Ein unbeschreibliches Gefühl sei es gewesen, als Anika Oeschger Anfang Oktober mit ihren Eltern zum Orell Füssli in der Zürcher Innenstadt pilgerte und ihr Erstlingswerk «E.J. und das Drachenmal» in den Regalen des Buchladens erblickte. «Es war gleich neben ‹Die Tribute von Panem› platziert. Das freute mich sehr», sagt die 17-jährige Gymnasiastin der Kantonsschule Limmattal.

Der Fantasyroman handelt von Emilia Jane – die Protagonistin bevorzugt jedoch die Nennung ihrer Initialen E. J. –, die sich mit alltäglichen Teenager-Problemen herumschlägt. Mit ihren Eltern lebt sie in der Nähe von Zürich und besucht die Internationale Schule, da sie aus Schottland in die Schweiz gezogen ist. Veränderungen an ihrem Körper besorgen die junge Frau mehr und mehr. Blaue Ausflüsse und Hitzewallungen, die gar Brandspuren auf dem Bettlacken hinterlassen, machen ihr ebenso zu schaffen wie ein Ausschlag, der sich auf ihrem ganzen Körper ausbreitet. Übrig bleibt ein Mal auf ihrem Arm, das, wie sie von ihrer Grossmutter erfährt, Drachenmal genannt wird und seinen Trägerinnen ungeahnte Kräfte verleiht. «E. J. merkt, dass sie Macht über die Elemente hat. Sie kann mit ihren mentalen Kräften Kerzen anzünden, durch Wind Gegenstände bewegen und auf Holzstühlen ein Blumenmeer wachsen lassen», so Oeschger.

Die junge Urdorferin Anika Oeschger präsentiert ihr Buch: Verschiedene Lesungen sind bereits in Planung.

Die junge Urdorferin Anika Oeschger präsentiert ihr Buch: Verschiedene Lesungen sind bereits in Planung.

Zu schreiben begonnen hat Anika Oeschger vor drei Jahren. «Ich bin gern draussen. Die Geräusche und Farben, die man im Wald wahrnimmt, haben mich zu diesem Buch inspiriert», erklärt die Autorin. So begann sie ihre Ideen niederzuschreiben. Teenager-Fantasy wählte sie, weil sie Bücher dieses Genres gerne selber liest und weil sie selber in genau dieser Phase ihres Lebens steckt: «Wer könnte besser ein Buch über die Sorgen und Probleme eines jungen Menschen schreiben als ein junger Mensch selbst?», fragt sie rhetorisch. Oeschger macht keinen Hehl daraus, dass sich zwischen ihr und der Protagonistin E. J. viele Parallelen finden lassen. «In jedem Buch ist sehr viel vom Autor enthalten. Anders geht es nicht.»

Im Rahmen einer Projektarbeit an der Sekundarschule vor zwei Jahren stellte sie den Roman fertig, liess ihr Werk in Buchform binden und bot es online zum Verkauf an. Der Basler Riverfield Verlag wurde auf das Buch aufmerksam und fragte Oeschger an, ob sie ihr Werk überarbeiten und veröffentlichen wolle. Sie sagte sofort zu.

Nun sollte eine anstrengende Zeit des Schreibens beginnen. «Aus den ursprünglich rund 90 Word-Seiten wurden schliesslich 180», so Oeschger. In der gebundenen Endfassung spannt sich die Geschichte gar über 300 Seiten. Das Verfeinern der Handlung und der Charaktere sei sehr interessant gewesen, denn «die Anregungen vom Verlag haben die Geschichte enorm weitergebracht.»

Während rund drei Monaten arbeitete Oeschger jeweils abends für rund vier Stunden – an zwei bis sechs Tagen die Woche. Für Oeschger ein zeitintensives Projekt neben der Kantonsschule, dem Tanzsport sowie dem Klavierunterricht, den sie seit zwölf Jahren besucht.

Nach dem Lektorieren stand das fertige Produkt in der letzten Woche der Sommerferien, bevor es Anfang Oktober in den Regalen von Thalia und Orell Füssli stand. Eine Verschnaufpause war ihr nicht vergönnt, denn kurz darauf konnte sie ihr Buch an der Frankfurter Buchmesse präsentieren. Einige Lesungen in der Schweiz sind bereits geplant. Oeschger hofft aber, noch mehr Gelegenheit zu erhalten, die Menschen auf ihr Buch aufmerksam zu machen.

Kritik nicht persönlich nehmen

Auf Internet-Plattformen wurde «E. J. und das Drachenmal» bereits diskutiert. Auffallendes Lob findet dabei die detailgetreue und lebhafte Sprache. «Negative Stimmen bemängelten, dass im Buch ein paar logische Fehler enthalten sind», sagt sie. Diese Kritik könne sie durchaus nachvollziehen und nehme sie nicht persönlich. «Viel eher werde ich, falls sich ein nächstes Buch ergibt, an gewissen Stellen genauer hinsehen.» Notizen zu verschiedenen Handlungssträngen, die in einem Folgeroman zur Anwendung kommen könnten, macht sie sich bereits.

Ihre Zukunft sieht Oeschger nicht in der schreibenden Zunft: «Bis zur Matura geht es noch zwei Jahre, danach möchte ich erst arbeiten und Geld für ein Auslandjahr sparen», so die Jungautorin. Danach könne sie sich zum Beispiel ein Studium im Multimedia Design an der Zürcher Hochschule der Künste vorstellen: «Noch ist aber nichts definitiv.»

E.J. und das Drachenmal, Anika Oeschger, 304 Seiten. 27.90 Franken.