Weinberg
Nach neun Jahren des sanften Kampfes fährt nun ein Bus ins Quartier

Andere wünschen sich zu Weihnachten ein Parfüm oder einen iPod. Nicht so Christa Jordi. Sie hatte für die Weihnachtsfeiern der letzten Jahre immer einen unerfüllten Wunsch: einen Bus in ihr Wohnquartier am Weinberg. Dieser Wunsch wird nun wahr.

Bettina Hamilton-Irvine
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Erster Etappensieg für Christa Jordi: Im Dezember 2008 wird ein Minibus in Betrieb genommen

Erster Etappensieg für Christa Jordi: Im Dezember 2008 wird ein Minibus in Betrieb genommen

Limmattaler Zeitung

Dieses Jahr wurde ihr Wunsch endlich und endgültig erhört: Ab dem kommenden Montag werden Standardbusse der Linie 325 täglich in einem regelmässigen Takt zwischen dem Bahnhof Dietikon und dem Weinbergquartier verkehren.

Alles begann im Dezember 2002

Dass ihr Wunsch erhört wurde, ist jedoch weder einem gütigen Christkindli noch einem netten Zufall zu verdanken. Vielmehr ist der Weinbergbus das Resultat eines jahrelangen Kampfes. Ein Kampf zwar, der sanft und aggressionsfrei geführt worden ist. Doch ein Kampf - und auch ein Krampf - war es doch über weite Strecken, wie sich Christa Jordi erinnert: «Es war oft sehr mühsam.» Damit spricht sie auf die unzähligen Rückschläge und Widerstände an, welche die Befürworter der neuen Dietiker Buslinie seit dem Dezember 2002 überwinden mussten. Denn damals begann die lange Geschichte, die dieses Jahr zu einem glücklichen Ende kam: Christa Jordi und ihr Mann Max Jordi wandten sich erstmals per Brief im Namen der Einwohner des Weinbergquartiers an den Dietiker Stadtrat, um ihren Wunsch nach einer Erschliessung des Quartiers kundzutun. Die Antwort war: negativ.

Es sollte bei Weitem nicht die letzte negative Antwort bleiben. Trotzdem verlor Christa Jordi weder den Mut noch den Humor. Sie habe in den vergangenen Jahren kein einziges Mal ans Aufgeben gedacht, sagt sie: «Meine feste Überzeugung war stets: Wir haben ein Quartier wie alle anderen, wir haben das Recht auf einen Bus.» Daher sei ihr der Einsatz dafür auch nie verleidet.

«Nicht locker lassen»

Dies wurde auch deutlich in der Lobbyingarbeit, die Christa Jordi unermüdlich und mit einer schier unerschöpflichen Geduld betrieb. Alle Kanäle wurden benutzt, Kontakte aktiviert, jede Gelegenheit benutzt, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. In der Adventszeit schrieb sie den Stadträten Briefe, in denen sie wünschte, der «Weinbergengel» möge einen Weinbergbus bringen, wie sie verschmitzt erzählt. An Ostern bat sie den Osterhasen um dieselbe Gabe - auch davon erfuhr der Stadtrat.

Immer wieder habe sie Leute angesprochen und die Namen der Unterstützenden gesammelt. Diese Liste habe sie regelmässig an den Stadtrat geschickt und so steten Druck ausgeübt: «Nicht locker lassen, immer wieder in Erinnerung rufen», sei ihr Mantra gewesen.

So aktiv war Christa Jordi, so omnipräsent ihr Anliegen, dass sie irgendwann die Strategie wechseln musste, wie sie erzählt. «Ich realisierte, dass ich die Leute zu nerven begann mit meinem Weinbergbus», erzählt sie und lacht. Denn sie habe halt jede nur mögliche Gelegenheit ergriffen, um Stimmung für den Bus zu machen. Schliesslich habe sie zwei ehemalige Gemeinderäte und einen ehemaligen Stadtrat, die ebenfalls im Weinbergquartier wohnen, für ihr Anliegen gewinnen können, um selber etwas mehr in den Hintergrund zu treten. «Sehr effektiv» sei das gewesen.

Effektiv war auch die Gründung der IG Weinbergbus im Januar 2010, welche ausgerechnet einem Stadtrat zu verdanken war. Heinz Illi hatte im Dezember 2009 erklärt, der Weinbergbus werde wohl kaum benötigt, da die meisten Bewohner des Quartiers sowieso zwei Autos hätten. «Dies löste bei uns höchste Alarmstufe aus», erinnert sich Christa Jordi. Kurz darauf wurde die Interessengemeinschaft gegründet.

Ebenfalls als zentral für den Erfolg der IG wertet Christa Jordi die Tatsache, dass mit dem Dietiker Alfred Bachmann ein ehemaliger SBB-Fahrplanplaner zur Unterstützung gewonnen werden konnte. Mithilfe seiner Berechnungen konnte bewiesen werden, dass die Buslinie wirklich funktionieren würde. «Das war das i-Tüpfelchen», sagt Christa Jordi.

Ein neuer Weihnachtswunsch

Die nun erreichte Lösung ist auch ein Kompromiss: Zwar fahren nun in den Hauptverkehrszeiten halbstündlich Busse ins Quartier, in den Nebenverkehrszeiten weitgehend stündlich. Dafür müssen die Weinbergbewohner auf die beiden Haltestellen Rebbergstrasse und Chrottenbühl verzichten. Christa Jordi ist damit sehr zufrieden: «Diese Variante stimmt für uns.» Und was wünscht sie sich nun zu Weihnachten, da der Bus nicht mehr auf der Wunschliste steht? Auch dafür hat Christa Jordi schon eine Idee: «Verkehrsberuhigende Massnahmen, am liebsten Tempo 30 im Weinbergquartier», sagt sie.