Urdorf
Nach 40 Jahren nutzlosem Dasein - Unterführung wird abgerissen

Die Gemeinde schliesst die Feldstrassen-Unterführung und ersetzt sie durch einen Fussgängerstreifen. Die Massnahme ist Teil eines grösseren Trends im Limmattal

David Egger
Merken
Drucken
Teilen
So sieht die Unterführung unter der Urdorfer Feldstrasse aus. Nächsten Montag wird sie für immer geschlossen.

So sieht die Unterführung unter der Urdorfer Feldstrasse aus. Nächsten Montag wird sie für immer geschlossen.

David Egger

Versifft. Verlassen. Und vergebens gebaut, könnte man sagen. Das ist die Unterführung in Urdorf, die von der Neumattstrasse her unter der Feldstrasse hindurchführt. Entstanden ist sie vor 40 Jahren, zusammen mit der vierspurigen Feldstrasse. Diese hätte den Verkehr zur geplanten Autobahn beim Urdorfer Zentrum führen sollen.

Doch das Bundesamt für Strassen liess die A3 weiter westlich bauen, weil das die Urdorfer so forderten. Nur: Die Unterführung und der Autobahnzubringer wurden schon vor der Autobahn fertiggestellt. So verwandelte sich die Feldstrasse in eine überdimensionierte Strasse in Kantonsbesitz.

Und die Unterführung wurde zu einem zwar gut gemeinten Angebot, das aber nie so oft genutzt wurde wie geplant. Lieber gingen die Fussgänger direkt über die Strasse, wenn gerade kein Auto zu sehen war.

40 Jahre langes nutzloses Dasein

Trotzdem überlebte die rollstuhlgängige Unterführung 40 Jahre. Sie aufzuheben, nur weil sie kaum genutzt wurde, hätte sich nicht gelohnt. Doch jetzt ist es so weit: Die Gemeinde als Eigentümerin teilte vor Kurzem mit, dass die Unterführung ab nächsten Montag geschlossen wird. Für immer.

Der Grund: Die Werkleitungen bei der Feldstrasse werden saniert. Die Gasleitung soll künftig nicht mehr einen Bogen um die Unterführung machen, sondern mitten hindurch führen – in einer Höhe, die zur Folge hätte, dass sich ein Fussgänger den Kopf anstösst, wenn er grösser ist als 1,70 Meter.

Und hätte die Gasleitung ein Leck, würde das Gas in der Unterführung liegen bleiben wie in einer Badewanne. Dazu kommt, dass die Unterführung in den nächsten Jahren bald einmal hätte saniert werden müssen.

Mit der Unterführung werden auch zahlreiche Schmierereien verschwinden.
9 Bilder
So sieht die Unterführung unter der Urdorfer Feldstrasse aus. Nächsten Montag wird sie für immer geschlossen.
Als die Unterführung gebaut wurde, ging man noch davon aus, dass die Feldstrasse als Autobahnzubringer benutzt wird...
...doch dazu ist es nie gekommen. Nun wird die Unterführung entfernt und durch einen Fussgängerstreifen ersetzt.
Im Limmattal verschwinden in den nächsten Jahren mehrere Unterführungen.
Im Zuge der ersten Bauetappe der Limmattalbahn werden zum Beispiel in Schlieren drei Unterführungen verschwinden.
Die Unterführung in Urdorf wird entfernt, weil hier künftig eine Gasleitung hindurchführt.
So sieht der Eingang zur Unterführung aus: An der Feldstrasse, wo seit Mitte März gebaut wird.
Würde die Unterführung nicht entfernt werden, wäre schon bald eine Sanierung nötig.

Mit der Unterführung werden auch zahlreiche Schmierereien verschwinden.

deg

Nun bricht die Gemeinde in den nächsten zwei Wochen den Deckel der Unterführung ab, ebenso zwei Drittel der verschmierten Wände. In der Mitte entstehen zwei Betonwände, zwischen denen die Gasleitung hindurchführt.

Und wenn dereinst der Kanton die ganze Feldstrasse von vier auf zwei Spuren reduziert, wird die Unterführung komplett zurückgebaut. Und es verschwindet das Tor in eine mögliche Welt, in der sich die Feldstrasse anders entwickelt hätte.

Weil nun die Unterführung entfernt wird, erlangt der Untergrund unter der Feldstrasse doch noch den Zweck, der ihm vor 40 Jahren eigentlich versehen wurde: Endlich wird er genutzt, um die Feldstrasse zu unterqueren – auch wenn es nur Gas-Moleküle sind.

Die Feldstrasse-Unterführung ist nicht die einzige, die verschwindet: Im Zuge der ersten Bauetappe der Limmattalbahn werden auch in Schlieren drei Unterführungen entfernt. Und durch Fussgängerstreifen ersetzt. Die Zeit der Unterführungen ist vorbei.

Jetzt wird der Schulweg zum «Embri» sicherer

Noch hat der Kantonsrat den Kredit für den Umbau der Feldstrasse von vier auf zwei Spuren nicht gesprochen. Einen Teil der Strasse lässt die Gemeinde nun schon ab nächster Woche provisorisch halbieren: Dort, wo sich der Fussgängerstreifen bei der Seitenstrasse «Im Embri» befindet, die zum Schulhaus Embri führt.

Die Überquerung der Strasse soll für Kindergärtner und Schüler der ersten Klasse sicherer werden. Auf Anfrage der Gemeinde hat sich auch die Kantonspolizei für diese Massnahme ausgesprochen. Der Grund: Die jüngsten Kinder können Tempo und Entfernung herannahender Fahrzeugen ungenügend einschätzen, wenn eine Fahrtrichtung zwei Spuren statt einer aufweist. (DEG)