Bergdietikon
Nach Krimi an "Gmeind": "Ich bin erleichtert, aber auch erschöpft"

An der Gemeindeversammlung stimmten knapp 430 Personen über das geplante Alterszentrum Hintermatt ab. Nach beinahe dreieinhalb Jahren steht nun nach einem knappen Entscheid fest, dass es mit der Planung des Alterszentrum weiter gehen kann.

Bettina Hamilton-Irvine
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Gute Aussichten für Bergdietiker Senioren: Auf diesem Stück Land im Weiler Kindhausen soll in einigen Jahren das Alterszentrum Hintermatt stehen.

Gute Aussichten für Bergdietiker Senioren: Auf diesem Stück Land im Weiler Kindhausen soll in einigen Jahren das Alterszentrum Hintermatt stehen.

Bettina Hamilton-Irvine

Es ist selten, dass Gemeindeversammlungen an Abenden, an denen auch ein EM-Fussballmatch läuft, zum Strassenfeger werden. Es ist auch selten, dass sie spannend wie Krimis und hoch emotional wie Dramafilme sind. All das war in Bergdietikon am Montagabend der Fall. Der Grund: Die Stimmberechtigten waren aufgerufen, über das geplante Alterszentrum Hintermatt im Weiler Kindhausen zu befinden.

Nun hätte das alleine wohl noch nicht gereicht, um knapp 430 Personen anzulocken, die debattierten, sich widersprachen, mitfieberten und schliesslich – zumindest ein Teil davon – jubelten und sich in die Arme fielen.

«Es geht um ein Alterszentrum. Wir wollen kein Atomkraftwerk bauen»

Wenn man jedoch weiss, dass das Projekt die kleine Gemeinde nun bereits seit fast dreieinhalb Jahren in Atem hält, dass drei Mal der Kanton im Zusammenhang mit Beschwerden eingeschaltet worden war und dass sich der Ton vor allem in den letzten Wochen zunehmend verschärft hatte, dann erstaunt es nicht, dass Gemeindeammann Gerhart Isler zu Beginn der Versammlung sagte, er bitte die Anwesenden, respektvoll zu bleiben: «Es geht um ein Alterszentrum. Wir wollen kein Atomkraftwerk bauen.»

Gegen zweieinhalb Stunden diskutierten die Anwesenden schliesslich, und bis die geheime Abstimmung vorüber war, dauerte es beinahe drei. Nun ist klar, dass das Alterszentrum gebaut werden kann. Zwar fiel der Entscheid kurz vor Mitternacht dann relativ knapp aus: 225 Personen sprachen sich für das Projekt aus, 194 waren dagegen. Doch er ist endgültig.

Referendum nicht möglich

Weil es sich bei der Abstimmung um einen sogenannten Wiedererwägungsantrag handelte, kann kein Referendum dagegen ergriffen werden. Denn: Die Gemeinde musste auf Antrag des Bergdietiker Bürgers Armin Sommer darüber befinden, ob sie den Entscheid, das Land in Kindhausen der Investorin Oase Holding zu verkaufen, rückgängig machen will.

Für Sommer, der das Projekt als einer der schärfsten Gegner vehement bekämpft hat, ist das bedauernswert. Er sagt aber auch: «Das ist ein demokratischer Entscheid und den gilt es zu akzeptieren.» Es sei für ihn zudem ein Achtungserfolg, dass so viele Personen an die «Gmeind» gekommen seien und der Entscheid so knapp ausgefallen sei.

Anders klingt es von Hanspeter Lingg: «Ich bin nun einfach nur froh, dass Bergdietikon so entschieden hat.» Lingg war früher ein Gegner des Projekts. Seit er am runden Tisch mitwirkt, welchen der Gemeinderat einberufen hat, um das einst verfahrene Projekt mehrheitsfähig zu machen, engagiert er sich leidenschaftlich für das Alterszentrum.

Dieses findet er in der nun angepassten Form richtig. Nach dem Entscheid am Montagabend sei er erleichtert, aber auch erschöpft gewesen, sagt er. Der runde Tisch habe so viel Arbeit in das Projekt investiert. Es sei schön, dass man nun vorwärtsblicken und endlich eine gute Lösung für die Bergdietiker Senioren realisieren könne.

Gemeinderat hat drei Prioritäten

Das will auch der Gemeinderat. Es gebe nun drei Prioritäten in nächster Zeit, sagt Gemeinderat Urs Emch. Als Erstes müsse der Vorvertrag mit der Investorin Oase Holding, der Ende Jahr auslaufen würde, verlängert und leicht angepasst werden.

Zweitens will die Gemeinde, dass das Alterszentrum auf die Pflegeheimliste des Kantons Aargau kommt. Dieser kann die Aufnahme einer neuen Institution auf die Liste gemäss Pflegeverordnung bereits im Voraus provisorisch zusichern. In der Planung sei dies «ein Zwischenschritt, den man machen kann, aber nicht muss», sagt Emch.

Die nötigen Pflegeplätze – geplant sind 82 – sind bereits seit längerer Zeit beim Regionalplanungsverband Baden Regio reserviert. Beim Kanton, wo die Unterlagen im November 2015 eingereicht worden sind, ist die Anfrage noch pendent.

Plan soll Ende 2017 genehmigt sein

Als dritte Priorität gilt die Arbeit am Gestaltungsplan. Hier müssen die diversen Unterlagen noch «verfeinert» werden, wie Emch es nennt. Dies werde voraussichtlich etwa drei Monate dauern, während denen man jedoch ständig im Kontakt mit dem Departement für Bau, Verkehr und Umwelt stehe und dessen Feedback einfliessen lasse. Danach erstellt dieses einen Vorprüfungsbericht.

Mit einer Informationsveranstaltung wird dann das 30 Tage dauernde Mitwirkungsverfahren für die gesamte Bevölkerung gestartet. Aufgrund der Einwendungen führt der Gemeinderat dann Verhandlungen und macht, wo nötig und möglich, nochmals Anpassungen am Gestaltungsplan. Dieser soll dann voraussichtlich im ersten Quartal 2017 beim Kanton eingereicht werden und könnte, wenn alles gut geht, Ende 2017 genehmigt sein.