippe Teddybär in Schlieren noch konsequenter pädagogisch ausgerichtet werden. Damit verbunden ist ein historischer Wechsel: Nach 62 Jahren gibt der Kinderkrippe-Verein Schlieren die Trägerschaft ab.

Seit ihrer Gründung 1952 wird die heute älteste Krippe der Stadt vom Milizverein geführt. Dessen Vorstand sei zunehmend an seine Grenzen gestossen, sagt Vereinspräsidentin und SP-Gemeinderätin Béatrice Miller: «Die operative Tätigkeit beanspruchte immer mehr Zeit. Dazu kommt, dass uns für die Führung einer Krippe – etwa bei der schwierigen Suche nach Personal – die Branchenkenntnisse fehlten.»

Der Vereinsvorstand machte sich deshalb auf die Suche nach einer neuen Trägerschaft. «Wichtig war uns, dass die Träger in der Region angesiedelt und wirtschaftlich leistungsfähig sind. Und dass sie die nötige Professionalität mitbringen», sagt Miller. Weiter seien Bedingungen gewesen, dass alle Kinder und Mitarbeitenden weiterhin in der Krippe, welche neben zwei altersdurchmischten auch eine Babygruppe führt, bleiben können. Dazu soll auch der Mittagstisch für die Schule Schlieren bestehen bleiben.

Zürcher machten das Rennen

Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren mit ursprünglich sechs Offerten entschied sich der Kinderkrippe-Verein an einer Mitgliederversammlung vergangenen Mai einstimmig für den Verein «Orte für Kinder», der in Zürich bereits zwei weitere Krippen führt. Die neue Trägerschaft wird nun ab 1. Januar 2015 auch die Schlieremer Kinderkrippe Teddybär führen.

Vereinspräsident Markus Guhn sagt, ihm sei es wichtig, dass die Krippe zusammen mit den Angestellten und auf die Schlieremer Verhältnisse angepasst weiterentwickelt werde. Dazu gehöre etwa eine verstärkte pädagogische Ausrichtung in Richtung einer Bildungskrippe: «Bis im Alter von fünf Jahren können wir die Neugierde der Kinder nutzen, um sie auf Basis ihrer vorhandenen Interessen zu fördern.» Mara Deck, die Leiterin der Kinderkrippe Teddybär, sagt, dass viel Wissen über die pädagogischen Aspekte ihrer Arbeit bei ihren 15 Angestellten zwar bereits vorhanden sei. «Es braucht aber wohl doch etwas Weiterbildung, um dieses Wissen systematisch anwenden und Beobachtungen konsequent zu protokollieren zu können», sagt sie.

Wegen der komfortablen Platzverhältnisse in der städtischen Liegenschaft, in welcher die Schlieremer Krippe untergebracht ist, denkt Guhn auch an einen Ausbau der Infrastruktur. So könnten im Untergeschoss etwa eine Bastelwerkstatt, ein Bewegungsraum oder ein Forschungsraum eingerichtet werden. «Solche Bildungsräume, in denen die Interessen der Kinder gefördert werden, sind das Megathema in der Branche», sagt Guhn. Und schliesslich könnte bei Bedarf gar eine weitere Krippengruppe eröffnet werden – dies müsste die Krippenaufsicht der Stadt Schlieren allerdings erst bewilligen.

Bauliche Massnahmen, wie sie Guhn vorschweben, können teilweise mit dem Vermögen des heutigen Trägervereins finanziert werden, wie Miller erklärt: «Wir lösen unseren Verein im Mai auf. Die Mitgliederversammlung hat beschlossen, dass unser verbleibendes Vermögen in die Entwicklung zu einer bildungsorientierten Krippe investiert werden soll.»

Für die Eltern ändert sich wenig

Für die Kinder in der Krippe und deren Eltern ändert sich mit der Übernahme durch den neuen Trägerverein wenig: Die Tarife für die Betreuung blieben dieselben, sagt Deck. Künftig werden aber die zwei Wochen Betriebsferien im Sommer wegfallen. Seit der Einführung der Verordnung zur familienergänzenden Kinderbetreuung im Jahr 2012 profitierte die Kinderkrippe Teddybär wie auch andere Krippen in Schlieren von einer Leistungsvereinbarung mit der Stadt. Weil diese beibehalten wird, können Eltern weiterhin von einkommensabhängigen Rabatten profitieren, wie Miller sagt. Alles in allem sei sie überzeugt, dass die familiäre Atmosphäre und der gute Ruf der Krippe auch nach dem Trägerwechsel und der Weiterentwicklung des Betriebs bestehen bleiben.