Schlieren
Nach dem Nein zum Skatepark: Wo sollen die Jugendlichen hin?

Mit dem Nein zum Skatepark in Schlieren stellt sich die Frage, ob es Alternativen gibt - und wie sie aussehen könnten.

Alex Rudolf
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KEYSTONE

Anfang Woche versenkte der Schlieremer Gemeinderat den Skatepark im Zelgliquartier. In einem Stichentscheid verweigerte das Parlament einen Zusatzkredit von 231 000 Franken für das Projekt, nachdem der sechs Jahre andauerende Streit mit den Anwohnern es verteuert hatten. Eines war den Schlieremer Gemeinderäten, egal ob linker oder rechter Couleur, jedoch klar: Die Jugend braucht einen Ort zum Verweilen, Sporttreiben, Freunde treffen. Während Lucas Arnet (FDP) jedoch dafür plädierte, das Geld in ein «sinnvolles Projekt» zu stecken, war für den Quartierverein klar, dass es den Skatepark trotz grosser Abstriche im Nachzug der Rekurse von Anrainern braucht.

Wie eine Alternative zum Skatepark auszusehen hat, weiss wohl am besten, wer die Schlieremer Jugend kennt: «Das Problem ist, dass die Jungen hier an den meisten Orten geduldet sind, aber nirgends erwünscht», sagt Christoph Hak, Leiter der Schlieremer Jugendarbeit. Dies zeige auch der Widerstand der Anwohner gegen das Skatepark-Projekt. «Man will den Jungen zwar Freiräume geben, aber nicht bei sich in der Nachbarschaft.» Er weiss, dass Teenager ihre Freizeit an unterschiedlichen Orten zubringen. So sei der Jugendtreff derzeit gut besucht, aber auch Schulhöfe und die schulischen Sportanlagen seien beliebt. «Jene, die bereits eine Lehre begonnen haben, orientieren sich in der Regel vermehrt nach Zürich», sagt er.

Optimal wäre aus Haks Sicht eine Art «Spielplatz für Jugendliche». Wie dieser ausgestaltet sein sollte, sei dem Zeitgeist untergeordnet. Ob der Skatepark die richtige Variante war, sei aus seiner Sicht offen. «Meistens reicht es jedoch aus, an einem Ort, wo es auch lauter zu und hergehen darf, einen Basketball-Korb aufzustellen. Beliebtes Beispiel sei etwa der neue Pfingstweid-Park in Zürich-West. Dort würden sich Skater ebenso wohl fühlen, wie Menschen, die lediglich verweilen wollen.

Kein Lärm in Oberengstringen

Schlierens Nachbar Oberengstringen verfügt über einen Skatepark direkt bei der Sportanlage Brunewiis. «Dieser wird sehr gut genutzt von kleinen Kindern bis hin zu Teenagern», wie die Jugendbeauftragte der Gemeinde, Sandra Jenny, auf Anfrage sagt. Heute würde man nicht mehr darauf verzichten wollen. Auch sei es vor Jahren letztmals zu Lärmklagen aus der Nachbarschaft gekommen, sagt sie. «Die Jugendlichen halten sich normalerweise daran, dass um 22 Uhr Ruhe herrschen muss.» Doch hätten auch in Oberengstringen die Jugendlichen das Bedürfnis nach mehr Raum, obschon sie grundsätzlich auf allen öffentlichen Plätzen willkommen geheissen würden. Ihre Freizeit bringen sie – nebst dem Jugendtreff – auf öffentlichen Plätzen oder Schulanlagen zu. Während der Sommermonate sei es – wie bei den Erwachsenen auch – sehr beliebt, sich an der Limmat oder in der Badi zu treffen.

Trotz vielen Anwohnern sei es auch bei der Dietiker Skateranlage Kirchhalde in den vergangenen Jahren noch zu keiner Lärmklage gekommen, wie der Dietiker Leiter Jugend und Freizeit, Armin Strässle, sagt. Auch sie würde je nach Wetterlage rege genutzt. Jugendliche würden sich ihre Treffpunkte im öffentlichen Raum selber aussuchen. Derzeit stünden der Rollschuhplatz unter der Autobahn oder etwa Plätze bei den Schulhäusern hoch im Kurs. Was in Dietikon jedoch fehlen würde, sei ein Ort, an dem die Jungen ungestört laut sein dürfen. Sei es in Form von Partyräumen oder aber als Proberäume für Bands.

Die angefragten Gemeinden weisen also alle ein ähnliches Bild auf: Jugendliche verbringen ihre Freizeit gern auf Schulanlagen oder Spielplätzen. Auch wenn Oberengstringen und Dietikon nicht auf ihre Anlagen verzichten möchten, braucht es denn wirklich auch in Schlieren einen Skatepark? Christoph Hak relativiert: «Schulanlagen und Spielplätze sind keine Räume, die ausserhalb der Unterrichtszeit explizit für Jugendliche gedacht sind.» So könnten sich diese derzeit zwar ungestört dort aufhalten, doch was die Zukunft bringe, wisse niemand.

Standort wäre perfekt gewesen

Dass in Schlieren Handlungsbedarf besteht, darüber ist sich der Stadtrat im Klaren. Stefano Kunz, Schlieremer Werkvorstand und für das Skatepark-Dossier verantwortlich, mache sich schon seit längerem Gedanken darüber, was den Jungen geboten werden könnte. «Ziel ist es, jene Jugendlichen anzusprechen, die nicht in einem Verein aktiv sind und daher eine Alternative brauchen», sagt er. Weil der Standort neben dem Sportplatz Zelgli perfekt gewesen wäre, findet er es auch sehr schade, dass das Parlament den Zusatzkredit nicht gesprochen hat. «Nun wird in absehbarer Zeit auf diesem Areal sicherlich nichts geplant», sagt er. Der Widerstand der Anwohner sei schlichtweg zu gross gewesen. Viel eher könne er sich ein Angebot in der Nähe der Limmatufer, am Waldrand oder im Wald vorstellen, wo es nur wenige Anwohner hat, die sich an Lärmemission stören könnten.

Aus Jennys Sicht ist dies nicht optimal: «Die Jungen wollen auch dazugehören und nicht an den Rand gedrängt werden», sagt sie. Stelle man ihnen abgelegene Plätze zur Verfügung, bestehe die Gefahr, dass diese dann kurzerhand nicht genutzt würden.

«Wenn dieser Skatepark tatsächlich so dringend gebraucht wird», merkte Arnet in der Ratsdebatte vom Montag an, «wo sind dann die Jugendlichen, die sich dafür einsetzen wollen?» und zeigte auf die Zuschauertribüne auf der Rückseite des Salmensaals. Dort fanden sich lediglich Interessierte fortgeschrittenen Alters ein.

Causa Skatepark

Am vergangenen Montag schickte das Schlieremer Parlament den Skaterpark im Zelgliquartier bachab. Der Stadtrat beantragte dem Gemeinderat einen Zusatzkredit in der Höhe von 231 000 Franken. Dies nachdem bereits im Jahr 2010 einer in der Höhe von 350 000 Franken gesprochen wurde. Anwohner der geplanten Anlage im Zelgliquartier rekurrierten in der Folge, eine lange Leidensgeschichte nahm ihren Anfang. Zwar einigten sich Stadt und Anwohner, sodass der Skatepark bei einem Ja des Gemeinderates hätte gebaut werden können. Doch waren die Abstriche der Ratsmehrheit zu gross. So wären die Nutzungszeiten des Parks strikt beschränkt gewesen, die Option auf eine Umzäunung hätte bestanden und ein städtischer Pikettdieanst hätte bis zwei Stunden nach Schliessung des Parks für Beschwerden der Anwohner telefonisch erreichbar sein müssen. Aus Sicht der Ratsrechten standen Kosten und Nutzen in keinem günstigen Verhältnis mehr. (aru)