Schlieren hatte am Samstagvormittag allen Grund zur Freude. Untypischerweise gab es keinen Regen an diesem Schlieremer Chilbi-Wochenende, sondern einen Himmel, der zwar hellgrau dreinblickte, keinesfalls aber düster war. Die angenehmen elf Grad boten komfortable Voraussetzung für die Einweihung des neuen Stadtplatzes. Das Interesse war gross, gekommen sind gegen die 300 Besucher. Die Harmonie Schlieren eröffnete den Festakt mit dem Stück «Phantom of the Opera», als wäre die Musik ein Vorbote für etwas Mystisches. Das gab es dann auch. Und zwar mit der feierlichen Inbetriebnahme des Nebelbrunnens.

«Heute ist ein Freudentag», eröffnete Stadtpräsident Markus Bärtschiger seine Rede. Der neue Stadtplatz sei eine «Verkehrsmaschine», die vielfältige Begegnung der freundlichen und verbindenden Art ermöglicht. Genauso verbinde das neue Wahrzeichen, das orange-rote Flügeldach, Strassen und Ortsquartiere optisch miteinander. «Der Flügel sagt uns: Hier bist du in der Mitte der Stadt Schlieren, sozusagen unter dem Flügel eines wohlwollenden Vogels, zwischen Vergangenheit und Zukunft», sagte Bärtschiger. Denn das an Metallschutzfarbe erinnernde Rot stehe symbolisch für das industrielle Erbe Schlierens.

Der Nebelbrunnen wird feierlich eingeweiht

Der Nebelbrunnen wird feierlich eingeweiht

Die Farbe sei auch dynamisch. In der Vorwärtsbewegung müsse die menschliche Komponente erhalten bleiben, betonte Bärtschiger. «Der Umbau der Badener- und Zürcherstrasse soll nicht nur Verkehrsprobleme entschärfen, sondern den Menschen die Möglichkeit geben, näher zusammen zu rücken.» Der Stadtpräsident bedankte sich bei allen, die zum Gelingen dieses Bauwerks beitrugen, insbesondere der Bevölkerung, die das Projekt nicht nur bewilligt, sondern auch bezahlt hatte.

Das Gewicht von 111 Nilpferden

Der Ressortvorsteher Bau und Planung, Stefano Kunz, bezeichnete in seiner Ansprache den Moment als «historisch». Das gelungene Resultat der Zusammenarbeit von Gemeinde, Kanton, Bund, Bahn, Stadtverwaltung, aber auch Architekten und Handwerker sei ein Zeichen der Qualität des Kompromisses zwischen Wünsch- und Machbarem. Das Fundament des Platzes ruhe auf 450 Tonnen Kies. Der total verbaute Stahl für den Flügel betrage 172 Tonnen, was dem Gewicht von 111 Nilpferden entspreche. Der Nebelbrunnen aus Wasser, das für Leben und Veränderung steht, sei ressourcenschonend: «Der Brunnen hat 30 LED-Leuchten, der Nebel kühlt die Temperatur im Sommer um bis zu sechs Grad. Pro Minute braucht der Brunnen acht Liter Wasser. Bei einer Betriebszeit von zwei Minuten in einem Intervall von 20 Minuten wird pro Stunde 48 Liter verwendet», führte Kunz aus.

Symbolisch übergab er dem Schlieremer Brunnenmeister, Carlos Pighin, einen grossen Kartonschlüssel, um den Nebelbrunnen unter Begleitung der Harmonie Schlieren, einzuweihen. Kaum in Betrieb, umgab der Nebel den Platz mit einer geheimnisvollen Aura, das Publikum applaudierte und einige Kinder begannen gleich im und mit dem Nebel zu spielen.

Vor Ort war die lokale Politprominenz. Alt-Stadtpräsident Toni Brühlmann sagte, die Bäume, die noch kommen, würden den Platz noch einladender machen. FDP-Stadträtin Manuela Stiefel lobte, auf dem Platz würden sich ganz neue Perspektiven auf Schlieren ergeben, je nach dem wo man stehe. GLP-Stadtrat Andreas Kriesi werde sich noch mehr freuen, wenn die Limmattalbahn fahren wird. Verwaltungsratspräsident der Limmattalbahn, Hans Egloff, und Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn, Daniel Issler, freuten sicht mit. Denn die Bahn hat im Auftrag der Stadt den Platz gebaut. Die zuständigen Architekten Roger Weber und Stephan Kuhn genossen den Anlass, denn ihre Vorstellungen und Pläne entsprachen genau der Realität.

Der Schlieremer Stadtingenieur, Hans-Ueli Hohl, der von Seiten der Stadt den Bau koordiniert hatte, hielt fest: «In den Bauvisualisierungen hatte es einen Markt und nun hat es tatsächlich einen.» Der kleine «Schliere Märt» fand zum ersten Mal auf dem Stadtplatz statt. Von dort aus konnte man zur Chilbi flanieren, die beim nahegelegenen Stadtpark stattfand.