Schlieren
Muslimisches Grabfeld: Befremden und Bedauern

Die bürgerlichen Parteien und die Vereinigung der muslimischen Organisationen Zürich liegen sich in den Haaren. Die Bürgerlichen bemängeln zeigen sich trotz aller Kritik der VIOZ weiterhin offen für den Dialog.

Jürg Krebs
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Unspektakulär präsentieren sich die muslimischen Gräber in Zürich Witikon. In Schlieren sprach sich eine Parlamentsmehrheit dagegen aus.

Unspektakulär präsentieren sich die muslimischen Gräber in Zürich Witikon. In Schlieren sprach sich eine Parlamentsmehrheit dagegen aus.

Keystone

Zwischen den bürgerlichen Parteien, die sich gegen ein muslimisches Grabfeld auf dem Schlieremer Friedhof ausgesprochen haben, und der Vereinigung der muslimischen Organisationen Zürich (VIOZ) ist ein Streit ausgebrochen. Nach der Parlamentssitzung vom Montag hatte die VIOZ kritisiert, dass die bürgerlichen Parteien CVP, EVP, FDP und SVP von den örtlichen Muslimen Assimilierung verlangen würden und nicht Integration. Integration sei im Interesse der VIOZ, eine Assimilierung jedoch unannehmbar. Im Communiqué verwendete die VIOZ den Begriff «Assimilierung nach totalitärem Muster» (Ausgabe vom Mittwoch).

Zur Klärung der Begriffe: Während die Soziologie im Begriff Integration eine Anpassung an Schweizer Verhältnisse ohne Aufgabe der ursprünglichen Identität versteht, ist die Aufgabe der Identität bei der Assimilation zentral.

Parteien: Inakzeptabler Vorwurf

Nun kontern die Schlieremer Ortsparteien. «Die Argumente, welche in der Ratsdebatte vom Montag gegen die Schaffung eines separaten Grabfeldes für Muslime in Schlieren vorgebracht wurden, sind weder irreführend noch falsch», halten sie in einem gestern gemeinsam verschickten Communiqué den VIOZ-Vorwurf entgegen.

Das Parlament habe nach einer sachlichen Diskussion gestützt auf politische und juristische Argumente mit einer deutlichen Mehrheit entschieden, «dass ein separates, abgegrenztes Grabfeld für eine einzelne Religionsgemeinschaft abzulehnen ist». Dass die VIOZ den Parteien «Assimilierung nach totalitärem Muster» unterstelle, sei inakzeptabel. In Schlieren liege der Ausländeranteil seit Jahren über 40 Prozent, «ohne dass es deswegen Probleme gäbe. Das spricht für sich», schreiben CVP, EVP, FDP und SVP. Es liege nun aber auf der Hand, dass solche Äusserungen der VIOZ nicht geeignet seien, das Vertrauen in die Organisation und die Bereitschaft zum Gespräch zu stärken.

Weiterhin für den Dialog offen

Die Schlieremer Parteien halten darüber hinaus fest: «Bereits heute sind auf dem Friedhof Muslime neben Christen und Juden begraben.» Zudem: Die Befürworter eines separaten Grabfeldes für Muslime behaupteten, dass ein solches unabdingbar sei. Nach kantonalem Recht könne jedoch jede Gemeinde autonom darüber entscheiden, ob sie ein spezielles Grabfeld wolle. Die Parteien hätten im Vorfeld der Debatte seitens der Muslime sich widersprechende Informationen erhalten, ob ein solches Grabfeld einem Bedürfnis entspreche oder nicht. Und obschon Muslime in Schlieren zum Teil auch politisch aktiv seien, sei gegenüber dem Parlament nie der Wunsch nach einem separaten Grabfeld geäussert worden.

Die VIOZ habe sich offenbar für die Schaffung eines muslimischen Grabfeldes in Schlieren engagiert, heisst es im Communiqué weiter. Die VIOZ hätte mit den bürgerlichen Parteien das Gespräch suchen können, um diese von der Berechtigung des Anliegens zu überzeugen. Doch genau das sei nicht geschehen. Vielmehr beschränke sich die VIOZ darauf, im Nachhinein einen «im rechtstaatlichen und demokratischen Prozess zustande gekommenen Entscheid auf unsachliche Art und Weise zu kritisieren und andersdenkende Volksvertreter zu diffamieren.» Und weiter: «Das schweizerische politische System und seine Institutionen werden dadurch weder respektiert noch akzeptiert.» Trotz aller Kritik zeigen sich die bürgerlichen Parteien weiterhin offen für den Dialog.

VIOZ: Grabfeld ist ein Bedürfnis

Die VIOZ ihrerseits reagierte gestern wiederum auf das Communiqué von CVP, EVP, FDP und SVP: Es klinge zwar eingängig, wenn vordergründig die Integration der Muslime als Grund der Ablehnung eines als nicht legitim wahrgenommenen Anliegens der Muslime herbeigezogen werde. Das habe mit Integration aber wenig gemein. Ein separates Grabfeld sei für gläubige Muslime ein Bedürfnis. Da ihnen dieses Bedürfnis aberkannt werde, bedeute dies gleichzeitig eine Aufforderung zur Assimilierung.