Bezirksgericht
Mutter klaut Schmuck und Pampers – nun muss sie gemeinnützig arbeiten

Eine Schweizerin wurde wegen diverser Diebstähle zu 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Vom Hauptvorwurf wurde sie jedoch freigesprochen.

Attila Szenogrady
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Die 29-Jährige klaute in einem Schmuckgeschäft einen Diamant-Ohrring – nur einer von vielen Diebstählen, welche die Mutter begangen hatte.

Die 29-Jährige klaute in einem Schmuckgeschäft einen Diamant-Ohrring – nur einer von vielen Diebstählen, welche die Mutter begangen hatte.

Zur Verfügung gestellt

«Ich hatte das Geld schlecht eingeteilt», rechtfertigte sich die heute 29-jährige Beschuldigte diese Woche am Bezirksgericht Dietikon. Der zweifachen Mutter aus Regensdorf wurde ein ganzer Strauss von Delikten angelastet. So eine Serie von Diebstählen, die im November 2013 in Schlieren einsetzte.

Damals tauchte die Schweizerin zusammen mit ihrem Freund in einem Schmuckgeschäft auf und bot Altgold zum Verkauf an. Als der Geschäftsführer den Schmuck abwägen wollte, behändigte die Beschuldigte in einem günstigen Augenblick einen mit Diamanten besetzten Ohrstecker für rund 500 Franken. Der Coup flog erst auf, als die Polizei die Beute wenige Wochen später bei einer Hausdurchsuchung bei der Beschuldigten sicherstellte.

Die Anklageschrift zählte zudem diverse Ladendiebstähle auf. Wobei die Sozialhilfeempfängerin vor allem in Wettingen und Regensdorf zuschlug und wiederholt in Denner- oder Coop-Filialen Lebensmittel und Windeln stahl. Vor Gericht gab die ehemalige Drogenkonsumentin die Diebstähle zu, machte aber eine finanzielle Notlage als Tatmotiv geltend. Gegen sie sprach allerdings, dass sie sich trotz langjähriger Arbeitslosigkeit mit einem geleasten Auto zusätzlich verschuldet hatte.

Konto einer Freundin geplündert

Der Hauptvorwurf der Anklage ging ebenfalls auf den Herbst 2013 zurück. Damals soll die Beschuldigte eine drogenabhängige Freundin innert weniger Wochen um über 20'000 Franken geprellt haben. Die Privatklägerin wurde damals von ihren Eltern grosszügig finanziell unterstützt, war aber infolge eines Unfalls ans Bett gebunden.

Deshalb bat die Geschädigte die Mutter wiederholt, für sie Geld an einem Bankomaten zu beziehen. Worauf die Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis immer wieder höhere Geldbeträge für sich abzweigte.

Als die Privatklägerin die grossen Löcher auf ihrem Konto entdeckte, erstattete sie Strafanzeige. Allerdings wies die mutmassliche Betrügerin den Verdacht von Anfang an von sich. «Ich habe ihr die abgehobenen Gelder jeweils übergeben», wehrte sie sich auch vor dem Dietiker Gericht. Sie habe gelegentlich bis zu 40 Franken erhalten. Damit sei die Geschädigte einverstanden gewesen, erklärte sie. Die Beschuldigte stellte auch in Abrede, dass sie die Klägerin mit zwei Gramm Kokain beliefert hatte.

Die Staatsanwaltschaft verlangte wegen mehrfachen Diebstahls, Betrugs und weiteren Delikten eine hohe, unbedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 60 Franken, also 9600 Franken. Verbunden mit einer Busse von 1000 Franken. Zudem sollte eine Vorstrafe wegen einer Blaufahrt von 2000 Franken widerrufen werden.

Gewichtige Teilfreisprüche

Anträge, welche die Verteidigung zum Teil zurückwies. So verlangte sie Freisprüche von den Vorwürfen der Kontoplünderung sowie der Drogenlieferung. Dabei zerpflückte sie die Aussagen der Privatklägerin, die als Heroin- und Kokainkonsumentin das Geld mit beiden Händen ausgegeben und dabei auch andere Personen für Geldbezüge eingespannt habe.

So sei es überhaupt nicht erwiesen, dass die Beschuldigte über 20'000 Franken für sich eingesteckt hätte. Bei der Strafzumessung verwies die Verteidigerin auf die desolate finanzielle Lage ihrer Klientin und forderte anstelle einer Geldstrafe 240 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Zuletzt setzte sich die Verteidigerin mit ihren Anträgen durch. So kam das Bezirksgericht zu gewichtigen Teilfreisprüchen. Es sah weder die Kokainlieferung noch den betrügerischen Missbrauch einer Datenverarbeitungsanlage als erwiesen an. Die Tatsache, dass auch andere Personen die Bankkarte der Privatklägerin benutzen durften, entlastete die Mutter.

Schuldsprüche gab es dagegen bei den Diebstählen von Schmuck, Lebensmitteln und Pampers-Windeln. Da sich die Beschuldigte bereit erklärt hatte, die Strafe mit gemeinnütziger Arbeit verrichten zu können, verzichtete das Gericht auf eine unbedingte Geldstrafe.

Es setzte unbedingte Fronarbeit von 240 Stunden fest. Da sich auch die Kesb um die beiden Kleinkinder kümmert, kann die Mutter diese Strafe abarbeiten. Um den Familienhund soll sich dann der erwerbslose Vater kümmern.