Dietikon
Nach über dreissig Jahren gibt es wieder ein Streichensemble

Vor über 30 Jahren wurde der Orchesterverein Dietikon aufgelöst. Seither war die Stadt Brachland für Streicher. Das hat sich nun geändert: Im August wurde das Streichensemble Ritardando Dietikon gegründet – am Dienstag spielt das Ensemble sein allererstes Konzert.

Katja Landolt
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Dirigent Honorat Cotteli probt mit dem Streichensemble Ritardando im Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon.Katja Landolt

Dirigent Honorat Cotteli probt mit dem Streichensemble Ritardando im Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon.Katja Landolt

Ins Leben gerufen haben das Streichensemble Christa und Max Jordi. Als Erstes musste ein Dirigent gefunden werden: «Ich hatte Honorat Cotteli bei einer Probe für das Bremgartner Orchester kennen gelernt», sagt Christa Jordi. Spontan habe sie den Vollprofi – Cotteli war jahrzehntelang Mitglied des Oberhausorchesters Zürich und unterrichtete am Konservatorium Zürich Geige und Bratsche – angefragt, ob er als Dirigent zur Verfügung stehen würde. «Er war begeistert von der Idee», sagt Jordi.

Begeistert schien auch Stadtpräsident Otto Müller, den Jordi wegen eines möglichen Probelokals angeschrieben hatte: «Innert weniger Stunden hatte er uns den Stadtkeller als Lokal zugesagt.» Damit war auch Punkt zwei erledigt. Fehlten nur noch die Musiker.

Einladung traf ins Schwarze

Ins Blaue hinaus verschickte Jordi Briefe an rund 40 Streicher aus der Region. «Wenn man seit Jahrzehnten Musik macht, kennt man einander», sagt sie. Und siehe da, die Einladung traf ins Schwarze: Bereits zur ersten Probe Ende August erschienen zwölf Streicher. Jordi lacht, wenn sie an die erste Probe zurückdenkt: «Wir wussten nicht, wer was und wie gut spielt.» Man habe sich erst an das Projekt herantasten müssen, feststellen, wer sich was zutraut und welche Stücke gespielt werden sollten. «Aber nach der dritten Probe lief der Karren», sagt Jordi.

Heute besteht das Ritardando aus 20 Mitgliedern: zwölf Violinen, drei Bratschen, vier Celli und einem Kontrabass. Zurzeit spielen vom 26-jährigen Geiger bis zum 80-jährigen Kontrabassisten alle Altersklassen mit. Der Altersschnitt ist eher hoch. Jordi wehrt sich aber gegen das Senioren-Image des Ensembles. Natürlich seien es hauptsächlich Senioren, die an einem Montagnachmittag Zeit für eine Ensemble-Probe hätten. «Aber wir haben Platz für jedermann, egal in welchem Alter.» Es sei beispielsweise die Möglichkeit für ehemalige Streicher, ihre alten Instrumente wieder aus dem Estrich zu holen und wieder mit der Musik anzufangen. Oder für Anfänger das optimale Umfeld, sattelfest zu werden.

«Man muss bei uns kein Konzertdiplom vorweisen, um aufgenommen zu werden.» Wer die Tonleiter spielen könne, sei herzlich willkommen. Nicht von ungefähr käme ja auch der Ensemblename: «Ritardando» bedeutet eine Verlangsamung des Tempos. «Wir sind keine Profis. Wir müssen nicht verbissen an schwersten Stücken arbeiten, es geht uns nur um die Freude am Musizieren.»

Am Dienstagabend spielt das Ritardando in Bergdietikon sein allererstes Konzert (siehe Fussnote). «Aufregend», sei das. «Ich weiss nicht, wie wir tönen, ich spiele ja mit und sitze mittendrin», sagt Jordi und lacht. «Aber wir freuen uns sehr darauf.»

Konzert Ritardando am 15-Jahr-Jubiläum «Altersgerechtes Wohnen im Schlittental», Dienstag, 8. Mai, 17 Uhr, Kirche Bergdietikon, Eintritt frei