Podiumsdiskussion Dietikon

«Muslime leben unter uns» - wichtig ist, dass man miteinander redet

An einem Abend zum Thema Muslime in der Schweiz wurde klar: Es gibt gemischte Gefühle auf beiden Seiten.

«Es ist die Visitenkarte eines Landes, wie es mit Minderheiten umgeht», sagt Markus Notter und wirft dabei die Hände in die Luft. Mit bestimmter und lauter Stimme erklärt der in Dietikon wohnhafte Präsident der Gesellschaft für Minderheiten in der Schweiz (GMS), auch die Mehrheit nehme Schaden daran, wenn Minderheiten schlecht behandelt würden.

Das Thema: «Muslime leben unter uns». Der Ort: das Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon. Zur Diskussionsrunde eingeladen hat die SP Dietikon, moderiert wird von Jürg Krebs, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung. Das Thema interessiert die Bevölkerung ganz offensichtlich: Der Saal ist mit rund hundert Zuhörerinnen und Zuhörern gut gefüllt. Darunter befinden sich sowohl viele Muslime als auch Christen. Gesprochen wird über die Ausbildung von Imamen in der Schweiz, über die Medienberichterstattung im Zusammenhang mit dem Islam, Frauen im Islam und muslimische Grabfelder.

Kontrovers: die Stellung der Frau

Für die Schaffung von muslimischen Grabfeldern setzt sich besonders Markus Notter ein. Es sei an sich ein einfach zu lösendes Problem, sagt er. Doch aus Angst vor dem Thema wolle sich kaum ein Politiker dafür stark machen. Eine Frau aus dem Publikum erzählt, ihr Vater liege zurzeit gerade im Sterben und sie habe überall herumtelefoniert, um in Erfahrung zu bringen, wie er nach muslimischen Regeln bestattet werden könne. Das Ganze sei äusserst schwierig, obwohl sie durchaus kompromissbereit sei: «Man könnte das Grab nach 25 Jahren aufheben.»
In Winterthur und Zürich bestehen bereits muslimische Grabfelder, was Diskussions-Teilnehmer Mahmoud El Guindi als erfreulich bezeichnet. Er ist der Präsident der Vereinigung Islamischer Organisationen in Zürich (VIOZ). Nur würden diese beiden Grabfelder eben noch lange nicht reichen, sagt er: «Viele Gemeinden stellen sich quer.»

Kontrovers diskutiert wird die Stellung der Frau im Islam. Ein jüngerer Mann aus dem Publikum erzählt von einer Begegnung mit einer muslimischen Frau. An einem Anlass in der Schule hätten die Eltern gemeinsam einen Kaffee-Stand organisiert, an dem auch eine Mutter mitgeholfen habe, die ein Kopftuch trug. Als er ihr die Hand zur Begrüssung hinstreckte, lehnte sie ab. Sie dürfe momentan keine Männer berühren. «Auch wenn ich Verständnis aufbringen möchte, hat mich das verletzt. Ich bin doch nicht schmutzig», sagt er. Die Runde ist sich einig, dass dies ein heikles Thema sei. Markus Notter plädiert dafür, das Thema anzusprechen und den Muslimen zu sagen, wenn man sich von solchem Verhalten verletzt fühlt. Mahmoud El Guindi stellt sich auf den Standpunkt, man dürfe so etwas nicht persönlich nehmen.

Eher zurückhaltend in der Diskussion zeigt sich Bernhard Egg, der im Kirchenrat der Reformierten des Kantons Zürich ist. Er habe nicht den Eindruck, dass die reformierte Landeskirche das Thema Islam ablehne, sagte er. Doch es sei natürlich schon so, dass man sich zuerst um die eigenen «Schäfchen» kümmere: «Die Landeskirche verliert jedes Jahr 5000 bis 6000 Mitglieder.»

Gemeinsame Anlässe als Ziel

Er sei aber offen für zukünftige Kirchen-Anlässe, die man beispielsweise gemeinsam mit Muslimen durchführen könnte, sagt er und verweist auf den Welt-Flüchtlingstag als Beispiel. Auch der Islam-Experte und Professor Ulrich Rudolph hielt sich eher im Hintergrund, konnte aber vor allem im Zusammenhang mit der Imam-Ausbildung in der Schweiz ein genaues Bild zeichnen: «In Fribourg gibt es einen Zertifikatslehrgang, doch das ist keine grundlegende Ausbildung. Die Menschen, die hier aufwuchsen, sollten hier die Ausbildung machen können.»

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