Schlieren
Nach Schlierens Rückzug: Vom «Projet urbain» bleibt wenig erhalten

Für den Quartiertreff Färberhüsli besteht noch Hoffnung, sagt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin.

Florian Niedermann
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Bald Vergangenheit: Projet Urbain Schlieren.

Bald Vergangenheit: Projet Urbain Schlieren.

Limmattaler Zeitung

So klar wie der Entscheid des Schlieremer Stadtparlaments von vergangener Woche, die städtische Quartierentwicklung nicht weiterzuführen, sind auch seine Folgen. Vonseiten der Stadtverwaltung sind keine Anstrengungen mehr zu erwarten, was die verschiedenen Teilprojekte des «Projet urbain» angeht. Dies stellen die Behörden auf Anfrage klar. Der Stadt fehlten dazu nicht nur die Ressourcen, sondern auch der politische Auftrag, erklärt Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin (SP): «Bereits etablierte Angebote wie die Spielnachmittage auf dem Spielplatz Schönenwerd können künftig mit Geldern der öffentlichen Hand nicht mehr unterstützt werden.» Die Stadt prüft nun, ob einzelne Teilprojekte des «Projet Urbain» auf privater, freiwilliger Basis weitergeführt werden können.

Im Raum steht zum Beispiel, dass der Quartiertreff im wiederbelebten Färberhüsli in Betrieb bleibt. Dazu müsste die Gruppe von Quartierbewohnern, die ihn bisher geführt hat, sich aber bereit erklären, ihn in Eigenregie aufrechtzuerhalten, wie der Schlieremer Geschäftsleiter Patrick Schärer sagt: «Für uns stellt sich nun die Frage, wer für diese Gruppe auf Verwaltungsseite als Ansprechperson fungieren soll. Ausserdem müssen auch die allwöchentlichen Schlüsselübergaben organisiert werden.»

Hier entstand etwas, das das Ende des «Projet urbain» überleben könnte: Einweihungsfest des Quartiertreffs Färberhüsli. zvg

Hier entstand etwas, das das Ende des «Projet urbain» überleben könnte: Einweihungsfest des Quartiertreffs Färberhüsli. zvg

Florian Niedermann

Was bleibt, darf nichts kosten

Stadtpräsident Brühlmann hofft, dass auch andere Teilprojekte des Projet Urbain fortbestehen könnten. Die jeweiligen Quartierbewohner-Gruppen sind aufgefordert, zu prüfen, ob und wie sie ihre Ziele weiterverfolgen könnten. Klar ist: Was auch immer sie vorhaben, es darf den Steuerzahler nichts kosten.

Im April endet das Stadtteilentwicklungsprojekt, das seit 2012 vom Bund unterstützt und durch die Hochschule Luzern begleitet wurde. Der Stadtrat unterbreitete dem Parlament daher einen Kreditantrag von 225 000 Franken jährlich für die Weiterführung der Quartierentwicklung und der Übertragung dieser Bestrebungen auf andere Stadtteile. Anfang letzter Woche lehnte eine bürgerliche Mehrheit im Parlament den Antrag jedoch ab.

Für den Stadtrat eine herbe Enttäuschung, wie Brühlmann sagt. Er sei nach wie vor überzeugt, dass gezielte Massnahmen nötig seien, um nach dem starken Bevölkerungswachstum der letzten Jahre Neuzuzüger eingliedern und die Lebensqualität in den Quartieren steigern zu können. «Wir wollen keine Schlafquartiere, sondern eine Bevölkerung, die an der Entwicklung ihres Lebensumfelds teilnimmt», so Brühlmann. Dass dieses wichtige Legislaturziel nun nicht erreicht werden könne, wie erhofft, bedeute für die Stadt und ihre Bewohner einen Rückschlag.

Die Quartierkoordinatorin Sara Huber bleibt noch bis April 2016 bei der Stadt angestellt. Sie ist in dieser Zeit damit betraut, den Projektabschluss sicherzustellen, wie Geschäftsleiter Schärer sagt. Zudem werde sie auch in die Abklärungen im Zusammenhang mit verschiedenen Legislaturzielen eingebunden. Das Quartierbüro, das von der Badenerstrasse bereits im Juni ins Stadthaus verlegt wurde, existiert als solches nicht mehr.

Die Stadt Schlieren ist nicht die einzige der insgesamt 16 Projektgemeinden, die am «Projet urbain» teilnahm und dieses aber nicht weiterführt. In Spreitenbach scheiterte zuletzt der Gemeinderat dabei, eine 60-Prozent-Stelle für das Vorhaben «Langäcker bewegt» zu schaffen. Mit einer Zweidrittelmehrheit lehnte die Gemeindeversammlung den Antrag Mitte Juni ab.

Wie viele der Quartierentwicklungsprojekte des Bundes in der einen oder anderen Form auch nach 2015 weiter bestehen, kann das federführende Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) auf Anfrage nicht angeben. Die Evaluation durch die sechs beteiligten Bundesstellen sei erst auf 2016/17 angesetzt, heisst es dort. Dass manche Projekte nach der Laufzeit nicht mehr weitergeführt werden, gehört laut ARE aber «zum Charakter von Pilotprojekten». Der Bund sei sich dieses Risikos von Anfang an bewusst gewesen.