Die Probleme mit den Besitzverhältnissen begannen schon dort, wo es nur um die Himmelsrichtungen geht. Während die eine Seite von östlich und westlich spricht, differenziert die andere zwischen nördlich und südlich. Simpler ausgedrückt: die Migros-Hälfte gehört der Stadt, die Lidl-Hälfte dem Gebietsentwickler, der Zürcher Halter AG – so weit der Stand der Dinge bis vor kurzem. Doch nun kommt Bewegung in die verzwickte Eigentums- und Haftungsfrage rund um den Rapidplatz. Denn die frühere Besitzerin des gesamten Areals, die dem Platz auch ihren Namen gegeben hat, die Rapid AG, hat den umstrittenen Teil des Rapidplatzes (Lidl-Hälfte) Ende August wieder zurückgenommen. Der Rapid-Firmensitz liegt inzwischen in Killwangen.

Zur Vorgeschichte: Die Halter AG hatte den Platz im Zuge der Bebauung des Limmatfeldes im Auftrag der Stadt erstellt. Nach Ende der Bauarbeiten sollte er von der Stadt übernommen werden. Was bei der Migros-Hälfte vollzogen wurde, misslang bei der anderen. Der Grund: Mit der Übernahme hätte die Stadt auf Wunsch von Halter auch das Altlasten-Risiko übernehmen sollen. Dieses Risiko aber wollte sie nicht tragen. Es handelt sich um eine Restbelastung durch chlorierte Kohlenwasserstoffe. Nach der Einschätzung des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) im 2015 sei ein Sanierungsfall zwar eher unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

Um die Sache endgültig in ihrem Sinne zu klären, zog die Halter AG vors Verwaltungsgericht – und unterlag. Die Klage wurde vollumfänglich abgewiesen. Im Nachgang wurden der Halter AG nicht nur die Gerichtskosten aufgebrummt, sie musste der Stadt auch noch eine Parteientschädigung leisten.

Nun lag der Ball im Feld der Stadt. Nach dem Gerichtsentscheid von Anfang 2016 meinte Stadtpräsident Otto Müller gegenüber der Limmattaler Zeitung, dass die Vertragsverhandlungen mit Halter bald wieder aufgenommen würden. Ziel sei der Abschluss eines Vertrags, der dem Gerichtsurteil entspreche. Heisst: eine Abtretung der Platzhälfte ohne Sanierungsrisiko für die Stadt.

Doch dann die Wende. Da es zwischen Halter und der Stadt zu keiner Einigung gekommen sei, habe Halter das Gespräch mit der ursprünglichen Grundeigentümerin Rapid gesucht, sagt Nik Grubenmann, Projektleiter Kommunikation bei Halter. «Gemeinsam wurde vereinbart, dass Rapid künftig das Gespräch mit der Stadt suchen wird, um die vertraglich vereinbarte Übernahme des Platzes durch die Stadt zu vollziehen.» Infolgedessen werde der betreffende Teilbereich des Rapidplatzes von der ursprünglichen Eigentümerin, also Rapid, übernommen. «Wir sind zuversichtlich, dass mit dieser neuen Ausgangslage, die Basis geschaffen ist, dass auch der nördliche Teil des Platzes an die öffentliche Hand übergeben werden kann», so Grubenmann.

«Dann behalten wir den Platz»

Rolf Schaffner, der CEO der Rapid Gruppe, bestätigt, dass Rapid Ende August den fraglichen Teil des Platzes «zurückgenommen» habe. Die Frage, ob Rapid das Areal zurückgekauft hat, bejaht er. Zur Frage, ob Geld an Halter geflossen sei, möchte er sich nicht äussern. Es habe eine Abmachung zwischen Rapid und Halter gegeben, dass das Areal an Rapid zurückgehe, wenn gewisse Bedingungen nicht eingehalten würden, wozu auch die geplante Übernahme durch die Stadt gehört.

Das Ziel ist laut Schaffner nach wie vor, dass die Stadt den Platz übernimmt. Darin stimmt er mit der Stadt überein. Stadtpräsident Otto Müller: «Die Stadt ist an einer Übernahme dann interessiert, wenn sie das Risiko der Altlastensanierung nicht tragen muss.» Schaffner versichert, dass dieses Risiko sehr gering sei. Die Rapid-Hälfte werde, weil laut Awel überwachungspflichtig, nach wie vor kontrolliert. «Die Werte haben sich sehr positiv entwickelt und liegen deutlich unter den Werten, die eine Sanierung verlangen würden. Es gibt keine Gefährdung der Umwelt», so Schaffner.

Der Altlasten-Verursacher sei ohne Frage Rapid, damit trage derzeit auch Rapid dieses Risiko. Schaffner: «Wenn die Stadt den Teil nicht übernehmen will, dann behalten wir ihn.» Die Stadt hat das Recht aufgrund einer Dienstbarkeit den Platz zu nutzen. Auf die Haftungsfrage angesprochen, wenn also etwa ein Unfall auf dem Platz passieren würde, meint er, dass zu überlegen wäre, «unseren Teil des Platzes einzuzäunen.» Um das zu verhindern werde Rapid mit der Stadt Kontakt aufnehmen und dies regeln.