Grippeimfpung
Nach einer Stunde waren alle 50 Dosen weg: «Impfstoffe sind zurzeit ein rares Gut»

Die kostenlose Grippe-Impfaktion, welche die Gemeinde Oetwil zusammen mit dem Spital Limmattal durchführte, fand grossen Anklang.

Céline Geneviève Sallustio
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Céline Geneviève Sallustio

«Es kann sein, dass in den nächsten Tagen Grippesymptome auftreten», klärt Hygieneexpertin Nathalie Cerina ihrem Patienten Theo Hürzeler auf, der gerade eine Grippeimpfung erhalten hat. Für den 82-jährigen Oetwiler ist es die erste dieses Jahr. «Nach unserem 60. Geburtstag haben meine Frau und ich entschieden, uns jedes Jahr gegen die Grippe impfen zu lassen.» Seither sei das Ehepaar nie mehr von einer harten Grippe heimgesucht worden.

Dieses Jahr fand Hürzelers jährliche Grippeimpfung jedoch nicht wie üblich beim Hausarzt statt, sondern im Gemeindespycher in Oetwil. In Zusammenarbeit mit dem Spital Limmattal organisierte die Gemeinde vergangenen Samstag eine kostenlose Impfaktion. Der Oetwiler Sicherheits- und Gesundheitsvorstand Matthias Zehnder führte den Anlass durch.

Eigentlich waren vier Stunden vorgesehen

Vorgesehen war ein Zeitfenster von vier Stunden zwischen 10 bis 14 Uhr. Doch bereits nach einer Stunde musste Zehnder Einzelpersonen und Familien wieder nach Hause schicken, weil alle Impfdosen bereits aufgebraucht waren.

Die 46-jährige Ursula Saxer hatte Glück: Sie kam genau rechtzeitig, um sich die letzte Impfung injizieren zu lassen. Für sie war es die erste Grippeimpfung überhaupt. «Auf der Gemeinde habe ich einen Fragebogen zur Empfehlung der Grippeimpfung ausgefüllt. Das Ergebnis war eindeutig, deshalb bin ich heute Morgen hier.»

Die Impfaktion war ein Pilotprojekt. Im Sommer bestellte Zehnder 50 Impfdosen. Erst in den letzten drei Wochen hätten Medien dafür plädiert, sich dieses Jahr gegen die Grippe impfen zu lassen. Eine zweite Impfstoff- Lieferung sei aufgrund der kurzfristigen Nachfrage nicht möglich gewesen. «Impfstoffe sind zurzeit ein rares Gut.»

Schon 40 Leute standen vor Beginn an

Zehnder ist sich sicher, dass die Corona pandemie Grund für die hohe Nachfrage ist. Bereits eine Viertelstunde vor Anlassbeginn seien 40 Leute in einer Reihe vor dem Gemeindespycher gestanden. Da die Patienten und Patientinnen draussen warteten, konnten die Hygienevorschriften gut eingehalten werden. «Für die nächste Impfaktion werden wir mehr Impfstoff bestellen», so Zehnder.

Grosse Nachfrage auch bei Gesundheitspersonal

Auch die zwei Hygieneexpertinnen des Spital Limmattals, die sich freiwillig für den kostenlosen Impfanlass zur Verfügung stellten, waren über den reibungslosen und raschen Verlauf der Impfaktion erstaunt. «Die Patienten waren völlig selbstständig und hatten keine Fragen», sagte Gejlan Müller, während sie Stuhl und Tisch desinfizierte.

Die grosse Nachfrage nach Grippeimpfungen sei auch im Spital Limmattal festzustellen. «Nicht nur Patientinnen lassen sich mehr impfen – auch das Gesundheitspersonal ist vorsichtiger», sagte die 35-Jährige.

Die Grippeimpfzeit dauert bis zum Beginn der Grippewelle. Diese beginnt in der Schweiz in der Regel nicht vor Ende Dezember, meistens im Januar. Auch bei einer Grippeimpfung im Dezember bleibt laut Bundesamt für Gesundheit genügend Zeit, damit das körpereigene Immunsystem einen Impfschutz aufbauen kann.