Urdorf

Nach jahrelangem Rechtsstreit: Gemeinderat senkt die Altersheim-Taxen im Zentrum Weihermatt

Die Zimmer im Alterszentrum Weihermatt in Urdorf sind zu günstig: Die Gemeinde wird die Hotelleriekosten erhöhen müssen. Die Pflegekosten werden hingegen gesenkt.

Die Zimmer im Alterszentrum Weihermatt in Urdorf sind zu günstig: Die Gemeinde wird die Hotelleriekosten erhöhen müssen. Die Pflegekosten werden hingegen gesenkt.

Weil die Bewohner des Alterszentrums Weihermatt jahrelang zu viel bezahlten, passt die Gemeinde nun die Betreuungstaxen an. Bald droht aber auch eine Entwicklung in die andere Richtung: Die Zimmer waren bislang zu günstig.

Fünf Franken: Um so viel senkt Urdorf die Betreuungstaxen pro Person pro Tag im Alterszentrum Weihermatt voraussichtlich per 1. April. Und so viel betrug die Rückerstattung für die Jahre 2016 und 2017. Um den Zusammenhang zwischen diesen beiden Beträgen zu verstehen, muss aber erst etwas Geschichte aufgerollt werden: Wegen der Sanierung des Alterszentrums Weihermatt im Jahr 2013 wurden die Heimtaxen für die Bewohner erhöht. Gegen diesen Aufschlag hatte sich eine Bewohnerin vor mehreren Instanzen gewehrt. Sie fand, dass die Gemeinde zu hohe Beiträge verlange.

Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. Dieser mündete darin, dass der Bezirksrat Dietikon nach diversen Abklärungen zum Schluss kam, dass in den Jahren 2016/2017 zu hohe Betreuungstaxen verrechnet wurden. Die Gemeinde Urdorf wurde dann 2019 dazu verdonnert, den Bewohnern des Alterszentrums insgesamt rund 330000 Franken zurückzuzahlen – also fünf Franken pro Tag.

Hohe Auslastung als Grund für die Mehreinnahmen

Fünf Franken: Um eben diesen Betrag wird ab dem 1. April nun die Betreuungstaxe pro Person pro Tag gesenkt. Das teilt der Gemeinderat mit. «Eine Analyse der Rechnungen hat gezeigt, dass wir für die Betreuung in den vergangenen Jahren zu viel eingenommen haben, sodass es zu einer Überdeckung gekommen ist», sagt Gesundheitsvorsteher Andreas Herren (SP).

Das läge hauptsächlich daran, dass die Auslastung stets sehr hoch ist – das hatte auch der Bezirksrat in seinem Entscheid festgestellt. «Wir haben praktisch immer alle Betten belegt», sagt Herren. «Damit sind wir ein Ausnahmefall. Unsere Belegung ist aussergewöhnlich hoch.» Das zeigen auch die Zahlen: Im Jahr 2019 lag die Auslastung im Alterszentrum Weihermatt bei 99,2 Prozent, also massiv über dem kantonalen Durchschnitt von etwa 93 Prozent. «Es ist schön, dass wir so einen guten Ruf haben. Die Mitarbeitenden im Alterszentrum leisten hervorragende Arbeit», sagt Herren. Wegen der Überdeckung musste der Gemeinderat jedoch die Tarifgestaltung überdenken und anpassen. Das hat er nun getan.

Neu belaufen sich die Kosten für die Betreuung also auf 45 Franken in der offenen und 55 Franken in der geschlossenen Wohngruppe. Unverändert bleiben hingegen die Taxen für die Hotellerie, also für die Zimmer. Aber nicht lange: In absehbarer Zeit muss die Gemeinde voraussichtlich die Preise erhöhen.

«Die Analyse hat auch gezeigt, dass wir bei den Zimmern zu tiefe Preise erheben», sagt Herren. Das heisst, bei der Hotellerie resultiert eine Unterdeckung. Herren geht darum davon aus, dass eine Anpassung in den nächsten zwei bis drei Jahren notwendig wird. Derzeit belaufen sich die Hotelleriekosten auf 145 Franken für einen Aufenthalt im Doppelzimmer und 155 Franken für ein Einzelzimmer.

Verlust in der Hotellerie ist zurzeit noch tragbar

Die momentane Unterdeckung der Hotellerie werde keine Auswirkungen auf das Budget der Gemeinde haben: «Wir rechnen zwar mit einem Verlust von 180000 Franken, aber der ist derzeit tragbar», sagt Herren. Dies, weil die Mehrerträge aus der Betreuung einem Fonds zugewiesen werden, so wie es der Bezirksrat verfügt hatte. «Das ist eine Schwankungsreserve», sagt Herren. Deswegen sei eine stabile Preispolitik möglich. Auf die Betreuung der Pensionärinnen und Pensionäre werde die Reduktion der Taxen keinen Einfluss haben.

Wenn es um die Buchhaltung geht, wird zwischen Hotellerie und Betreuung unterschieden. Die Bewohnerinnen und Bewohner zahlen letztlich aber beides zusammen. Hätte man diese Gesamtkosten also nicht so belassen können, anstatt sie jetzt zu senken und später wieder zu erhöhen? «Das wäre eine Möglichkeit gewesen. Wir wollten die Erhöhung bei der Hotellerie aber nicht im selben Schritt wie
die Reduktion bei den Betreuungstaxen vornehmen. Denn eine gleichzeitige Erhöhung der Zimmerpreise wäre auf Unverständnis gestossen», sagt Herren.

Die Gemeinde hat gestern die Pensionäre sowie deren Angehörige informiert. «Die Ankündigung, sowohl von der Reduktion als auch von der möglichen Erhöhung, wurde gut aufgenommen», sagt Herren dazu.

Eine Aufsichtsbeschwerde ist noch hängig

Der Rechtsstreit mit einer über 100 Jahre alten Bewohnerin des Alterszentrums, der die ganze Sache mit den Taxen ins Rollen gebracht hatte, ist inzwischen beendet. Einzig eine Aufsichtsbeschwerde beim Regierungsrat ist noch hängig. Deren Ziel ist, dass noch mehr Taxen zurückgezahlt werden. Diese Aufsichtsbeschwerde stammt aber nicht von einer Bewohnerin oder einem Bewohner des Alterszentrums Weihermatt.

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