Einen Tag nach der Rückkehr aus Japan, wo Alina Pätz mit ihrem Team Regio Baden vergangene Woche das letzte Turnier des Jahres bestritten hat, sitzt die abgeklärte Urdorferin schon wieder im Büro. Genau wie damals im März, kurz nachdem sie ihr Team im japanischen Sapporo als Skip zum überragenden Titel an der Curling-Weltmeisterschaft der Damen geführt hatte.

«So gesehen hat bei mir mit dem Weltmeistertitel kein neues Leben begonnen: Ich arbeite, studiere und trainiere wie zuvor», sagt Pätz und korrigiert sogleich: «Vielleicht trainieren wir sogar noch ein wenig mehr.»

Pätz will sich schliesslich von ihrer besten Seite zeigen, wenn sie nächsten März als Titelverteidigerin an die WM nach Kanada fährt. Doch die 25-Jährige bleibt bescheiden: «Natürlich wünschen wir uns die Titelverteidigung, doch unser erstes Ziel ist, die erste Runde zu überstehen und uns für die Playoffs zu qualifizieren.»

Der Titel öffnet Türen

Auch auf dem Eis hat sich nicht viel verändert. «Die meisten unserer Mitspielerinnen haben gleich grosse oder sogar noch grössere Erfolge erzielt», sagt Pätz, «die beeindruckt das nicht.» Allerdings habe der Titel ihr und ihrem Team bereits einige Türen geöffnet.

«An das Turnier in Japan und dasjenige in Las Vegas im Januar wären wir ohne Titel wohl nicht eingeladen worden.» Es sei übrigens sehr schön gewesen, nach Japan, an den Ort des Geschehens, zurückzukehren. «Mir gefällt dieses Land sehr, die Leute und die Kultur sind toll», schwärmt die Urdorferin. Und natürlich verbinde sie seit letztem März auch sehr viele gute Erinnerungen mit dem Land.

Der Rummel um ihre Person habe sich vor allem auf die Zeit kurz nach der Weltmeisterschaft konzentriert. «Seither ist es wieder ruhiger geworden», sagt Pätz und klingt, als würde sie das auch ein wenig bedauern. «Ich habe die Aufmerksamkeit genossen und nie als mühsam empfunden. Schliesslich war es schön, für die harte Arbeit belohnt zu werden.»

Noch keine Zeit für Ferien

Nach dem WM-Titel erhielt Pätz von der Gemeinde Urdorf bei einer kleinen Ehrung einige Reisegutscheine geschenkt. «Leider hatte ich bisher keine Zeit, sie einzulösen – aber die kommt dann schon noch», so Pätz.

Nach den vielen Turnieren im Ausland geniesse sie es, wieder etwas Zeit zu Hause in Urdorf verbringen zu können. Auch die Festtage und Neujahr verbringt sie hier mit ihrer Familie. «Ich geniesse es sehr, nach Japan etwas runterzukommen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen.»

Dass Pätz noch nicht dazu gekommen ist, sich Ferien zu gönnen, überrascht nicht. Oft wird sie als ehrgeizig und fleissig beschrieben. Und weil Curling noch immer eine Randsportart ist, komme sie nicht darum herum, einer normalen Berufstätigkeit nachzugehen.

Pätz arbeitet in einem 60-Prozent-Pensum bei einer Agentur in Baar, die Athleten berät. Daneben absolviert sie auch noch ein Studium in Sportmanagement in Magglingen. Der WM-Titel, für den es kein Preisgeld gab und der auch nicht unmittelbar zu neuen Verträgen mit Sponsoren geführt hat, habe an dieser Situation nichts geändert.

Auch mit dem Rest des Sportjahrs sei sie «auf jeden Fall zufrieden», meint Pätz. «Einzig die EM ist uns nicht geglückt.» Wenn man sich die sonstigen Leistungen ihres Teams in diesem Jahr anschaue, gehe das aber völlig in Ordnung.

Im neuen Jahr freue sie sich vor allem auf die Schweizer Meisterschaft, zuerst aber auf das Turnier in Las Vegas, so Pätz. «Es ist nicht selbstverständlich, dass wir bei solchen Turnieren dabei sind. Darum geniessen wir das sehr.»