Unterengstringen
Mütter haben Freude am Deutschkurs, der dieses Jahr startete – jetzt soll er ausgebaut werden

Der im Mai eingeführte Mutter-Kind-Deutschkurs der Primarschule Unterengstringen begeistert die Teilnehmerinnen. Nun soll er sogar ausgebaut werden, indem auch Mütter aus umliegenden Orten den Kurs besuchen.

Lydia Lippuner
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Wie sagt man es auf Deutsch? Die Mütter des Muki-Deutschkurses lernen, wie sie einfache Gespräche führen können.

Wie sagt man es auf Deutsch? Die Mütter des Muki-Deutschkurses lernen, wie sie einfache Gespräche führen können.

Die Köpfe der sechs Mütter sind über ein Arbeitsblatt gebeugt. Zweimal pro Woche sind sie in der Rolle ihrer Kinder, die ebenfalls im Schulhaus Büel in Unterengstringen die Schulbank drücken. An den Tagen des Mutter-Kind-Deutschkurses (Muki) sollen sie während zweier Lektionen lernen, wie sie einfache Gespräche führen und kurze Sätze schreiben können. Ihre Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind, werden während dieser Zeit in einem Raum direkt über dem Schulzimmer betreut.

«Die Idee kam spontan während einer Sitzung der politischen Gemeinde mit der Schulpflege», sagt Martin Amann, Projektleiter und Mitglied der Primarschulpflege. Sie hätten gemeinsam beschlossen, das Projekt im Mai 2018 zu starten. Es war ein Wagnis, da sie keine vergleichbaren Projekte in der Umgebung kannten. Der Deutschkurs wird vom Sozialamt der Gemeinde finanziert und steht momentan nur Sozialhilfeempfängerinnen offen. Nach der ersten Pilotphase waren sowohl die Frauen als auch die Lehrerin begeistert. Seither gehört der Kurs zum festen Programm.

«Die Frauen sind motiviert und lernen schnell», sagt die Lehrerin, Lucia Peters. Sie unterrichtet die Frauen seit Beginn. Peters gab bereit viele Jahre Deutschunterricht in Zürich an der Kantonalen Berufsschule für Weiterbildung. Bereits damals fiel ihr auf, dass mehr Frauen als Männer den Deutschkurs besuchten. «Obwohl die Mütter zu Hause und mit den Kindern meist vollauf beschäftigt waren, kamen mehrheitlich Frauen in die Kurse», sagt sie.

Im Unterschied zu ihren damaligen Deutschkursen ist der Muki-Deutschkurs noch praxisorientierter. Die Frauen üben Dialoge und vervollständigen Sätze auf dem Arbeitsblatt. Für manche von ihnen ist die lateinische Schrift eine Herausforderung, da sie in ihren ersten Schuljahren Arabisch, Tamil oder Tigrinya, eine Sprache aus Äthiopien und Eritrea, gelernt und gesprochen haben.

Expansion in umliegende Orte

Der Kurs stiess auf reges Interesse: «Die Mütter, die von den Sozialarbeiterinnen angefragt wurden, machten bisher alle gerne mit», sagt Amann. In Gedanken baut er den Kurs bereits aus: «Schön wäre es, wenn künftig auch Mütter aus den umliegenden Orten vom Sozialamt zu uns kämen.» Doch dafür muss die interne Organisation noch stärker werden. Da das Projekt von Grund auf selbst entwickelt worden sei, müssten die Verantwortlichen ständig neue Wege und Lösungen finden.

Im Schulzimmer suchen die Mütter derweil Wege, um ihr Deutsch aufzubessern. Um dieses Ziel zu erreichen, nehmen sie auch Hausaufgaben in Kauf. Diese erledigen sie gerne. «Doch ich gebe nichts allzu Grosses, denn sie haben bis zu fünf Kinder zu Hause», sagt Peters.

Jene Kinder, die einen Stock höher spielen, hören die Frauen durch die Decke. Wenn eines schreie, wisse die betreffende Mutter genau, dass es ihr Kind sei. Lasse sich das Kind gar nicht beruhigen, sitze es auch einmal neben der Mutter oder schlafe in einem Tuch auf ihrem Rücken.

«Nun geht meine Tochter in die dritte Klasse und ich mache jeden Tag Hausaufgaben mit ihr», sagt eine Mutter aus Sri Lanka. Eine andere Teilnehmerin aus Syrien freut sich ebenfalls über den Kurs, da sie neue Freundinnen kennenlernen kann.

Alle sind hier gleich: Vereint im Bemühen, eine Sprache zu lernen, die ihre Kinder oft schon fliessend beherrschen.