Dietikon
Nach 50 Dates in 12 Städten: «Eine Liebesformel gibt es nicht»

Die 29-jährige Dietikerin Yvonne Eisenring hat ein Jahr lang 50 Dates in 12 Städten absolviert. Nun weiss sie beispielsweise, dass New York ein Single-Paradies ist.

Anina Gepp
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50 Chancen für die Liebe: Yvonne Eisenring hat nach einem Jahr voller Dates einiges zu berichten.

50 Chancen für die Liebe: Yvonne Eisenring hat nach einem Jahr voller Dates einiges zu berichten.

Die Journalistin Yvonne Eisenring hat sich eine Auszeit genommen, Job und Wohnung gekündigt und sich auf die Suche nach der Liebe begeben. Diese Erfahrungen hat sie niedergeschrieben und veröffentlicht. Ihr Buch «Ein Jahr für die Liebe» wurde sofort ein Bestseller.

Frau Eisenring, wie verzweifelt waren Sie, als Ihnen die Idee gekommen ist, Job und Wohnung zu kündigen und ein Jahr dem Verlieben zu widmen?

Yvonne Eisenring: Das hat nichts mit Verzweiflung zu tun. Im Gegenteil: Ich fand das Single-Dasein immer toll. Es war mir klar, dass ich mich nur dann festlege, wenn es mit einem Mann zu hundert Prozent stimmt. Das ist dann der Fall, wenn ich vor lauter Verliebtheit nicht mehr esse oder schlafe. Aber das passiert nun einmal sehr selten. Ich wollte deshalb herausfinden, was es braucht, damit ich mich total verliebe.

Oftmals wird in diesem Zusammenhang von der «Generation beziehungsunfähig» gesprochen. Ist da etwas dran?

Das finde ich völliger Quatsch. Wir sind vielleicht die Generation, die sich nur schwer festlegen kann und viele Erwartungen an eine Beziehung hat, aber unfähig sind wir nicht. Ich habe mich aber auch nicht mit Beziehungen auseinander gesetzt, sondern mit dem, was davor passiert; mit dem Prozess des Kennenlernens und des Verliebens.

Sie haben unter anderem Männer in New York, Rom, Havanna und Hamburg getroffen. Sind Sie in der Schweiz nicht fündig geworden?

Nach 27 Jahren in der Schweiz war es nicht schlecht, seinen Radius etwas zu erweitern (lacht). Ich war einerseits neugierig, wie in anderen Ländern gedatet wird. Aber ich wollte vor allem auch wirklich Zeit dafür haben. Wäre ich in der Schweiz geblieben, wäre ich viel zu schnell wieder in dem normalen, hektischen Alltag gewesen, in dem man gar keine Zeit mehr hat für eine neue Bekanntschaft. Ich wollte keine Verpflichtungen haben und frei sein, das ist einfacher im Ausland.

Haben Sie nach einen bestimmten Typ Mann gesucht?

Nein. Ich habe wie die meisten in meinem Alter gar nicht wirklich gewusst, was ich will und was nicht. Wir setzen uns ja sehr intensiv damit auseinander, was wir beruflich wollen, bei der Liebe machen wir das nicht. Oft erstellt man sich ein Bild des vermeintlichen Traummanns. Besonders dadurch, weil man das irgendwo in einem Frauenmagazin oder von Freundinnen gehört hat. Ob das aber dann wirklich dem entspricht, was man für sich als gut erachtet, sei dahingestellt.

Und wissen Sie denn heute, was Ihnen bei einem Mann besonders wichtig ist?

Es ist mir sehr wichtig, dass ein Mann emanzipiert ist und keine altmodischen Rollenbilder kopiert. Es ist mir egal, ob er mehr oder weniger verdient als ich und ob er mich auf einen Drink einlädt oder nicht. Er soll interessiert sein an meiner Person und gut zuhören können.

Dann haben Sie sie also gefunden: die Formel für die Liebe.

Auch wenn ich eine Liste mit Dingen machen würde, die ein Mann mit sich bringen muss, damit ich mich in ihn verliebe, ist das genau so wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, wie wenn ein Mann diese Bedingungen nicht erfüllt. Deshalb nein, es gibt keine Formel, Gefühle haben keine Logik. Auch wenn ich mir das gewünscht hätte.

Wie haben Sie eigentlich all diese Männer gefunden, die Sie gedatet haben?

Ich hatte kein Konzept. Während meiner Reise habe ich einfach die Dinge getan, die ich schon lange verwirklichen wollte. Wie beispielsweise Italienisch zu lernen oder einmal für längere Zeit in New York zu leben. Nebenbei habe ich all diese Männer kennen gelernt. Ich wurde viel verkuppelt und oft angesprochen. Sogar auf der Strasse, beispielsweise beim Joggen.

Ein Jahr für die Liebe Auf der Suche nach der Liebe hat Yvonne Eisenring 50 Dates in einem Jahr gehabt. Dafür hat sie 12 Städte auf der ganzen Welt bereist. In ihrem neu erschienenen Buch «Ein Jahr für die Liebe» beschreibt die 29-jährige Autorin ganz unverblümt ihre Flirts und scheint damit genau den Nerv der Zeit zu treffen, denn das Buch der Limmattalerin ist bereits jetzt ein Bestseller. Eisenring hat ihre Karriere als Journalistin bei der Limmattaler Zeitung begonnen und danach bei «20 Minuten» gearbeitet. Ebenfalls war sie als Fernsehreporterin bei Tele Züri tätig. Zudem machte sie sich einen Namen mit Essays, Porträts und Reportagen für «Das Magazin», «Neon» und «Annabelle». Mit ihrer Schwester Corinne hat sie eine Produktionsfirma gegründet und dreht gerade einen Dokfilm. Yvonne Eisenring wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem wurde sie 2013 «Newcomerin des Jahres » der Schweizer Journalisten. (Age)

Ein Jahr für die Liebe Auf der Suche nach der Liebe hat Yvonne Eisenring 50 Dates in einem Jahr gehabt. Dafür hat sie 12 Städte auf der ganzen Welt bereist. In ihrem neu erschienenen Buch «Ein Jahr für die Liebe» beschreibt die 29-jährige Autorin ganz unverblümt ihre Flirts und scheint damit genau den Nerv der Zeit zu treffen, denn das Buch der Limmattalerin ist bereits jetzt ein Bestseller. Eisenring hat ihre Karriere als Journalistin bei der Limmattaler Zeitung begonnen und danach bei «20 Minuten» gearbeitet. Ebenfalls war sie als Fernsehreporterin bei Tele Züri tätig. Zudem machte sie sich einen Namen mit Essays, Porträts und Reportagen für «Das Magazin», «Neon» und «Annabelle». Mit ihrer Schwester Corinne hat sie eine Produktionsfirma gegründet und dreht gerade einen Dokfilm. Yvonne Eisenring wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem wurde sie 2013 «Newcomerin des Jahres » der Schweizer Journalisten. (Age)

Zur Verfügung gestellt

Wo war das?

In New York. Dort ist es extrem einfach, Leute kennenzulernen.

Ist New York also das Single-Paradies?

Definitiv. Die Männer sind mutiger und ein Date ist unverfänglicher. Man sieht das alles nicht so ernst. Aber auch in Tel Aviv wurde ich oft angesprochen.

Wo ist es hingegen schwierig, Männer kennenzulernen?

In Hamburg. Dort habe ich dann Tinder, eine Datingapp, benutzt. Einige der Männer, die ich darüber dann getroffen habe, sind durchaus toll. Ich denke, dass sie einfach zu scheu sind, um aktiv auf Frauen zuzugehen und sie dann anzusprechen.

Welches war das schrägste aller Dates?

Ein Typ hat in einem Café begonnen zu singen. Er wollte mir beweisen, dass er eine gute Stimme hat und schmetterte eine italienische Arie nach der anderen hin. Das war sehr irritierend. Ich habe mich dann schnell verabschiedet.

Haben aber auch Sie einmal einen Korb gekriegt?

In Amerika habe ich zum Beispiel einen Mann namens John kennen gelernt. Wir haben einen Roadtrip durch die USA geplant, er hat mir wirklich sehr gefallen. Kurz bevor es so weit war, sagte er das ganze Vorhaben per SMS ab, weil er mit einer anderen Frau zusammen war. Das war natürlich eine Enttäuschung.

Kam es manchmal auch zu einem zweiten Date?

Sicher. Ich habe nicht 50 verschiedene Männer getroffen, mit vielen habe ich mich auch mehrmals getroffen. Dass aus der ganzen Geschichte ein Buch wird, war erst viel später klar. Ich war schon mehrere Monate unterwegs, als eine Anfrage vom Orell Füssli Verlag kam. Ich schlug drei Themen vor, eines davon war, zu erzählen, was ich gerade auf meinen Reisen erlebe. So wurde aus der Auszeit ein Buch.

Wie ehrlich ist Ihr Buch?

Ich habe nichts ausgeschmückt, alles ist wahr. Lediglich die Namen der Männer wurden verändert. Ich habe in meinem Buch aber auch niemanden verletzt oder schlecht gemacht. Natürlich ist das Empfinden bei einem Date aber immer subjektiv. Ob mein Gegenüber das Treffen im Nachhinein genau so beschrieben hätte, weiss ich nie mit Sicherheit.

Welchen Tipp können Sie der Männerwelt für ein erstes Date geben?

Ich bekomme viele Mails von Männern, die mein Buch gelesen haben. Sie finden es spannend, einmal Einblick in das Denken einer Frau zu bekommen. Ratschläge zu geben finde ich aber schwierig. Am wichtigsten ist es, sich selbst zu sein und ehrliches Interesse an einer Person zeigen zu können. Es geht nicht darum, das Gegenüber zu beeindrucken, sondern es kennenzulernen.

Nach all den Dates: Haben Sie sich denn jetzt verliebt?

Natürlich verrate ich das nicht, sonst würde ich ja das Ende des Buches preisgeben. Ich kann aber sagen, dass ich derzeit sehr glücklich bin.