Dietikon

Nach Bezirksrat-Entscheid: Jeder Schulweg ist ein Einzelfall

Auf städtischem Gebiet gilt ein Schulweg unter bestimmten Verkehrsbedingungen auch dann als Kindergärtlern nicht zumutbar, wenn er weniger als 1,4 Kilometer lang ist.

Auf städtischem Gebiet gilt ein Schulweg unter bestimmten Verkehrsbedingungen auch dann als Kindergärtlern nicht zumutbar, wenn er weniger als 1,4 Kilometer lang ist.

Die Zuteilung von Kindern in einen Kindergarten oder ein Schulhaus führt immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten. Eine Faustregel des Kantons legt fest, welche Distanzen zumutbar sind — es zählen aber auch andere Faktoren.

Aktuell sorgt in Dietikon ein Fall für Aufsehen, bei dem fünf Elternpaare erfolgreich gegen die Kindergarteneinteilung rekurrierten, weil sie den Schulweg für ihre Kinder als zu gefährlich erachteten. Die Schulpflege muss die Vier- bis Fünfjährigen nun in einem näher bei ihrem Wohnquartier gelegenen Kindergarten unterbringen. Dies, weil der Bezirksrat entschied, dass die Schulwege zu den ihnen zugeteilten Kindergärten aufgrund der Verkehrsverhältnisse «nicht zumutbar» seien.

Für Diskussionen sorgt in solchen Konflikten die Frage, wie lange ein Schulweg für ein Kind im Kindergartenalter sein darf und welche verkehrsbedingten Gefahren ihm zugemutet werden können. Die Volksschulverordnung des Kantons enthält entsprechende Regelungen.

Obergrenze ist 1,4 Kilometer

Betreffend der Länge hat das Volksschulamt eine Faustregel festgelegt, wie Urs Meier, der stellvertretende Amtschef, auf Anfrage mitteilt: «Diese besagt, dass für Kindergartenkinder ein Schulweg von 1 bis 1,2 Kilometer zumutbar ist.» In einem Entscheid vom Dezember 2011 hat ausserdem das kantonale Verwaltungsgericht festgehalten, dass ein 1,2 bis 1,4 Kilometer langer Weg ohne zusätzliche Erschwernisse die obere Grenze des Zumutbaren darstelle. In weiteren Urteilen setzte das Gericht fest, dass für Primarschüler ein Schulweg von 2 Kilometern ohne weiteres zulässig, 2,9 Kilometer hingegen zu weit seien. Ein Schulweg von 1,1 Kilometern, wie er etwa in einem der fünf Dietiker Fälle gemessen wurde, wäre einem Kindergärtler demnach zumutbar.

Laut Meier sind für die Beurteilung eines Schulwegs neben der Distanz das Alter und die Entwicklung eines Kindes wichtige Kriterien. «Die Gefährlichkeit hängt aber von den örtlichen Verhältnissen ab», so Meier. So könne in einer Stadt etwa ein Schulweg von weniger als einem Kilometer nicht zumutbar sein, weil das Kind stark frequentierte Strassen überqueren muss. Auf dem Land könnten hingegen längere Schulwege zumutbar sein, weil sie durch verkehrsarme Quartiere führen, erklärt er.

Gemäss den gesetzlichen Bestimmungen liegt die Verantwortung für den Schulweg bei den Eltern. Das heisst, sie sind für das korrekte Verhalten ihres Kindes auf dem Schulweg verantwortlich. Für die Sicherheit und die Zuteilung zu einem Schulhaus oder Kindergarten sind hingegen die Gemeinden zuständig.

Eltern sollen mit Kindern üben

Kinder sollten ihren Schulweg nach einer gewissen Eingewöhnungszeit mit Begleitung durch die Eltern alleine zurücklegen können. Wenn das auch nach zwei bis drei Monaten nicht möglich ist — etwa aufgrund der Reife des Kindes, fehlenden Kompetenzen oder einer Behinderung —, muss die Gemeinde entsprechende Massnahmen ergreifen. Dazu gehören etwa Fussgängerüberführungen oder Lotsendienste. Bei Unsicherheiten können Gemeinden sich laut Meier von Fachstellen und Verkehrsinstruktoren der Kapo beraten lassen.

Sind Eltern mit einer Schulzuteilung wegen des Schulwegs nicht einverstanden, haben sie die Möglichkeit, solche Massnahmen einzufordern oder bei der Schulpflege ein Gesuch um Umteilung zu stellen. Kann man sich nicht auf eine Lösung einigen, so bleibt den Eltern die Möglichkeit, einen Rekurs beim Bezirksrat einzureichen, wie dies in Dietikon geschehen ist.

Schulpflegen teilen Kinder derweil nicht nur wegen des Schulwegs einem bestimmten Schulhaus oder Kindergarten zu. Weitere Kriterien sind die in der Volksschulverordnung festgelegten maximalen Klassengrössen und eine «ausgewogene Klassenzusammensetzung», wie etwa die Dietiker Schulverwaltung auf ihrer Website schreibt.

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