Ein bisschen verrückt müsse man auf dieser Welt sein. So lautet eine gängige Parole, die an diesem Wochenende in Schlieren von jenen Zweierteams zu Herzen genommen wurde, die in ihren selbst gebastelten und aussergewöhnlichen Schlitten eine beleuchtete sechs Meter hohe Schneerampe hinunter rasten, um am Ende der Bahn über eine einen Meter hohe Schanze ins Ziel zu fliegen.

Wenn möglich noch vor den Strohballen, die die Grenzzone zu den jubelnden Zuschauern bildeten. Dabei schien die heile Landung sekundär zu sein im Vergleich zur Kreativität, die an den Tag gelegt wurde. So wartete etwa ein Schlitten in Form eines Fondue Caquelons auf Skiern auf die 25 Meter lange Talfahrt um Mitternacht.

Der einzigartige Crazy Slide in Schlieren ging in diesem Jahr nach mehrjähriger Pause anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Schneebarparty erneut über die Bühne.

Unter den waghalsigen Schlittenpiloten waren drei junge Freunde aus Geroldswil. «Logo bin ich seit Jahren dabei», erzählte Valentino Widmer, der bereits zum zweiten Mal an einem Schlittencontest teilnahm.

Rund achtzig Stunden und mehrere hundert Franken Materialkosten investierten sie in ihren Wohnwagen, den sie in Anlehnung an die US-amerikanische Fernsehserie «Breaking Bad» gebaut hatten. «Die Idee war schnell da, die Umsetzung war wesentlich schwieriger», sagte der 24-jährige Oliver Korn. Am Samstagabend nahm der Dritte im Bunde, Michell Klein, in einem deutlich mitgenommenen Gefährt Platz.

«Wir waren schlicht zu schnell unterwegs», äusserte sich Korn zum kleinen Crash in der Nacht zuvor. Nach einer Stunde Werken und Flicken stand der Fleetwood-Bounderwagen auf den alten Snowboards für den zweiten Lauf wieder im Einsatz.

Etwas mehr Glück während der Abfahrt hatten die beiden Männer des Junggesellenvereins Urdorf: «Wir haben gestern überlebt», sagte lachend Vereinspräsident Stefan Isenschmid, der zusammen mit Fabian Ruff im Fondueschlitten sass. «Dieses verrückte Erlebnis macht das besondere Feeling der Party aus.

In den letzten Jahren war es einfach eine normale Feier, genauer eine Schneebar ohne Schnee», sagte Vereinsmitglied Roland Rühli. Er war sich mit Organisator Stephan Bernet einig: «Der Crazy Slide muss wieder fester Bestandteil der Schneebar werden», sagte er kurz vor dem Spektakel.

Unermüdlich fuhr Marco Stocker, der Fahrer im Shuttlebus, vom Eingang der Party zum Bahnhof Schlieren, und jedes Mal warteten weitere Leute, die sich die Winterparty nicht entgehen lassen wollten.

«Am Freitag war um sechs Uhr in der Früh Feierabend», sagte er. Der Crazy Slide sei ja der Ursprung des Festes, und immerhin sei es in diesem Jahr genügend kalt. In der Tat sank das Thermometer knapp unter null Grad. Unter den Partygängern war auch der 22-jährige Nicola Steiner aus Schwamendingen.

Sein Vater sei die letzten Jahre immer dabei gewesen und habe von der Veranstaltung erzählt. Pascal Meier aus Dietikon versprach sich von der Party «sehr viel Action und sehr viel Fun» und dürfte damit auf seine Kosten gekommen sein.

Streetfoodstände, Raclettestuben und ein Zelt mit einer riesigen Discokugel an der Decke liessen die Partylaune steigen. Auf einer grossen Leinwand waren Fotos der vergangenen Schneebarfeste zu sehen. Die fröhlichen Gesichter und heiteren Bilder schienen eine Antwort darauf zu sein, weshalb das Konzept seit zwanzig Jahren funktioniert.