Für Adrian Leimgrübler (FDP) ist seit Anfang letzter Woche Tauwetter angebrochen. Schon die Ankündigung der Staatsanwaltschaft, das Strafverfahren gegen ihn demnächst einzustellen, war mehr als ein Frühlingslüftchen für den ehemaligen und fristlos aus dem Amt entlassenen Statthalter, eher schon eine Art Rückenwind auf der Zielgeraden zum Wahlsonntag.

Und nun das Wahlergebnis. Mit einem zwar kleinen – aber von ihm selbst vorher nicht erwarteten – Vorsprung geht er als Gruppenerster in die «Rückrunde» am 21. Mai. Er habe das Resultat als Etappensieg gefeiert, meinte Leimgrübler. «Ich bedanke mich bei allen Personen, die mich unterstützt und gewählt haben ganz herzlich, auch für ihr Vertrauen in dieser bis kurz vor dem Wahltermin etwas unklaren Situation.»

Zweifel an «Arbeitsweise»

Ob das Tauwetter lange anhält, bleibt abzuwarten, denn der Zweitplatzierte Simon Hofmann (FDP) geht Leimgrübler am Tag zwei nach der Wahl frontal an und hakt genau bei dieser «unklaren Situation» ein. Leimgrübler habe im Wahlkampf stets versucht, der Bevölkerung «einen nicht vorhandenen Zusammenhang zwischen dem Strafverfahren und seiner fristlosen Entlassung» zu suggerieren. «Zur Sistierung (des Strafverfahrens, Anm. d. Red.) kann ich inhaltlich nichts sagen.» Aber jemandem für die geprüften Delikte (Begünstigung, ungetreue Geschäftsbesorgung sowie Betrug und Urkundenfälschung, Anm. d. Red.) einen Vorsatz zu beweisen, sei äusserst schwierig. Dass Leimgrübler die Verfahrenskosten trotzdem teilweise auferlegt würden, lasse aber tief in seine «Arbeitsweise» blicken. Und Hofmann setzt nach: «Was mich wirklich interessiert, wäre der Regierungsratsentscheid zu seiner Entlassung. Allmählich frage ich mich, ob nicht das öffentliche Interesse der Wählerschaft an der Publikation dieses Entscheids den Persönlichkeitsschutz überwiegt», so Hofmann.

In dasselbe Horn stösst auch Gérald Künzle, Präsident der Bezirks-FDP, die Simon Hofmann als Statthalterkandidaten nominiert hat. Er glaube zwar nicht an eine wahlentscheidende Wirkung der Entscheidung der Staatsanwaltschaft so kurz vor der Wahl. «Was es jedoch festzuhalten gilt: Das zweite Verfahren ist weiterhin hängig. Die fristlose Kündigung steht immer noch im Raum.» Leimgrübler solle endlich diesen Entscheid publizieren, «damit sich die Limmattalerinnen und Limmattaler ein Bild von den möglichen Bagatellen machen können», so Künzle. Das sei von öffentlichem Interesse vor allem auch im Hinblick auf den nächsten Wahlgang.

Der Ausgang der Wahl hat Simon Hofmann nicht überrascht. Er habe ein enges Rennen zwischen Leimgrübler und ihm erwartet, ergänzt durch einen achtbaren Erfolg des parteilosen Kandidaten Ramon Steffen: «Sozusagen der lachende Dritte im Bunde.» Für den zweiten Wahlgang rechnet Hofmann sich selbst gute Chancen aus. «Gestartet bin ich ja mit dem Prädikat ‹Unbekannt›». Aus seinem Ergebnis und dem Achtungserfolg von Ramon Steffen lese er, dass die Wählerschaft eine neue Person im Amt sehen will. «Steffens Merkmal ‹parteilos› hat offenbar seine Wirkung nicht verfehlt», ist Hofmann überzeugt.

Steffen als Königsmacher

Ob es Leimgrübler gelingt, seinen Schwung aus dem Sieg im ersten Wahlgang mitzunehmen, hängt auch davon ab, wie sich Steffen entscheiden wird. Der potenzielle Königsmacher stand nicht für eine Stellungnahme zur Verfügung. Am Wahlabend hat er sich Bedenkzeit für die Entscheidung ausbedungen, ob er bei einer zweiten Wahl nochmals antritt, oder ob er sich zurückzieht. Gibt er die Bahn frei für ein Duell, dann ist die grosse Frage, wie sich die Wählerinnen und Wähler, die Steffen ihr Vertrauen geschenkt haben, beim zweiten Urnengang entscheiden werden.

Leimgrübler misst dieser Frage nicht viel Bedeutung bei und lobt seinen Mitbewerber Steffen. Dieser habe einen fairen Wahlkampf geführt. Er habe mit Fakten argumentiert und nicht versucht, seine Mitbewerber mit Schlagworten herabzusetzen. Sicher habe Steffen auch von seinem, Leimgrüblers, laufenden Strafverfahren profitiert. «Und natürlich konnte sowohl er, wie auch ich, davon profitieren, dass wir ‹Einheimische› sind», so Leimgrübler. Auf die Frage, ob er darauf hoffe, dass Steffen das Handtuch wirft, meinte er: «Ob Ramon Steffen wieder antritt, ist sein Entscheid. Wieso sollte ich hoffen, dass er nicht wieder antritt?»
Ähnlich sieht das auch Hofmann: «Was meine Mitbewerber tun, ist deren persönliche Entscheidung. Ich konzentriere mich auf meine eigene Kandidatur und hoffe, bis zum 21. Mai noch die eine oder andere Person im Bezirk für mich zu gewinnen.»

«Hofmann konnte ‹landen›»

Rolf Steiner, Präsident der Interparteilichen Konferenz (IPK), dem Gremium der Bezirksparteien, das Simon Hofmann (FDP) einstimmig zum Kandidaten nominiert hat, sieht Hofmann und nicht Leimgrübler beim zweiten Wahlgang im Vorteil. Die Stimmen für den parteilosen Kandidaten Ramon Steffen seien wohl solche, die einen Neuanfang gewollt hätten. «Anders herum gesagt denke ich, dass Herr Leimgrübler sein Potenzial wohl ausgereizt hat.» Das gute Ergebnis für Steffen habe ihn überrascht: «Es scheint, dass einige Wählende genug haben von der Schlammschlacht, und dass andere wenig Vertrauen in die politischen Parteien haben.»

An einen Fehler bei der Nominierung von Simon Hofmann glaubt Steiner jedenfalls nicht: «Das Ergebnis von Herrn Hofmann zeigt, dass er als Kandidat durchaus ‹landen› konnte. Er hat die nötigen Qualifikationen.» Die FDP habe einen Kandidaten vorgeschlagen, der nicht nur die IPK-Ansprüche, sondern auch diejenigen der Wähler erfüllt habe. «Entsprechend hat sich der einstimmige Entscheid der IPK in der Wahl bestätigt. Die IPK als Zweck-Zusammenschluss der Parteien hat darüber hinaus keinen Gestaltungsspielraum, sie kann keine eigenen Kandidaten aufbauen», so Steiner.