Oberengstringen

Nach jahrelanger Debatte: 30er-Zone kommt nun doch vors Volk

Tempo 30 gefordert: Nachdem ihre Katze überfahren wurde, hat eine Anwohnerfamilie dieses Schilder auf der Eggstrasse aufgestellt. Bild: Florian Schmitz (16. April 2020)

Tempo 30 gefordert: Nachdem ihre Katze überfahren wurde, hat eine Anwohnerfamilie dieses Schilder auf der Eggstrasse aufgestellt. Bild: Florian Schmitz (16. April 2020)

Obwohl Oberengstringen die 30er-Tafeln an der Eggstrasse schon montiert hatte, erhält nun die Gemeindeversammlung das letzte Wort.

Vor wenigen Monaten wurden an der Eggstrasse in Oberengstringen 30-er Tafeln aufgestellt. Auf der Strasse tauchten auch Markierungen für eventuelle Bodenschwellen und Parkplätze auf. Doch die Freude der Anwohner, die seit Jahren Tempo 30 auf der Eggstrasse fordern, währte nur kurz. Die Beschilderung wurde bereits wieder abmontiert.

«Solche temporären Signalisationen dürfen nur 60 Tage stehen, danach müssen sie entfernt oder bereits vorgängig öffentlich aufgelegt werden», sagt Sicherheitsvorstand Andreas Leupi (SVP). Ob das Tempo in der Quartierstrasse künftig wirklich gedrosselt werden muss, wird an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 28. September definitiv entschieden. Dann wird darüber diskutiert und abgestimmt, ob im Bereich der Egg- und einem Teil der Rütihofstrasse eine 30er-Zone eingeführt wird.
Eigentlich hoffte der Gemeinderat, dass sich das Anliegen schneller klären lasse und man die temporäre Signalisation nahtlos durch die definitive ersetzen könnte. An einer Sitzung Mitte Januar beschloss er deshalb, die 2018 von Anwohnern geforderte Geschwindigkeitssenkung so schnell wie möglich umzusetzen. Seinen Entscheid stützte der Gemeinderat unter anderem auf ein Ende 2019 fertiggestelltes Verkehrsgutachten.

In einer groben Kostenschätzung für dieses Projekt rechnete die Gemeinde Anfang Jahr mit Ausgaben von rund 100000 Franken. Während der Auflagefrist reichten jedoch mehrere Anwohner kritische Eingaben ein. Dies habe dem Gemeinderat aufgezeigt, wie kontrovers die Tempoteduktion im Dorf diskutiert wird. «Es gab einige Leute, die fanden, es brauche keinesfalls eine Tempo-30-Zone», sagt Leupi. Widerstand in diesem Ausmass habe der Gemeinderat nicht erwartet.

Der Gemeinderat befürwortet Tempo 30

Bislang seien vor allem die Oberengstringer hörbar gewesen, die vor zwei Jahren über 100 Unterschriften sammelten, um an der Eggstrasse eine 30er-Zone einzuführen. «Sie drängen nun darauf, dass diese bald erstellt wird», so Leupi. Der Gemeinderat stehe immer noch hinter dem Anfang Jahr gefällten Entscheid, die Geschwindigkeitssenkung einzuführen. Doch um diesen basisdemokratisch abzusichern, solle das Traktandum nun der Dorfbevölkerung vorgelegt werden.

Das Anliegen, Tempo 30 einzuführen, ist nicht neu. Bereits 2012 prüfte die Gemeinde Geschwindigkeitsreduktionen. Doch nebst Stimmen aus der Bevölkerung, die Geschwindigkeitsreduktionen unnötig fanden, ergab das damalige Gutachten, dass Tempo-30 auf der Eggstrasse aufgrund der tendenziell einseitigen Bebauung nicht notwendig sei. Deshalb beschränkte sich die Gemeinde auf die Umsetzung im südlichen Dorfteil, wo die meisten Strassen in Gemeindebesitz sind, und fokussierte die Tempo-30-Zonen besonders auf die Umgebung der Schulhäuser und des Alterszentrums.

Mehr Wohnhäuser und Kinder an der Eggstrasse

Doch im Unterschied zu damals stehen heute beidseits der Eggstrasse viele Wohnhäuser. «Es wurde gebaut und nun wohnen auch viele Kinder im Quartier. Sie wollen sicher in die Badi oder die Schule gehen», sagt Leupi. Aus diesem Blickwinkel sei die 30er-Zone nun durchaus gerechtfertigt.
Sollte die Mehrheit an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung jedoch entscheiden, dass keine Tempo-30-Zone an der Eggstrasse nötig sei, wäre das Thema trotz aller bisher geführten Debatten für den Moment vom Tisch. «Da es lediglich eine Grundsatzabstimmung gibt, können keine Änderungsanträge für das bereits entwickelte Bauprojekt gestellt werden», schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung. Es gilt also alles oder nichts: «Das ist das Risiko, das wir in Kauf nehmen. Doch ich denke, die Chancen stehen gut, dass die 30er-Zone angenommen wird», sagt Leupi. Sollte er Recht behalten, werden wohl noch in diesem Jahr feste Tempo-30-Tafeln an der Egg- und Rütihofstrasse aufgestellt.

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