Spreitenbach
Nach Blitz-Rücktritt: Weniger Lohn und Aufgaben für nächsten Gemeindepräsident

Als Folge des Blitz-Rücktritts: Die Spreitenbacher Gmeind stimmt über einen neuen Stellenbeschrieb seines Gemeindepräsidenten ab.

Claudia Laube
Merken
Drucken
Teilen
Die beiden letzten Gemeindepräsidenten Spreitenbachs: Valentin Schmid (links) war 8 Jahre im Amt, Marcel Lang nur gerade mal 22 Tage.

Die beiden letzten Gemeindepräsidenten Spreitenbachs: Valentin Schmid (links) war 8 Jahre im Amt, Marcel Lang nur gerade mal 22 Tage.

san

Nur 22 Tage nach seiner Wahl zum Gemeindepräsidenten stürzte Marcel Lang Spreitenbach in die Krise: Er trat zurück. Er, der sich zuvor bereits drei Jahre als Gemeinderat engagiert hatte, habe immer mit vollem Elan, Herzblut und Aufrichtigkeit sowie einem hohen Anspruch an eine saubere und gute Umsetzung an seinen Aufgaben gearbeitet, aber leider schmerzlich feststellen müssen, dass dies als Gemeindepräsident ausserordentlich belastend sei. Sein Rücktritt sei als Schutz seiner Gesundheit zu verstehen, teilte er mit.

Lang war bereits der dritte Gemeindepräsident in den letzten 13 Jahren. Der Gemeinderat fasste deshalb eine Reorganisation ins Auge – statt sofort eine neue Kraft zu suchen. Bisher war der Gemeindepräsident nämlich zugleich auch Verwaltungsleiter. Um ihn zu entlasten, will die Gemeinde die zusätzliche Stelle eines Verwaltungsleiters schaffen, der die operative Führung übernimmt. Neu soll sich das Oberhaupt der Gemeinde hauptsächlich auf die strategischen Aufgaben konzentrieren und Spreitenbach nach aussen repräsentieren. Das bisherige Vollzeit-Pensum würde gekürzt.

Die Gemeindeversammlung vom 15. Dezember wird das letzte Wort zur Reorganisation haben. Erst muss es der Anstellung eines Verwaltungsleiters oder einer -leiterin mit einem 100-Prozent-Pensum zustimmen. Damit soll der bisherige «Schwachpunkt» ausgemerzt werden, «dass der Verwaltungsleiter via Volkswahl zum Gemeindepräsidenten erkoren wird und kein verbindliches Anforderungsprofil vorgeschrieben werden kann», wie der Gemeinderat im Traktandenbericht schreibt. Bei einer Gemeindegrösse von mehr als 12 000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit rund 150 Gemeindeangestellten erscheine diese Form der «Rekrutierung» aber nicht mehr zeitgemäss und sachgerecht. «Aufgrund des Anforderungsprofils und der entsprechenden Kompetenzen kann der Verwaltungsleiter künftig sachgerecht eingreifen», so der Gemeinderat weiter.

Sollte die Stimmbevölkerung der Vorlage zustimmen, folgt als nächstes Traktandum das «Reglement über die Tätigkeit und Besoldung des Gemeinderates». Es müsste angepasst werden. Darin wird erst einmal eine Bandbreite von 50 bis 80 Prozent Arbeitszeit für den oder die neue Gemeindepräsidentin festgesetzt, um die weitere Entwicklung beobachten zu können. Vorerst geht der Gemeinderat aber von einem Pensum von 80 Prozent für den Gemeindepräsidenten aus, wenn er oder sie das Amt nach der Ersatzwahl im März 2021 antritt.

Mehr Lohn für die Gemeinderäte

Im Reglement, das zuletzt vor zwölf Jahren geändert wurde, sollen auch gleich die Löhne von Gemeindepräsident und Gemeinderatsmitgliedern angepasst werden. Bisher verdiente das Spreitenbacher Oberhaupt – «in der Endstellung ab Lebensalter 60» – rund 214'000 Franken bei einem Pensum von 100 Prozent. Neu würde dieser Betrag auf 200'000 Franken gesenkt, was bei einem 80-Prozent-Pensum einen Maximallohn von 160'000 Franken bedeuten würde. Während der Lohn des Gemeindepräsidenten sinkt, soll die Besoldung der Gemeinderäte steigen. Danach würde der Vizepräsident neu 37'000 Franken (statt wie bisher 34'000) und die anderen Gemeinderatsmitglieder neu 32'000 Franken (bisher 29'000) im Jahr erhalten. «Bei einem effektiven Stundenaufwand im Umfang von 20 bis 30 Stellenprozenten ist diese Erhöhung angezeigt, um der Wichtigkeit der Ämter gerecht zu werden und um diese Funktionen einigermassen attraktiv zu behalten», begründet der Gemeinderat diesen Antrag. Die neuen Beträge sollen ab der nächsten Legislaturperiode 2022 gelten.

Im Rahmen eines Vernehmlassungsverfahrens hatte der Gemeinderat die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission sowie die Ortsparteien mit an Bord geholt, um ihre Meinungen zur Reorganisation abzuholen. «Das hat gezeigt, dass das vorgeschlagene Modell grossmehrheitlich unterstützt wird», sagt Gemeindeschreiber Jürg Müller. Auch die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien positiv ausgefallen.