«Es musste mal wieder schnell gehen. Der FC Dietikon kam spät mit seinem Antrag», sagte SP-Gemeinderat und Geschäftsprüfungskommissionsmitglied Martin Steiner gleich zu Beginn seines Votums namens der SP/AL-Fraktion. Das seien grundsätzlich schlechte Voraussetzungen, um eine fundierte und politisch breit abgestützte Entscheidung zu fällen, so Steiner weiter.

Catalina Wolf äusserte sich namens der Grünen ebenfalls irritiert: «Auch wenn es sich um einen unbestrittenen Bedarf handelt, bitte ich die Stadt und die Involvierten einmal mehr, ihre Anträge frühzeitig zu stellen, damit diese nicht in einer Hauruck-Aktion behandelt werden müssen.»

Die Irritation ging mit grosser Zustimmung einher: Das Parlament sagte einstimmig Ja zur Sanierung des Kunstrasenplatzes des FC Dietikon auf der Dornau. Der Kredit beträgt maximal 350'000 Franken. Die Kosten werden auf 410'000 Franken beziffert. Die Differenz soll mit 40'000 Franken Swisslos-Geldern und 20'000 Franken vom FCD respektive dessen Sponsoren, Gönnern und Mitgliedern finanziert werden.

Martin Christen von der CVP gab zu verstehen, dass man hoffe, dass der FC Dietikon mehr als die in Aussicht gestellten 20'000 Franken zusammenbringen werden. Im Weiteren lobte er den FC Dietikon für dessen Arbeit – genauso wie alle seine Gemeinderatskollegen, die ebenfalls ans Rednerpult getreten waren. «Der FC Dietikon leisten einen wesentlichen Beitrag an die Jugend- und Sportförderung», sagte etwa Anton Felber (SVP).

Vor der Abstimmung hielt Sven Johannsen (GLP) fest: «Im Jahr der WM kann man das nicht verwehren.» Zur Erinnerung: Die Weltmeisterschaft in Russland beginnt nächste Woche am Donnerstag. Nachdem alle Fraktionen und die Geschäftsprüfungskommission ihre Zustimmung hatten verlauten lassen, kam dann die Abstimmung, mit der der Kredit gesprochen wurde. «Der Entscheid zeigt, dass es in der Politik auch mal schnell gehen kann», hatte Martin Steiner bereits in seinem Votum vor der Abstimmung festgehalten.

Die Freude und Dankbarkeit des FC Dietikon ist gross. Der Club veröffentlichte wenige Stunden nach der Gemeinderatssitzung bereits eine Stellungnahme auf seiner Website. «Somit können schon bald die Bauarbeiten über die Sommermonate in Angriff genommen werden. Der FC Dietikon bedankt sich beim Gemeinde- und beim Stadtrat für die tolle Unterstützung. Sämtliche Fussballerinnen und Fussballer, von 5 bis weit über 70 Jahren, freuen sich schon jetzt auf das neue Spielfeld und beste Voraussetzungen, um sicher und mit viel Freude bei jedem Wetter dem Ball nachjagen zu können», teilte der FC Dietikon mit.

Vor dem Ja zum Kunstrasen hatte der Gemeinderat die Jahresrechnung 2017 genehmigt. Diese hat bekanntlich mit einem Plus von 6,4 Millionen Franken abgeschlossen. Budgetiert war ein Minus von 4,2 Millionen Franken. An der Gemeinderatssitzung gestern Abend zeigte sich Charlotte Keller (SVP) in ihrer Stellungnahme namens der Rechnungsprüfungskommission (RPK)erfreut über das positive Ergebnis. Doch sagte sie auch, dass leider nicht auf eine sorgenlose Zukunft gehofft werden könne. Es müsse investiert werden. Insbesondere erwähnte sie die Schulhäuser.

Nach 15 Minuten klemmte ihr Gemeinderatspräsidentin Esther Sonderegger (SP) das Wort ab. «Dann komme ich jetzt also zur Fraktionserklärung der SVP», sagte Keller. Sonderegger gab ihr dafür 10 Minuten Zeit. «Darf ich die beiden Zeiten zusammennehmen?», fragte Keller. Sonderegger gab ihrem Wunsch statt. So konnte Keller dann doch noch die ganze Erklärung der RPK vorlesen.

«Nicht alles vergolden»

Danach zeigte sie sich auch namens der SVP erfreut über die Rechnung. Es sei aber zu hoffen, dass sich diese auch im Steuerfuss niederschlage – dieser lag 2017 bei 129 Prozent, per 2018 sank er auf 126 Prozent. Namens der SVP betonte Keller nochmals die Wichtigkeit der Investitionen in die Schulhäuser. «Es muss aber auch dort nicht alles vergoldet werden», sagte sie abschliessend – ihre Redezeit hatte sie dann doch nicht ganz ausgereizt, es blieben noch zwei Minuten übrig.

Neben der SVP sagten auch alle anderen Fraktionen Ja zur Jahresrechnung. Namens der SP/AL-Fraktion wies Ernst Joss darauf hin, dass man einmal mehr wesentlich besser abschloss als budgetiert.

«Sparpotenzial nicht ausgeschöpft»

Kurz fasste sich Michael Segrada (FDP). Er zeigte sich namens seiner Fraktion ebenfalls grundsätzlich erfreut. Das Steuersubstrat sei aber nach wie vor zu tief. Es müssten Unternehmen angelockt werden. «Wir müssen noch vermehrt auf Standortförderung eingehen, das ist zentral für die Zukunft von Dietikon», sagte er. Christiane Ilg (EVP) wies ebenfalls auf die ausgebliebenen Investitionen hin. Für die CVP sprach Gabriele Olivieri. «Das Resultat 2017 ist als sehr gut zu bezeichnen. Trotzdem sind wir der Meinung, dass das Sparpotenzial nicht ausgeschöpft wurde. Alle Abteilungen sollten ihr Kostenbewusstsein verbessern», machte Olivieri klar.

Die allgemeine Zufriedenheit mit der Jahresrechnung zeigte sich auch in der Detailberatung: Keine einzige Frage wurde gestellt. Die Jahresrechnung wurde einstimmig angenommen.
Zum Schluss der Sitzung wurden Stadtpräsident Otto Müller (FDP), Schulpräsident Jean-Pierre Balbiani (SVP), Hochbauvorsteherin Esther Tonini (SP) und in Abwesenheit Infrastrukturvorstand Roger Brunner (SVP) verabschiedet.