Bezirk Dietikon

Nach Bern ist es nicht weit, aber anstrengend

Dietiker Nationalratskandidaten Rosmarie Joss, Dominik Tiedt und Josef Wiederkehr

Dietiker Nationalratskandidaten Rosmarie Joss, Dominik Tiedt und Josef Wiederkehr

Drei Limmattaler Nationalratskandidaten aus dem Bezirk Dietikon erklären, wie sie ihren persönlichen Wahlkampf erlebt haben. Intensiv und anstrengend war es. Dennoch möchte keiner der Kandidaten die Erfahrung missen.

«Anstrengend» – Rosmarie Joss braucht nicht viele Worte, um den zurückliegenden Nationalratswahlkampf zu umschreiben. Die SP-Kantonsrätin stieg auf dem 10. Listenplatz für die Sozialdemokraten ins Rennen um einen Platz im Bundeshaus. In der Endabrechnung landete sie auf Platz 11 – zu wenig für einen Sitz in der grossen Kammer. Dennoch ist die Doktorandin für physikalische Chemie mit dem Resultat zufrieden. «Es liegt im grünen Bereich. Dafür, dass ich einen Rang verloren habe, habe ich noch nie so viele Gratulationen dafür erhalten», sagt sie.

Obschon ihr der Gang nach Bern verwehrt bleibt, bereut es Joss nicht, sich dem anstrengenden Wahlkampf – nach eigenen Angaben hat er deutlich weniger als 10000 Franken gekostet – gestellt zu haben. «Sollte ich vier Jahren wieder auf die Idee kommen, für den Nationalrat zu kandidieren, dann war dieser Wahlkampf eine gute Voraussetzung», erklärt sie. Man sei viel auf der Strasse, treffe jede Menge Leute und nehme an interessanten Podiumsdiskussionen teil. «Das braucht natürlich viel Zeit. Man muss sich organisieren, damit man ganz alltägliche Dinge nicht zu sehr vernachlässigt. Dennoch macht es auch Spass», so Joss. So sei beispielsweise nach einer Diskussionsrunde in einer Berufsschule ein Schüler auf sie zugekommen, um mit ihr das Gespräch zu suchen. «Er hat mir gesagt, dass er sich schon lange überlegt habe politisch aktiv zu werden. Jetzt wisse er, dass er sich in der Juso engagieren werde», erzählt Joss.

«Aufwand hat sich gelohnt»

Ein anderes Highlight sei ein Podiumsauftritt mit den beiden Limmattaler Kandidaten Josef Wiederkehr (CVP) und Hans Egloff (SVP) gewesen. «Nach der Diskussion haben mir sogar Leute aus dem anderen politischen Lager zu meinem Auftritt gratuliert», sagt Joss. Überhaupt seien die vielen Kontakte mit den Leuten etwas Besonderes in einem solchen Wahlkampf. Dennoch sei sie froh, dass es nun vorüber sei. An Ferien sei aber nicht zu denken. «Im Kantonsrat sind wir mitten in der Budgetierungsphase. Es tut gut, wieder mehr Sachpolitik zu betreiben. Ein Nationalratswahlkampf ist doch sehr auf die einzelne Person fixiert», so Joss.

Spass an Podiumsdiskussionen

Ähnlich wie Joss ist es auch den anderen Spitzenkandidierenden der wählerstärksten Parteien im Bezirk Dietikon ergangen. «Es war eine sehr intensive Zeit», sagt Josef Wiederkehr. Auf Listenplatz 4 gestartet verlor er einen Rang. Seine Wahlkampfkosten lägen in einem sechsstelligen Bereich. Der Dietiker Kantonsrat ist überzeugt, dass sich der ganze Aufwand gelohnt, auch wenn es für ihn nicht ins Bundeshaus gereicht hat. «Ich habe eine breite Unterstützung erfahren. Viele Personen, mit denen ich lange keinen Kontakt mehr hatte, haben sich im Verlauf des Wahlkampfes bei mir gemeldet. Das hat mich gefreut», so Wiederkehr.

Zudem mache es Spass an Podiumsdiskussionen teilzunehmen. Ob auch er in vier Jahren erneut einen Anlauf nimmt, weiss Wiederkehr noch nicht. «Bis dahin vergeht noch viel Zeit. Ich werde eine erneute Kandidatur aber nicht ausschliessen», erklärt er. Allerdings sei er erstmals froh, dass der Wahlkampf vorbei sei. Zumal er seit Januar keine Ferien mehr hatte. «Das ändert sich zum Glück bald», so Wiederkehr.

«Nonstop unterwegs»

Bald in Urlaub fährt auch der Geroldswiler Gemeinderat und FDP-Nationalratskandidat Dominik Tiedt. Er beendete die Wahlen auf Platz 17, gestartet war er auf Rang 13. Gekostet habe der Wahlkampf rund 40000 Franken. Auch er habe eine strenge Zeit hinter sich. «Während rund zwei Monaten war ich praktisch nonstop unterwegs», sagt Tiedt. Doch der Stress beginne bereits früher, bei der Planung der Kampagne, den einzelnen Aktionen und Auftritten. Dort treffe man auf interessante Personen.

«Das macht Spass und ist enorm spannend», hält er fest. Auch er habe einen Berufsschüler getroffen, der ihn nach seinem Auftritt gefragt habe, wie er sich in der FDP engagieren könne. «Solche Begegnungen sind Highlights. Ähnlich ist es bei den Podiumsdiskussionen. Nach der Wahl von Hans Egloff, kann ich immerhin behaupten, dass ich an einem Podium mit einem Nationalrat diskutiert habe», sagt Tiedt lachend.

Überhaupt sei die Aufmerksamkeit, die einem medial aber auch von völlig unbekannten Personen entgegengebracht werde, erstaunlich. «Ich habe E-Mails von Leuten erhalten, die ich überhaupt nicht kenne. Alle haben mich ermuntert, so weiterzumachen», so Tiedt. Er wolle jedenfalls in vier Jahren nochmals für den Nationalrat kandidieren. «Jetzt konzentriere ich mich aber zuerst auf die FDP des Bezirks und mein Amt im Geroldswiler Gemeinderat.»

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