Eine Automobilistin hat in Oberengstringen eine Frau und ihre dreijährige Tochter auf dem Fussgängerstreifen überfahren. Während die Mutter seither invalide ist, hat das Kind die Tragödie nicht überlebt. Die fehlbare Lenkerin wurde am Dienstag verurteilt.

Der tragische Unfall ging auf den 28. Januar 2008 zurück. Damals fuhr eine Autolenkerin mittleren Alters am Abend mit ihrem Personenwagen von Zürich nach Oberengstringen. Um 18.40 Uhr bewegte sie sich mit rund 50 km/h über die Zürcherstrasse auf einen Fussgängerstreifen zu. Dort war eine junge Mutter, die gerade im Begriff war, die Strasse zu überqueren. Sie trug ihre dreijährige Tochter in einem Arm und schob gleichzeitig den Kinderwagen ihres einjährigen Sohnes vor sich her.

Auf Fussgängerstreifen überfahren

Fest steht, dass die Autolenkerin ungebremst in die Fussgängerin hineinfuhr. Sie hatte noch im letzten Augenblick den Kinderwagen nach vorne gestossen und ihren Sohn gerade noch gerettet. Die Autolenkerin musste sich in der Folge vor der Zürcher Strafjustiz verantworten. Mit unterschiedlichen Ergebnissen. So hatte sie von Anfang an beteuert, dass sie die Opfer erst im letzten Augenblick gesehen habe. Die Verteidigung ging von einem Fehlverhalten der Mutter aus, die den Fussgängerstreifen zu überraschend betreten habe. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die der Lenkerin mangelnde Aufmerksamkeit anlastete.

Es folgten sich widersprechende Urteile. So wurde die Beschuldigte im Mai 2010 vom Bezirksgericht Dietikon zuerst für schuldig befunden und zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 60 Franken sowie 1000 Franken Busse verurteilt.

Im April 2011 kam es in einem ersten Berufungsprozess vor dem Obergericht zu einer Wende. Die Oberrichter sprachen die Autofahrerin frei und gingen davon aus, dass die Mutter die Strasse zu unvermittelt überquert habe. Nach dem Entscheid legte die Oberstaatsanwaltschaft Beschwerde am Bundesgericht ein.

Wende am Bundesgericht

Am Bundesgericht folgte erneut eine Wende. «Die Beschuldigte war offensichtlich nicht aufmerksam, ansonsten sie die Geschädigte früher bemerkt und sofort ein Bremsmanöver eingeleitet hätte» lautete der zentrale Befund der obersten Richter, welche den Fall zur Neubeurteilung an das Obergericht zurückwiesen.

So kreuzten am Dienstag die Parteien erneut die Klingen. Vor den Schranken musste auch ein Experte des Wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich aussagen. Sein Gutachten belastete die Angeschuldigte. Weshalb die Verteidigung von einer untauglichen Rekonstruktion sprach und erneut den Freispruch von den Hauptvorwürfen verlangte.

Das Obergericht folgte zum Schluss der Anklage und führte aus, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre. Die Strafkammer lastete der Lenkerin mangelnde Aufmerksamkeit an. Die reumütige Frau, die unter den Folgen der Tragödie heute noch massiv leidet, wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken sowie zu einer Busse von 900 Franken verurteilt. Zudem wurde sie grundsätzlich verpflichtet, der Mutter Schadenersatz sowie Genugtuung in noch unbekannter Höhe zu bezahlen. Darüber soll ein Zivilrichter entscheiden.