Birmensdorf
Nach Schiessunfall vor zwei Jahren verschaffen neue Barrieren mehr Freiheit

Im Naherholungsgebiet werden fünf neue Schranken installiert. Dies auch im Zusammenhang mit dem Schiessunfall von 2013.

Florian Niedermann
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Waffenplatz Reppischtal Barriere.jpg

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Florian Niedermann

Unterhalb der Egg in Birmensdorf steht eine Aussichtsbank, von der aus Spaziergänger auf ihrem Weg durch das Reppischtal den Ausblick geniessen können. Doch seit einigen Wochen ragt unmittelbar vor dem lauschigen Rastplatz eine rot-weiss gestreifte Barriere aus dem Boden – ist sie geschlossen, ist der Zugang zur Bank versperrt. Zuvor stand neben der Sitzgelegenheit lediglich ein Warnschild, das auf die Schiessgefahr der benachbarten militärischen Übungsanlage hinwies und Zivilisten den Durchgang verwehrte. Doch war die Tafel vom Weg aus gesehen hinter der Bank installiert, weshalb diese selbst während Schiessübungen stets zugänglich war.

Die neue Barriere erweckt den Eindruck, dass die Armee hier die Sicherheitszone zulasten der zivilen Nutzung des Naherholungsgebiets ausgedehnt hat. Doch der Schein trügt: Michael Haeringer, Chef der Waffenplatzverwaltung Zürich-Reppischtal, erklärt auf Anfrage, dass vielmehr die Aussichtsbank falsch platziert ist: «Das gesamte Gelände östlich des Wanderwegs gehört zur Übungsanlage im Roggenacher», sagt er. Finden bei den knapp 100 Meter entfernten Schützengräben Übungen statt, sei Zivilisten der Aufenthalt dort aus Gründen der Sicherheit und des Lärmschutzes nicht erlaubt.

Barriere wird selten geschlossen

Auch das Verbotsschild, das die Spaziergänger bei Truppenübungen davon abhielt, von der Bank aus weiter in das Gelände vorzudringen, hätte demnach direkt am Wegrand stehen und den Zugang zur Bank so versperren sollen. Dass nun eine Barriere installiert wurde, bedeute allerdings nicht, dass Zivilisten sich künftig nie mehr auf der Bank ausruhen könnten, sagt Haeringer: «Die Schranke wird nur dann geschlossen, wenn Übungen stattfinden. Das ist bei der betreffenden Anlage relativ selten der Fall.» Falls sich dies in Zukunft ändern sollte, sei die Verwaltung aber bereit, andere Lösungen zu prüfen.

Zu dieser Warntafel ist beim Waffenplatz Reppischtal neu die Barriere dazugekommen

Zu dieser Warntafel ist beim Waffenplatz Reppischtal neu die Barriere dazugekommen

Florian Niedermann

Hintergrund für die neue Schranke ist das neu überarbeitete Sicherheitskonzept, das 2014 für den Waffenplatz festgesetzt wurde. Bereits seit der Einweihung der militärischen Anlage 1987 ist im Reppischtal ein Nebeneinander von ziviler und militärischer Nutzung vorgesehen. Die Armee kann das rund 300 Hektaren grosse Gebiet für die Bevölkerung freigeben, wenn die Übungsanlagen nicht belegt sind. Während Schiess- und anderen Übungen schrieb schon das bisherige Sicherheitskonzept aber die Sperrung von Wegen und Strassen in der Gefahrenzone vor. «Angesichts des rund 34 Kilometer langen Weg- und Strassennetzes auf dem Gelände ist dies keine leichte Aufgabe», so Haeringer. Bei der Aussichtsbank im Roggenacher und an anderen Stellen sollten bisher Durchgangsverbotsschilder Zivilisten fernhalten. Doch erfüllten diese ihren Zweck nur ungenügend, wie der Chef der Waffenplatzverwaltung sagt: «Es kam immer wieder vor, dass Passanten die Schilder missachteten oder übersahen. So gelangten sie ohne grosse Hindernisse in die Gefahrenzone.»

Schiessunfall löste Revision aus

Vor zwei Jahren entschlossen sich die Waffenplatzverwaltung und das Kommando dazu, das Sicherheitskonzept zu überarbeiten. Mit ein Grund dafür war laut Haeringer ein Schiessunfall, der sich im März 2013 während einer Schiessübung der Armee ereignet hatte (die Limmattaler Zeitung berichtete). Damals wurde ein Armeeangehöriger während einer Übung in Wald neben dem Zielhang eines Schiessstandes von einem Querschläger getroffen. Der Getroffene trug glücklicherweise lediglich ein Hämatom davon.

Die Waffenplatzverwaltung trieb daraufhin die Revision des Sicherheitskonzepts voran, die laut Haeringer wegen der zunehmenden Nutzung des Naherholungsgebiets schon länger im Raum gestanden hat. Zu den dabei festgelegten planerischen Massnahmen gehören fünf zusätzliche Barrieren an verschiedenen Stellen im Reppischtal. Sie dienen dazu, jene Teilgebiete, in denen militärische Übungen stattfinden, besser abriegeln zu können.

Die neuen Schranken würden die Bewegungsfreiheit der Zivilisten nicht zusätzlich einschränken, versichert Haeringer: «Im Gegenteil. Mit ihrer Hilfe können die tatsächlich belegten Areale engmaschiger abgesperrt werden, sodass gleichzeitig grössere Teile des Tals zugänglich sind.» Auch die fixen Wegsperren, die auf vereinzelten Zugangsstrassen heute noch anzutreffen sind, werden verschwinden. Die Waffenplatzverwaltung ersetzt sie durch Schranken, die geöffnet werden können. Bis im Frühling 2016 soll das neue Sicherheitskonzept im Reppischtal greifen. Dann werden insgesamt 28 Schranken den Zugang zu den einzelnen Teilgebieten regeln. Je nachdem, auf welcher Anlage geschossen wird, müssen die Verwaltungsangestellten bis zu 17 Schranken einzeln schliessen und wieder öffnen. Die Armee setzt ihrerseits während des Schiessbetriebs mehr Zielraumbeobachter ein. Für die Zuständigen bedeuten die neuen Barrieren also vor allem eines: einen grossen Mehraufwand.