öV-Erschliessung
Nach Ja in Uitikon: Ortsbus könnte noch einmal vors Schlieremer Stimmvolk kommen

Nach dem Ja der Uitiker zum Ortsbus ist Werkvorstand Stefano Kunz gefordert – er sieht zwei Optionen.

Alex Rudolf
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Uitikon hat dem Ortsbus überraschend zugestimmt, nun ist Schlieren wieder am Ball. Symbolbild: Fotolia

Uitikon hat dem Ortsbus überraschend zugestimmt, nun ist Schlieren wieder am Ball. Symbolbild: Fotolia

Christian Mller - Fotolia

Seit Sonntag steht fest, dass Uitikon näher an Schlieren heranrücken wird. Die Stimmberechtigten votierten mit einem knappen Ja-Anteil von 53,2 Prozent für die Verlängerung der Buslinie 201 zum Schlieremer Bahnhof. Den vierjährigen Testbetrieb lässt sich die Gemeinde 2,4 Millionen Franken kosten. Nach diesem überraschenden Verdikt – lediglich die Ortspartei der Grünen sprach sich für die Vorlage aus – gerät nun Schlieren mit seinem Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) erneut in den Fokus der Limmattaler Ortsbus-Debatte.

So wurde Kunz seit dem Nein der Schlieremer zu ihrem Ortsbus vom vergangenen Juni mehrmals dazu aufgefordert, mit Vertretern Uitikons eine gemeinsame Lösung zu finden. Vornehmlich ging es dabei um die Erschliessung des Schlieremer Bergs: Der verlängerte Uitiker Ortsbus, der den Betrieb beim Fahrplanwechsel Ende 2017 aufnehmen wird, soll die SBB-Gleise bei der Uitikonerstrasse durch den Autotunnel passieren – eine Erschliessung des dort angrenzenden Schlieremer Bergs läge auf der Hand. Dies sehen zumindest Rolf Wegmüller (CVP) und John Daniels (FDP) so.

Die beiden Gemeinderäte reichten bereits im vergangenen Mai unabhängig voneinander jeweils eine kleine Anfrage ein, mit welcher sie die Zusammenarbeit zwischen Schlieren und Uitikon bezüglich des Ortsbusses forcieren wollten. Auch der für die Ortsbus-Vorlage verantwortliche Uitiker Werkvorstand Patrik Wolf (FDP) liess an der vorberatenden Gemeindeversammlung durchsickern, dass er eine Zusammenarbeit sinnvoll findet. Einen Schritt weiter ging die SP/Grünen-Fraktion im Stadtparlament: Sie kritisierte in einer Fraktionserklärung von Ende Juni das «Nichtstun» des Werkvorstands, was dem Ruf der Stadt schade. Kunz hingegen stellte sich stets auf den Standpunkt, dass dies ein Uitiker Projekt sei und erst das Stimmvolk darüber befinden müsse.

Das Ja überrascht

«Dass die Uitiker die Bus-Verlängerung angenommen haben, überrascht mich ein wenig, zumal es grosse Investitionen in der Gemeinde stets schwierig haben», sagt Kunz heute auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. Nun, da die Würfel gefallen seien und der Bus voraussichtlich auf Ende 2017 den Betrieb zwischen Uitikon und dem Schlieremer Bahnhof mit einer Haltestelle vor dem Lilienzentrum aufnimmt, werde man detaillierte Abklärungen treffen, so Kunz. Dabei gehe es nun darum, zwei mögliche Varianten miteinander zu vergleichen: Und zwar die Erschliessung mit einem Ruftaxi oder die Anbindung des Schlieremer Bergs mit dem Uitiker Bus. Ein Postulat von Gaby Niederer (Quartierverein) vom vergangenen Juni verlangt die Prüfung von Ruftaxis als öV-Ergänzung für die Aussenquartiere. «Die Abklärungen stehen kurz vor dem Abschluss, ich rechne damit, dass wir dem Stadtrat die Ergebnisse in rund einem Monat vorlegen können», so Kunz.

Anbindung ist ein latentes Thema

Erst im vergangenen Juni verwarfen die Schlieremer Stimmberechtigten die Ortsbus-Initiative. Diese sah vor den Schlieremer Berg, das Unterrohr-Quartier und das Haus für Betagte Sandbühl in drei Schlaufen mit dem Bahnhof zu verbinden. Neben den Ausbaukosten für die Testphase von 415 000 Franken wären jährliche Betriebskosten von 1,15 Millionen Franken hinzugekommen. Zu teuer für die Bevölkerung, welche die Vorlage mit 55 Prozent Nein-Stimmen bachab schickte. Das Bedürfnis nach einer besseren öV-Anbindung von Aussenquartieren blieb aber auf der Pendenzenliste der Exekutive, wie Stadtpräsident Toni Brühlmann-Jecklin wie auch Kunz im Nachzug zum Urnengang gegenüber dieser Zeitung sagten.

Obwohl Kunz derzeit mit Abklärungen für ein Ruftaxi beschäftigt ist, möchte er mit Uitikon in einen Dialog treten. Allfällige Vorteile einer Zusammenarbeit liegen für ihn auf der Hand. Beide Gemeinden würden weniger für den Bus-Testbetrieb zahlen, als wenn sie alleine dafür aufkommen müssten.

Die Höhe der möglichen Kosten könnte in Schlieren hingegen einen erneuten Volksentscheid notwendig machen. «Mit dem womöglich nötigen Bau eines Wendeplatzes auf dem Schlieremer Berg und der Erstellung einer Haltestelle vor dem SBB-Tunnel an der Uitikonerstrasse ist man schnell bei sehr hohen Investitionskosten», so Kunz. Dies gelte es aber nun seriös abzuklären.