Für ein paar Minuten liess die Polizei die Familie Schaffner in die eigene Wohnung im ersten Stock zurückkehren, um die wichtigsten Habseligkeiten zu holen. Auch die übrigen sieben Familien – insgesamt rund 30 Personen – konnten kurz etwas für die anstehende Nacht mitnehmen, dann wurde das Mehrfamilienhaus wieder abgesperrt. Fachleute und Feuerwehr werden nun den Kran vom Gebäude entfernen, danach prüfen Baustatiker die Einsturzgefahr. Das Ehepaar Schaffner wird die Nacht mit ihren Kindern bei den ebenfalls in Urdorf wohnhaften Eltern verbringen. "Die Solidarität im Dorf ist super", sagt Martina Schaffner. "Ich habe zehn Angebote erhalten, wo wir unterkommen können." Sie ist gerührt.

Kran kracht auf Haus in Urdorf – eine Person wurde laut Meldungen leicht verletzt. Der Sachschaden ist gross.

Kran kracht auf Haus in Urdorf – eine Person wurde laut Meldungen leicht verletzt. Der Sachschaden ist gross.

Vom Unglück hat die Familie auf der Rückfahrt vom Connyland erfahren. Freunde und Bekannte hätten aufs Handy angerufen und Fotos geschickt. "Wir waren geschockt", so Schaffner. Wie es weiter geht, das weiss sie derzeit noch nicht. Vieles wird sich erst am Freitag oder gar in den kommenden Tagen klären. Wie stark die Wohnung in Mitleidenschaft gezogen ist, weiss die Familie Schaffner noch nicht. Sicher ist, der Balkon ist abgebrochen. Betroffen sind in erster Linie die beiden Dachwohnungen.

Es ist kurz vor 16 Uhr als sich am Donnerstagnachmittag ein Baukran mit seinem Ausleger über das Mehrfamilienhaus an der Bahnhofstrasse 89 in Urdorf dreht und dann vonüber kippt und aufs Dach stürzt. Der Kran gräbt sich ins obere Stockwerk ein und bringt auf der Hausrückseite Balkone zum Einsturz. Der Ausleger fällt auf der gegenüberliegenden Strassenseite in die Wiese zwischen zwei weiteren Mehrfamilienhäusern. Und das alles kurz vor Feierabend. Es grenzt an eine Wunder, dass keine Personen zu Tode kamen.

Die Kantonspolizei bestätigt einen leichtverletzten Hausbewohner. Die übrigen Personen blieben unverletzt oder waren ausser Haus. Über die genaue Unfallursache konnte die Polizei noch keine Angaben machen. Der Sachschaden dürfte in die Hunderttausende von Franken gehen. Die Bahnhofstrasse bleibt über Nacht gesperrt, die Feuerwehr sichert den Unfallplatz und die Umgebung ab.

Wie Patrick Müller, Leiter Stab der Gemeinde Urdorf, auf Anfrage erklärt, hat der Zivilschutz im Ortskommandoposten Embri Raum für die Hausbewohner zur Verfügung gestellt. Wer nicht privat unterkommt, kann die Nacht dort verbringen. Für ein Nachtessen und Frühstück ist gesorgt. Um 20.30 Uhr befanden sich rund 20 Personen vor Ort – sie wurden mit Pizza verköstigt. Laut Müller sei bei den Betroffenen eine Erleichterung zu spüren, dass niemand ernsthaft verletzt wurde. Doch die Ungewissheit wie es nun mit der eigenen Situation weiter gehe, sei belastend, das sehe man den Leuten an.

Am Freitagmorgen um 8 Uhr wird der Katastrophenstab der Stadt Urdorf die Lage neu beurteilt, so Müller.

Der Krach des Aufpralls lockt die Nachbarschaft nach draussen. In Gruppen diskutieren sie, wie sie den Kranaufprall wahrgenommen haben. Die Kinder und Erwachsenen zücken ihre Handykameras. Das Drama als Diskussionsstoff für den ganzen Abend. Ein Ohrenzeuge erzählt: "Ich bin gerade mit dem Fahrrad am Hausvorbei und um die nächste Ecke gefahren, als ich es hinter mir krachen hörte. Zunächst dachte ich mir nichts dabei, doch dann fuhr ich zurück und sah die Katastrophe."

Das Kranunglück in Urdorf geschieht nur wenige Tage nach einem ähnlichen Unfall in Uitikon am 16.Juni. Dort stürzte ein Kran beim Ablad auf eine Neubauliegenschaft.