Die Anwohner des Chübelackers in Weiningen kämpfen seit einem halben Jahr gegen die Schliessung ihrer Strasse. Der Kampf scheint aber immer aussichtsloser zu werden. Im Zuge der Neugestaltung der Kreuzung Umfahrungs- und Zürcherstrasse, die aufgrund des Baus der dritten Gubriströhre nötig wird, sieht der Kanton die Schliessung der Chübelackerstrasse vor.

Die Anwohner sollen ihr Quartier ab 2021 nur noch über die Ifang- und Chalofenstrasse erreichen, da ihre Strasse dann nicht mehr an die Kreuzung am östlichen Ortseingang angebunden sein wird.

Nach der Abfuhr, die der Kanton den fünf Einsprachen der Anwohner gegen die Sackgasse im Quartier erteilt hat, folgt nun auch noch ein Korb der Gemeinde Weiningen. Der Gemeinderat will die Petition der Bewohner, die sie Anfang August dem Gemeindepräsidenten Mario Okle (parteilos) überreichten, nicht unterstützen, heisst es in einem Brief an Petitionär Oskar Steinacher.

Die Betroffenen wollten mit der Petition mit insgesamt 467 Unterschriften erreichen, dass sich der Gemeinderat für ihr Anliegen einsetzt und den Kanton von einer Kreisellösung mit Anbindung an die Chübelackerstrasse statt einer Kreuzung mit Signalanlage überzeugt (die Limmattaler Zeitung berichtete). Diesen Dienst will der Gemeinderat den Anwohnern nun aber nicht erweisen.

«Aus der Warte der Gesamtbetrachtung aller Interessen der Gemeinde ist es dem Gemeinderat nicht möglich, den Forderungen der Petition zu genügen», steht im Brief. Der Gemeinderat sieht bei einer Kreisellösung mehr Nachteile für die Mehrheit der Bevölkerung.

Er liess die verkehrstechnischen Forderungen der Petitionäre von einem Ingenieur prüfen. Dieser kommt zum Schluss: «Während der abendlichen Verkehrsspitzen wirkt sich ein Kreisel negativ auf die Wohn- und Lebensqualität in Weiningen-Dorf aus, insbesondere auf sämtliche seiner nordöstlich befindlichen Quartiere.» Der Gemeinderat befürchtet daher in der Rushhour ein Verkehrschaos im Dorfkern. Er vergisst aber nicht zu erwähnen, dass der Verkehrsfluss ausserhalb der Stosszeiten mit einem Kreisel flüssiger laufe.

Fussweg im Notfall benützen

Der Gemeinderat befasste sich auch mit den Sicherheitsbedenken der Chübelacker-Bewohner. Sie befürchten durch die neue Verkehrsführung prekäre Situationen auf den schmalen Quartierstrassen. Die in der Petition gestellten Forderungen würden nichts an diesem Zustand ändern, schreibt der Gemeinderat.

«Unabhängig davon, ob nun der Anschluss der Chübelackerstrasse in die Zürcherstrasse bestehen bleibt oder geschlossen wird, werden sich auch in Zukunft wie bereits heute auf der Chalofen-/Chübelackerstrasse Fahrzeuge kreuzen.» Die Bedenken bezüglich eines verhinderten Durchkommens für Blaulichtorganisationen sind laut Gemeinderat unbegründet. «Fahrzeuge der Feuerwehr, Sanität und Polizei dürfen im Notfall den geplanten Fussweg, welcher den Wendeplatz mit der Zürcherstrasse verbindet, als Notzufahrt benutzen.»

Erwähnt wird im Brief auch, dass dem Gemeinderat grundsätzlich die Hände gebunden sind. «Es handelt sich ausschliesslich um ein kantonales Strassenbauprojekt, worüber die kantonale Baudirektion die alleinige Verfügungsgewalt ausübt.» Die Gemeinde besitze zwar ein Anhörungs- und Rekursrecht, nicht jedoch ein Mitbestimmungsrecht.

Vom Rekursrecht könne man nur Gebrauch machen, wenn man eine Einsprache in der vorgesehenen Frist erhoben habe. Das Problem: «Der Gemeinderat hat keine solche Einsprache erhoben, da er zum besagten Zeitpunkt keine Kenntnis über die Anliegen der Petitionäre hatte.»

Über die Abfuhr des Gemeinderats sind die Petitionäre zwar nicht überrascht, doch enttäuscht allemal. «Wir hätten uns wenigstens erhofft, dass der Gemeinderat mehr Druck gemacht hätte bezüglich der Idee einer Einbahnstrasse mit Einfahrt in die Chübelackerstrasse, wie Mario Okle vorgeschlagen hatte», sagt Heinrich Mühle.

Die Behauptung, dass viele der Unterschriften von Personen kämen, die gar nicht von der Schliessung betroffen seien, ärgern ihn. «Viele Freunde und Bekannte haben unterschrieben, die diese neue Verkehrsführung sehr wohl betrifft, wenn sie uns besuchen.» Zudem könne er die Annahme, dass der Kreisel für die Mehrheit der Bevölkerungen negative Folgen habe, nicht nachvollziehen. «Ob unsere Strasse offenbleibt oder nicht, ist doch den Leuten aus der Fahrweid, im westlichen Dorfteil oder oberhalb der Chalofenstrasse egal», sagt Mühle.

Was ihn und die anderen Petitionäre noch mehr stört, ist die Tatsache, dass die Gemeinde einen aus ihrer Sicht parteiischen Ingenieur mit der Prüfung ihrer Forderungen betraut hat. «Der Ingenieur arbeitet für das Planungsbüro, das für das bekämpfte Strassenprojekt verantwortlich ist. Infolge dessen lässt sich das Resultat in grossen Zügen mit dem Gutachten eines Arztes vergleichen, der seinen eigenen Kunstfehler beurteilen muss», so Mühle.

Gemeindepräsident Mario Okle kann nachvollziehen, dass dieser Umstand bei den Petitionären nicht gut ankommt. «Wir wollten für die Prüfung nicht enorme Kosten generieren und haben daher jemanden gewählt, der mit der Materie vertraut ist», sagt er und betont aber auch: «Ich habe nicht das Gefühl, dass der Ingenieur eine vorgefasste Meinung hatte. Wir haben die Fragestellung aus Sicht der Petitionäre formuliert.»

Okle sieht die Schliessung der Strasse als beste Lösung. «Aus lärm- und sicherheitstechnischer Sicht ist eine Kreuzung mit Ampelanlage zu befürworten. So haben Fussgänger und Velofahrer mehr Sicherheit und der Kanton kann die vorgesehene Lärmschutzwand problemlos bauen.» Der Kreisel bringe zwar einen besseren Verkehrsfluss während 80 Prozent des Tages, doch zu den Stosszeiten verschlechtere es die Situation immens. Er wünscht sich, dass bei solchen Angelegenheiten künftig zuerst das Gespräch gesucht werde, bevor juristische Mittel ergriffen würden.

Trotz zahlreicher Rückschläge geben die Chübelacker-Bewohner noch nicht auf. «Wir haben Rekurs beim Baurekursgericht eingereicht», sagt Mühle. Zudem wolle man sich zu einem Verein formieren. «Unser Ziel ist, ein Crowdfunding zu starten, um die anfallenden Anwaltskosten begleichen zu können.»